Asbest-assoziierter Lungenkrebs: Expression spezifischer miRNAs im Blut könnte als Biomarker dienen

Laut dem Robert Koch-Institut sind Asbestfasern der wichtigste Risikofaktor für Mesotheliome. (Foto: @ Medienzunft Berlin/stock.adobe.com)

Aus einer systematischen Literatur­recherche haben sich Hinweise darauf ergeben, dass die Expression spezifischer MicroRNAs (miRNAs) im Blut (Serum oder Plasma) mit der Diagnose und Prognose von Lungenkarzinomen (LCs) und malignen Pleuramesotheliomen (MPMs), die mit Asbest assoziiert sind, in Zusammenhang steht.

Die Verfasser der aktuellen Arbeit dazu fordern weitere groß angelegte Längsschnittstudien, um diese Ergebnisse zu validieren. Auch die Mechanismen, die dieser Assoziation zugrunde liegen, müssten in solchen Arbeiten untersucht werden. Denn, so betonen die Autoren, Erkenntnisse dazu hätten möglicherweise große Auswirkungen auf das Überleben der betroffenen Patienten.

Erstautor Debraj Mukhopadhyay von der Universität Cagliari (Italien) und Kollegen führten eine syste­matische Literaturrecherche und Metaanalyse durch, um herauszu­finden, welche Rolle miRNAs als diagnostische und prognostische Biomarker für asbestbedingte LCs und MPMs spielt.

Die Forschenden durchsuchten verschiedene Datenbanken nach Arbeiten, die bis April 2023 veröffentlicht worden waren, und schlossen auch mittels Google Scholar recherchierte graue Literatur mit ein. Die Suche ergab schließlich 331 Artikel.

miRNA-Expression im Plasma oder im Serum gemessen

Nach Anwendung von Auswahlkriterien und Ausschluss einer Studie aufgrund mangelnder Qualität bezogen die Forschenden 27 Studien in ihr Review ein. Bei den meisten Arbeiten, so berichten sie, habe es sich um krankenhausbasierte Fallkontrollstudien gehandelt. Die Mehrheit stammte aus Europa.

Die Wissen­schaftler weisen außerdem darauf hin, dass MPMs in diesen Studien ausschließlich bei Männern untersucht worden waren. Die miRNA-Expression wurde hauptsächlich im Plasma oder Serum gemessen, berichten Mukhopadhyay et al.

Marker für längeres Überleben beim malignen Pleuramesotheliom

MiR-126, miR-132-3p und miR-103a-3p erwiesen sich als die vielversprechendsten diagnostischen Biomarker für MPMs: Die Wissenschaftler errechneten hier gepoolte Flächen unter der Kurve (AUC) von 85 Prozent, 73 Prozent beziehungsweise 50 Prozent. In Bezug auf die MPM-Prognose war miR-197-3p mit einer längeren Überlebenszeit assoziiert.

Es konnte zudem bestätigt werden, dass miR-126 – sowohl allein als auch in Kombination mit miR-222, zusammen mit miR-1254 und miR-574-5p – ebenfalls mit der Diagnose von LCs assoziiert ist. Eine miRNA, die mit der Prognose von LCs in Zusammenhang steht, konnten die Forschenden nicht ermitteln.

(ac)