Frühe Nahrungsmittelallergien führen nicht per se zu Essproblemen

Aus Kindern mit Nahrungsmittelallergien werden nicht automatisch picky eater. (Foto: © buritora – stock.adobe.com)

Eltern und Kliniker befürchten oft, dass Nahrungsmittelallergien im frühen Kindesalter langfristige Ess-Störungen oder eine übermäßige Selektivität („picky eating“) nach sich ziehen. Eine aktuelle Studie gibt nun Entwarnung: Danach zeigen betroffene Jugendliche sogar weniger Essprobleme als ihre Altersgenossen.

Die Belastung durch Nahrungsmittelallergien (NMA) in der Kindheit ist gut dokumentiert, doch über ihre Auswirkungen auf das Essverhalten im Jugendalter gab es bislang nur heterogene Daten. Forscher der Université Paris Cité (Frankreich) untersuchten diesen Zusammenhang nun systematisch an 782 Kindern der PARIS-Kohorte (Pollution and Asthma Risk: an Infant Study).

Dazu erfassten die Wissenschaftler Nahrungsmittelallergien in zwei Zeitfenstern: vor dem zweiten Lebensjahr (frühe NMA) und zwischen dem zweiten und 13. Lebensjahr. Im Alter von 13 Jahren wurde das Essverhalten mittels des validierten „Child Eating Behavior Questionnaire“ (CEBQ) sowie eines Häufigkeitsfragebogens zur Lebensmittelauswahl dokumentiert. Der CEBQ erfasst dabei verschiedene Dimensionen wie „Nahrungsannäherung“ (z. B. Genuss am Essen) und „Nahrungsvermeidung“ (z. B. Sättigungsreaktion).

Keine Zunahme von Essproblemen

Das zentrale Ergebnis der im Fachjournal „Pediatric Allergy and Immunology“ veröffentlichten Studie ist für Eltern und Behandler beruhigend: Jugendliche mit einer frühen Allergieanamnese wiesen keine vermehrten Essschwierigkeiten oder eine gesteigerte Nahrungsmittelselektivität auf. Im Gegenteil: So erzielten Jugendliche mit einer frühen ärztlich diagnostizierten NMA (≤ 2 Jahre) signifikant höhere Werte auf der Skala „Enjoyment of Food“. Zudem zeigten Betroffene eine geringere Neigung zu emotional bedingtem Überessen sowie eine geringere Sättigungsreaktivität. Die Assoziationen mit einem gesteigerten Essvergnügen waren bei Kindern, die vor ihrem zweiten Geburtstag schwere allergische Reaktionen erlitten hatten, besonders deutlich.

Mehr Süßes, weniger Fleisch

Trotz des positiven Bezugs zum Essen zeigten sich spezifische Unterschiede in der Lebensmittelauswahl. Während der Verzehr von Basislebensmitteln wie Milchprodukten, Gemüse und stärkehaltigen Beilagen unauffällig war, berichteten Jugendliche mit früher NMA über einen signifikant höheren Konsum von Süßigkeiten, Limonaden und Obst (56,5 % vs. 41,4 % täglicher Obstkonsum). Gleichzeitig verzehrten sie seltener täglich Fleisch (20,4 % vs. 37,8 %).

Die Autoren vermuten, dass die frühen diätetischen Einschränkungen und der bewusste Umgang mit Nahrung die Geschmackssensorik und das spätere Genussempfinden positiv geprägt haben könnten. „Diese Ergebnisse bieten eine beruhigende Evidenz für Kliniker“, schreibt das Team um Fanny Rancière. Dennoch verdiene der beobachtete Trend zu einem höheren Konsum zuckerhaltiger Lebensmittel weitere Aufmerksamkeit in der Nachsorge allergischer Kinder. (ej)