Badeunfall: Kein Sprung in flaches Wasser

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Die DGOU macht zur Badesaison auf das Risiko von Querschnittlähmungen nach Kopfsprüngen aufmerksam. Vor dem Sprung solle die Wassertiefe geprüft und auf Kopfsprünge in trübes Wasser grundsätzlich verzichtet werden, ebenso nach Alkohol- oder Drogenkonsum.

„Wer die Wassertiefe oder den Untergrund nicht kennt, sollte grundsätzlich nicht ins Wasser springen. Besonders Kopfsprünge können zu schweren Verletzungen der Halswirbelsäule und des Rückenmarks führen“, warnt DGOU-Präsident Prof. Frank Hildebrand.

Junge Männer besonders betroffen

Besonders riskant seien Kopfsprünge in flache oder trübe Gewässer. Eine bundesweite Statistik gebe es zwar nicht, die DGOU schätzt jedoch, dass sich jedes Jahr etwa 80 solcher Unfälle ereignen, die dann mit einer Querschnittlähmung enden. Betroffen seien häufig junge Männer.

Lebenslange Auswirkungen einer Querschnittlähmung

„Bereits ein Aufprall auf den Gewässergrund oder ein verborgenes Hindernis kann zu irreparablen Schäden an der Halswirbelsäule führen. Die Folgen reichen von dauerhaften Lähmungen bis hin zum Tod“, erläutert Prof. Matthias Königshausen, DGOU-Mitglied und Leitender Oberarzt in der Unfallchirurgie und Orthopädie, Universitäts- und Poliklinik am BG Klinikum Bergmannsheil Bochum.

„Das ist ein Schicksalsschlag, der zu einer absoluten Veränderung der gesamten Lebensumstände führt, körperlich, psychisch und sozial. Der Betroffene befindet sich häufig von einer Sekunde auf die andere in nahezu vollständiger Abhängigkeit und ist lebenslang auf fremde Hilfe angewiesen“, ergänzt Dr. Doris Maier, Leiterin der DGOU-Sektion Paraplegiologie (DMGP- Deutschsprachige Medizinische Gesellschaft für Paraplegiologie) und Ärztliche Direktorin der BG Unfallklinik Murnau.

Datenanalyse aus Bochum: In 18 Jahren 60 Schwerverletzte behandelt, keiner vollständig neurologisch genesen

Wie groß das Problem von Querschnittlähmungen nach Kopfsprüngen ist, zeigt unter anderem eine Datenanalyse von Betroffenen am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum.

Laut Studie wurden dort in den vergangenen 18 Jahren 60 Menschen behandelt, die nach einem Kopfsprung eine Rückenmarkverletzung erlitten hatten. Der Anteil an männlichen Patienten lag bei 98,7 Prozent. Das heißt, von 60 Patientinnen und Patienten waren 59 männlich. Sie wurden mit schweren Stauchungs- und Verrenkungsbrüchen der Halswirbelsäule eingeliefert, die eine traumatische Schädigung des Rückenmarks zur Folge hatten. Mehr als die Hälfte der Patienten sah sich sogar mit einer vollständigen Rückenmarkschädigung konfrontiert.

Das bedeutet ein Leben im Rollstuhl, Arme und Beine können nicht mehr bewegt werden. Bei keinem der Betroffenen kam es zu einer vollständigen neurologischen Genesung, das führte zu einem Leben mit deutlichen Einschränkungen und einer bleibenden Behinderung. Das Alter lag zum Unfallzeitpunkt im Mittel bei 28 Jahren. Auffällig ist, dass in knapp 42 Prozent der Fälle Alkohol im Zusammenhang mit dem Unfallereignis dokumentiert wurde. Eine bundesweite Statistik gibt es nicht.


Quelle: DGOU

Literatur: Ull C. Spinal Cord Injury With Tetraplegia in Young Persons After Diving Into Shallow Water: What Has Changed in the Past 10 to 15 Years? Global Spine J 2021;11(8):1238-1247. DOI: 10.1177/2192568220944124

DGOU-Aktionsseite „Tiefenwissen“ mit kostenlosen Schaubildern und einem Film, die über die Risiken aufklären.