Gematik beschließt Fahrplan für die Modernisierung der TI24. Juni 2026 Foto: n Toowongsa/stock.adobe.com Technisch einfacher, weniger störanfällig, neue Verantwortlichkeiten – die Gematik hat einen Plan vorgelegt, wie die Telematik-Infrastruktur (IT) zukunftsfest werden kann. Aus der Industrie kommt Kritik und die Forderung nach mehr Beteiligung. Von Dr. Judith Amann Am 19. Juni hat die Gesellschafterversammlung der Gematik die Weiterentwicklung der Telematik-Infrastruktur (TI) beschlossen: Diese soll einen „Fahrplan für die Modernisierung der TI“ entwickeln. So sollen „zentrale Bausteine der TI sollen künftig gebündelt und einheitlich bereitgestellt werden, anstatt sie wie momentan parallel zu entwickeln und zu betreiben“, wie die Gematik mitteilte. Zentrale Plattformarchitektur für die TI Die TI solle „technisch vereinfacht und klarer aufgestellt werden“, heißt es weiter. Vorgesehen ist eine Plattform-Architektur auf Open-Source-Basis vorgesehen. Eine souveräne Cloud soll eine „flexible und sichere Betriebsumgebung“ bereitstellen. Konkret bedeutet das weniger Markt, mehr Zentralisierung. Eine erste Version dieses „Fahrplans“ gibt es schon: das vertrauliche Strategiepapier „Konzept TI-Betriebsstabilität und Transformationsplan 2030“. Ganz so vertraulich ist das Papier nicht, denn das Fachportal „Heise online“ berichtete bereits. Demnach hat die Gematik die Architektur als Auslöser für die häufigen Störungen der TI ausgemacht. Allein im vergangenen Jahr sei diese 25-mal pro Monat beeinträchtig gewesen. Zur Lösung der Probleme schlage das Strategiepapier dem Fachportal zufolge eine stärkere Verantwortung für die Gematik vor: So solle diese künftig etwa alle Vertragsbeziehungen kontrollieren und Betreiber direkt beauftragen. Branchenverband warnt vor problemtaischer Doppelrolle der Gematik Aus der Gesundheits-IT-Branche hagelte es bereits Kritik. So warnt der Bundesverband Gesundheits-IT (BVITG) insbesondere vor der geplanten „Zentralisierung von Beschaffung, Betrieb und Verantwortung bei der Gematik“. Das führe zu einer „problematischen Doppelrolle als neutraler Rahmengeber und zentraler Auftraggeber zugleich“. Der Verband sieht dadurch Wettbewerb, Innovationskraft und Investitionssicherheit im Gesundheitswesen gefährdet. Das Problem sei nicht die Anzahl der Anbieter, sondern unklare Spezifikationen – für diese Formulierung der Anforderungen ist die Gematik zuständig – und „Fehler in zentralen institutionellen Diensten“. Eine Verantwortung der Industrie weist der BVITG von sich. Gematik darf nicht zum Marktteilnehmer werden Der Verband fordert, dass sich die Gematik auf ihre Kernaufgaben wie Standardisierung und Qualitätssicherung konzentrieren solle und mahnt mehr Beteiligung der Industrie an. Diese solle frühzeitig in die Weiterentwicklung der TI eingebunden werden. Der Digitalisierungsdienstleister der Krankenkassen Bitmarck steht der Zentralisierung grundsätzlich nicht ablehnend gegenüber – ein Wechsel vom dezentralen Marktmodell zur zentralen TI-Plattform sei „nachvollziehbar“. Allerdings fordert Bitmarck eine klare Grenze: Die Gematik dürfe nicht zum Marktteilnehmer werden. Wichtig sei außerdem, dass die Frontend-Hoheit, bei den Krankenkassen bleibe, denn diese stünden in direktem Kontakt zu den Versicherten und böten digitale Dienste an. Bei Modernisierung der TI „sinnvoll priorisieren“ Außerdem will der IT-Dienstleister der Krankenkassen bei der Umsetzung auf die Bremse treten. „Die Ziele der Gematik gehen in die richtige Richtung – aber wenn wir den zweiten Schritt vor dem ersten machen, kommen wir ins Stolpern“, mahnte Andreas Strausfeld, Vorsitzender der Bitmarck-Geschäftsführung. Das Bundesgesundheitsministerium habe sich mit der geplanten Digitalgesetzgebung viel vorgenommen, so Strausfeld weiter. Er betonte: „Daher ist es wichtig, sinnvoll zu priorisieren: Erst wenn die im GeDIG festgeschriebenen Maßnahmen so umgesetzt sind, dass sie echte Mehrwerte für die Versicherten bieten, sollten wir die im Konzept der gematik skizzierte Konsolidierung der Telematikinfrastruktur in Betracht ziehen.“ Zudem brauche es zunächst Analysen, wie Bitmarck in einer Mitteilung betonte. Zum einen eine Risikoanalyse und zum anderen eine detaillierte Analyse zu den Ursachen der immer wieder auftretenden Probleme mit der TI. Dabei sollten Krankenkassen und Anbieter unbedingt einbezogen werden.
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