Aortenklappenersatz: Chirurgisches und kathetergestütztes Verfahren ebenbürtig9. Mai 2024 Bei einer Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI), Foto: ©UKSH Bisher sind jüngere Patientinnen und Patienten mit verengter Aortenklappe vor allem mit einem chirurgischen Klappenersatz versorgt worden. Eine Studie, an der 38 deutsche Herzzentren mitgewirkt haben, zeigt nun, dass die kathetergestützte Aortenklappenimplantation (TAVI) dem chirurgischen Vorgehen ebenbürtig ist. Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) gehörte zu den Zentren, die die meisten Probandinnen und Probanden in die Studie eingeschlossen hatten, und war mit mehreren Autorinnen und Autoren beider Standorte in der international viel beachteten Publikation abgebildet. Sie ist kürzlich im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht worden. „Das ist eine sehr wichtige Arbeit, die auf längere Sicht die Therapie der Aortenklappenstenose beeinflussen könnte“, sagt Prof. Stephan Ensminger, Direktor der Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie, Campus Lübeck, der zusammen mit Prof. Ingo Eitel, Direktor der Medizinischen Klinik II, Campus Lübeck, und Prof. Derk Frank, Direktor der Klinik für Innere Medizin III mit den Schwerpunkten Kardiologie und Internistische Intensivmedizin, Campus Kiel, an der Studie beteiligt war. Die Aortenklappenstenose ist eine der häufigsten Herzerkrankungen. Bei der chirurgischen Therapie wird unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine eine Herzklappenprothese eingenäht, die als sehr dicht und langlebig gilt. Das interventionelle Katheterverfahren dagegen wurde bislang vor allem älteren Patientinnen und Patienten mit erhöhtem oder mittleren OP-Risiko empfohlen. Es ist für den Körper schonender. Um die Versorgungsformen zu vergleichen, wurden 1414 herzkranke Patientinnen und Patienten ab einem Alter von 65 Jahren entweder chirurgisch oder kathetergestützt behandelt. Die Studienteilnehmer wiesen dabei ein niedriges Operationsrisiko auf. In den zwölf Monaten nach dem Eingriff traten deutlich weniger Schlaganfälle und Todesfälle nach dem kathetergestützten Verfahren als nach der chirurgischen Therapie auf. „Die Studienergebnisse sind von hoher klinischer Relevanz. Aufgrund dieser neuen Daten kann die minimalinvasive Katheterbehandlung der Aortenklappenstenose auch bei jüngeren Menschen mit niedrigerem OP-Risiko als Alternative zum chirurgischen Verfahren in Erwägung gezogen werden“, sagt Eitel. Frank ergänzt, dass „die in Deutschland durchgeführte Studie die klinische Realität sehr gut abbildet und die überzeugenden Daten für den schonenden Klappenersatz über die Leiste über das gesamte Risikospektrum abrundet.“ Die Erkenntnisse basieren auf der Ein-Jahres-Auswertung der DEDICATE-DZHK6-Studie, die federführend am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) durchgeführt wird. Die industrieunabhängige Studie gehört zum Forschungsprogramm des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) und ist die erste in Deutschland, die von den Fachgesellschaften für Kardiologie und Herzchirurgie gemeinsam konzipiert wurde. Die Studienteilnehmer werden fortlaufend beobachtet, die Veröffentlichung der Langzeitergebnisse über die nächsten Jahre ist geplant.
Mehr erfahren zu: "Umbrella-Review: Opioide lindern viele akute Schmerzen nur kurzfristig" Umbrella-Review: Opioide lindern viele akute Schmerzen nur kurzfristig Eine neue Übersicht über 59 systematische Reviews verdeutlicht, dass Opioide bei vielen akuten Schmerzzuständen nur eine geringe und kurzfristige Linderung bewirken – bei einigen zeigen sie keinen klaren Vorteil gegenüber […]
Mehr erfahren zu: "Bundestag beschließt Änderungen an Krankenhausreform" Bundestag beschließt Änderungen an Krankenhausreform Eine Neuaufstellung der Krankenhäuser in Deutschland steht eigentlich schon im Gesetz. Union und SPD bringen jetzt aber Nachbesserungen der Krankenhausreform durch.
Mehr erfahren zu: "Angeborener Herzfehler: Fragebögen machen Belastungen im Alltag sichtbar" Angeborener Herzfehler: Fragebögen machen Belastungen im Alltag sichtbar Häufige Kontrolltermine, Unsicherheiten vor Eingriffen und Sorgen um Schule oder Entwicklung belasten viele Familien mit einem Kind mit angeborenem Herzfehler deutlich. Das zeigt eine aktuelle Studie des Universitätsklinikums Freiburg.