Forschende erzielen möglichen Durchbruch bei antiviralen Medikamenten13. August 2026 Die Zahl infektiöser Viren ist groß, die therapeutischen Möglichkeiten sind hingegen beschränkt. (Foto: © sdecoret – stock.adobe.com) Eine unerwartete Beobachtung einer Forscherin der University of Queensland (Australien) könnte zu einer neuen Behandlungsmethode für virale Infektionskrankheiten führen – darunter COVID-19, Lungenentzündungen bei Säuglingen oder Ebola. „Wir untersuchten gerade Abläufe im menschlichen Gehirn, als mir eine Störung in einem Signalweg auffiel, den zahlreiche menschliche Viren für ihre Ausbreitung von einer Zelle zur nächsten nutzen“, erklärte die Neurowissenschaftlerin und Biochemikerin Dr. Merja Joensuu von der University of Queensland. „Uns wurde klar: Wenn wir in diesen Signalweg eingreifen, könnten wir möglicherweise verhindern, dass sich Viren korrekt formieren.“ Gemeinsam mit ihrem Kollegen Prof. Giuseppe Balistreri von der Universität Helsinki (Finnland) suchte das Forschungsteam daraufhin nach einer Substanz, die diesen Signalweg hemmen könnte. In einem Wirkstoff, der derzeit als Krebsmedikament erprobt wird, wurden die Forschenden fündig. Zielmolekül der Substanz ist das menschliche Enzym N-Myristoyltransferase 1 (NMT1), das steuert, wo sich Proteine in menschlichen Zellen befinden und wie sie dort funktionieren. „Dieses Medikament stört die Zellfunktionen, sodass neue Viren fehlerhaft zusammengesetzt werden. Das Virus bemerkt das nicht und produziert weiterhin weniger wirksame Versionen seiner selbst, wodurch das Immunsystem Zeit gewinnt, die Infektion zu bekämpfen“, erklärte Balistreri. Deutlicher Rückgang der Infektionsrate In Laborstudien testeten die Forschenden das Medikament an verschiedenen Viren in Zellkulturen, darunter SARS-CoV-2, das Respiratorische Synzytial-Virus sowie das Vesikuläre-Stomatitis-Virus. Dabei stellten sie fest, dass die Infektionsrate bereits nach einem Tag um etwa die Hälfte und nach zwei Tagen um bis zu 90 Prozent zurückging. Die Studienergebnisse deuten zudem darauf hin, dass diese Strategie möglicherweise auch bei Viren mit hoher Sterblichkeitsrate und langer Inkubationszeit – wie etwa Ebola oder dem Hantavirus – wirksam sein könnte. „Da wir in die Abläufe der Wirtszelle eingreifen, anstatt das Virus direkt anzugreifen, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass das Virus mutiert und Resistenzen gegen das Medikament entwickelt“, nennen die Forschenden einen weiteren Vorteil ihres Ansatzes. Obwohl der Wirkstoff für diesen Anwendungszweck noch nicht zugelassen sei und weitere Studien zur Bestätigung von Sicherheit und Wirksamkeit erforderlich seien, bezeichnete Joensuu den Ansatz als sehr vielversprechend. „Man kann sich vorstellen, dass dies ein sehr wirksames antivirales Mittel sein könnte – etwa zur Behandlung von Atemwegserkrankungen –, das als Nasenspray oder Inhalator eingesetzt wird“, wagte sie eine Prognose. (ej)
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