Arbeitsmarktsituation bremst Gesundheitsförderung in der Gesundheitswirtschaft aus10. Dezember 2019 © Pixel-Shot-AdobeStock Trotz guter Konzepte und zahlreicher Handlungsempfehlungen gelingt die Umsetzung von Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung ausgerechnet in Krankenhäusern und in Pflegeeinrichtungen oft nur schleppend. So das Ergebnis einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie des Saarbrücker Instituts für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso). Für die Studie wurden 72 Experten, Fach- und Führungskräfte interviewt sowie 744 Beschäftigte aus Kliniken und Pflegeeinrichtungen schriftlich befragt. Bei den befragten Führungskräften konnte laut Studie eine hohe Sensibilität festgestellt werden, dass hinsichtlich der Förderung der Mitarbeitergesundheit Handlungsbedarf besteht. Trotz dieser Sensibilität seien aber Gute-Praxis-Beispiele anderer Unternehmen, Handlungshilfen oder Informationen über geeignete Kooperationspartner und Dienstleistungsanbieter wenig bekannt. “Die Anforderung, im Alltagsgeschäft einen funktionierenden Betrieb zu organisieren, ist für die Leitungskräfte so dominant, dass für die Entwicklung nachhaltiger betrieblicher Strategien meist nur wenig Raum bleibt”, heißt es. Dennoch stünde bei den Akteuren das Bemühen im Mittelpunkt, die Belastungen für die Beschäftigten zu begrenzen oder Kompensationen für Sonderbelastungen wie z. B. das in der Pflege verbreitete Einspringen aus dem Dienstfrei zu organisieren. Wie die Ergebnisse der Befragungen zeigen, sind diesen Bemühungen aufgrund des Fachkräftemangels im Gesundheitssektor enge Grenzen gesetzt, solange es nicht gelingt, die bisherigen und die durch die jüngsten Pflege- und Gesundheitsreformen neu geschaffenen Stellen auch tatsächlich zu besetzen. Die Personalengpässe unterlaufen häufig die Bemühungen, innerhalb des Betriebs die Belastungen des Personals auszugleichen und betriebliche Gesundheitsförderung erfolgreich umzusetzen. Bei den Pflegefachkräften und Ärzten zeigen sich Absetzbewegungen in atypische Beschäftigungsformen wie Honorar- oder Leiharbeit. Dort können sie unter Umständen bessere Löhne und attraktivere Arbeitszeiten realisieren. Sie verschärfen allerdings die Konkurrenz um „gute Arbeitsbedingungen“ innerhalb der Belegschaften. Obwohl die Beschäftigten angesichts der Personalengpässe eigentlich über eine starke Arbeitsmarktposition verfügen, ist es ihnen bisher nicht gelungen, in der Branche spürbar verbesserte Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Laut der Studie bemühen sich trotz schwieriger Rahmenbedingungen dennoch viele Einrichtungen der Gesundheitsbranche, betriebliche Angebote zur gesundheitlichen Sensibilisierung, zum gesünderen Verhalten und zur Stärkung der Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten zu schaffen. “Gerade in der Konkurrenz um die Fachkräfte steht das Bemühen im Vordergrund, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. Häufig aber stehen diese Angebote allein, ohne in systematische Strategien oder betriebliche Prozesse eingebunden zu sein”, heißt es. Die Resonanzen seitens der Beschäftigten werden den Studienergebnissen zufolge überwiegend als ernüchternd beschrieben. Angebote zur Gesundheitsförderung, wie etwa Fitness oder Entspannung, leiden unter einem Glaubwürdigkeitsproblem, solange es nicht gelinge, die Arbeitsbelastungen wirksam zu reduzieren. Die Nachfrage nach solchen Angeboten könne möglicherweise gesteigert werden, wenn sie in größerem Maße auch innerhalb der Arbeitszeit wahrgenommen werden können. Positive Praxisbeispiele zeigten, dass ambitionierte betriebliche Gesundheitsprojekte vor allem „Top-Down“ von Leitungspersonen vorangetrieben wurden, denen es gelungen war, die Führungskräfte der Einrichtung und die Beschäftigten für die Maßnahmen zu gewinnen und die Umsetzung und Nutzung der Maßnahmen nachzuhalten. Dort, wo überbetriebliche Präventionsanbieter wie Krankenkassen oder die Berufsgenossenschaft in dauerhafte Kooperationen eingebunden wurden, konnten diese Allianzen wesentlich dazu beitragen, innerbetriebliche Strukturen für die Steuerung von Gesundheitsprojekten zu schaffen und die Umsetzung von Maßnahmen zu verstetigen. Originalpublikation: Hielscher, Volker; Krupp, Elisabeth (2019): Betriebliche Prävention im Gesundheitswesen. Barrieren und Treiber der Gesundheitsförderung in Kliniken und Langzeitpflege. Working-Paper der Forschungsförderung, Hans-Böckler-Stiftung, Nr. 159, November 2019www.iso-institut.de
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