App trackt Erkrankungen auf Reisen16. Oktober 2024 © Daniel Rodriguez – stock.adobe.com (Symbolbild) Bei jeder dritten Reise wird jemand krank. Am häufigsten sind Magen-Darm-Beschwerden und Atemwegs-Symptome. Eine App soll zukünftig dabei helfen, Ausbrüche von ansteckenden Krankheiten früh aufzuspüren. Wer auf Reisen geht, sammelt unvergessliche Erlebnisse. Aber nicht nur das: Oft lesen Weltenbummlerinnen und Weltenbummler unterwegs auch gesundheitliche Probleme auf. Und das erstaunlich oft. Diese Erkenntnis lieferten Daten einer Reise-App, die Forschende der Universität Zürich (UZH) in Zusammenarbeit mit der WHO entwickelt haben. Die App ist nicht nur für Reisende hilfreich, sie kann auch dazu beitragen, das Auftauchen und die Ausbreitung von Infektionskrankheiten wie Dengue-Fieber oder neuen Grippe-Viren zu tracken. „Reisende spiegeln sehr gut wider, was weltweit passiert“, sagt die Epidemiologin und Studienleiterin Patricia Schlagenhauf vom UZH Institut für Biostatistik, Epidemiologie und Prävention. „Sie sind auch oft daran beteiligt, Krankheiten in neue Regionen der Welt einzuschleppen.“ Als Beispiel nennt sie den aktuellen Fall von Mpox in Schweden, mitgebracht von einem Reiserückkehrer aus Afrika. Ausbreitung von Infektionen verfolgen In der App ITIT (Illness Tracking in Travellers) beantworten Menschen auf Reisen täglich einige Fragen zu ihrer Gesundheit. Die App zeichnet zudem Informationen wie den Standort, Wetterdaten und Luftqualität auf. Das Forschungsteam hat nun die Daten analysiert, die mithilfe der App zwischen April 2022 und Juli 2023 gesammelt wurden. Die Analyse umfasste insgesamt 470 Reisen von 609 Personen durch alle Kontinente. Überraschend häufig kam es unterwegs zu Erkrankungen: Bei über einem Drittel der Reisen gab es gesundheitliche Probleme. Besonders häufig: Magen und Darm Ganz oben auf der Hitliste: Magen-Darm-Beschwerden mit 19% der Krankheitsfälle. Als Hotspot hat sich dafür Asien herauskristallisiert. Bei Trips nach Afrika war dies hingegen weniger oft ein Problem. Zudem berichteten deutlich mehr Frauen über Durchfallerkrankungen als Männer. Warum das so ist, kann das Forschungsteam mit den vorliegenden Daten nicht beantworten – möglicherweise sind Frauen anfälliger dafür oder sie sind gewissenhafter bei der Eingabe der Informationen in die App. Mit Atemwegserkrankungen wie Erkältungen (17% der Fälle) hatten die Reisenden hingegen am häufigsten in Europa zu kämpfen. „Man sollte nicht vergessen, auch bei Reisen in vermeintlich harmlose Länder wie Frankreich oder Griechenland die Reiseapotheke einzupacken“, so Schlagenhauf. Sie rät, auf jeden Fall etwas gegen Durchfall, Übelkeit, Kopfschmerzen und Fieber mitzunehmen. Denn – auch dies zeigt die Auswertung – diese Beschwerden schränken Menschen auf Reisen am meisten ein. Reisen gesünder und sicherer machen Das Team möchte nun noch mehr Menschen für die Nutzung der App rekrutieren. Denn mit einem größeren Datensatz wäre eine automatisierte Auswertung durch Künstliche Intelligenz möglich − die beispielsweise bei einem Ausbruch von Dengue oder Mpox frühzeitig Alarm schlagen würde. „Dieser Bottom-up-Ansatz funktioniert praktisch in Echtzeit und ist damit viel schneller als Top-Down-Meldesysteme“, so Schlagenhauf. „Mobile Technologien können die Art und Weise, wie wir Krankheiten von Reisenden überwachen, revolutionieren. Dies führt letztlich zu sichereren und gesünderen Reisen.“ Die ITIT App (Illness Tracking in Travellers) ist gratis in den App Stores in 14 verschiedenen Sprachen verfügbar. Das in der App erstellte persönliche Gesundheits-Tagebuch mit genauen Ortsangaben kann helfen, aus dem Ausland mitgeschleppte Erkrankungen besser zu diagnostizieren und zu behandeln. Als weiteren Bonus bietet die App reiserelevante Informationen wie Impfempfehlungen sowie Benachrichtigungen der „WHO Outbreak News»“über aktuelle Krankheitsausbrüche. Literatur Lovey T et al. Surveillance of global, travel-related illness using a novel app: a multivariable, cross-sectional study. BMJ Open 2024 Jul 27;14(7):e083065. https://doi.org/10.1136/bmjopen-2023-083065 Quelle: Universität Zürich, 15.10.2024
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