Hypothermie in der Notaufnahme korreliert mit erhöhter Mortalität13. August 2026 Die Körpertemperatur von Kindern gibt Hinweise auf das weitere Outcome. (Foto: © Robert Kneschke – stock.adobe.com) Während Fieber bei Kindern in der Notaufnahme klinische Aufmerksamkeit erregt, wird eine niedrige Körpertemperatur oft unterschätzt. Eine US-Studie zeigt nun, dass Hypothermie bei der Vorstellung ein unabhängiger Risikofaktor für die Krankenhausmortalität ist – insbesondere bei Kindern ohne Vorerkrankungen. Bei Neugeborenen sowie Kindern mit Sepsis oder schweren Traumata ist Hypothermie bereits als Warnsignal für einen ungünstigen Verlauf bekannt. Bisher war jedoch unklar, wie stark die Körpertemperatur bei der Erstvorstellung in der Notaufnahme über das gesamte pädiatrische Spektrum hinweg mit dem Sterberisiko im Krankenhaus assoziiert ist. Eine aktuelle retrospektive multizentrische Kohortenstudie, die in „Pediatrics“ veröffentlicht wurde, liefert hierzu nun aktuelle Daten. Nur wenige Kinder mit Hypothermie Das Forschungsteam um Lucy Campbell von der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago (USA) hatte Daten aus dem Register des „Pediatric Emergency Care Applied Research Network“ (PECARN) aus den Jahren 2012 bis 2021 analysiert. Insgesamt flossen mehr als 5,3 Millionen Behandlungsfälle von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren in die Auswertung ein. Zielparameter der Studie war der Zusammenhang zwischen der ersten in der Notaufnahme dokumentierten Temperatur – eingeteilt in Hypothermie (≤36 °C), Euthermie (Normaltemperatur) oder Fieber (≥38 °C) – und der klinischen Mortalität. Während 13,5 Prozent der Kinder mit Fieber in die Notaufnahme kamen, wiesen lediglich 3,0 Prozent (ca. 161.000 Kinder) eine Hypothermie auf. Obwohl die Gesamtmortalität mit 0,04 Prozent (1918 Todesfälle) sehr niedrig war, zeigte sich eine auffällige Verteilung: Fast 40 Prozent aller verstorbenen Kinder waren bei ihrer Ankunft hypotherm, während nur 13,3 Prozent Fieber hatten. Deutlich erhöhtes Sterberisiko bei Hypothermie Die statistische Analyse ergab, dass Hypothermie bei der Vorstellung mit einer 20-fachen Erhöhung der Wahrscheinlichkeit für einen Tod im Krankenhaus assoziiert war (Odds Ratio [OR] 20,15). Dieser Zusammenhang blieb in allen untersuchten Untergruppen stabil. Besonders bemerkenswert war die Beobachtung bei Kindern ohne bisherige medizinische Komplexität oder Vorerkrankungen: In dieser Gruppe war das Mortalitätsrisiko bei Hypothermie sogar um den Faktor 104 erhöht (OR 104,40), während der Effekt bei Kindern mit chronischen oder komplexen Erkrankungen deutlich geringer, wenn auch immer noch signifikant ausfiel (OR 8,81). Hinsichtlich der Ursache für den Besuch in der Notaufnahme zeigten sich kaum Unterschiede zwischen Trauma-Patienten (OR 25,33) und Patienten ohne Trauma (OR 19,53). Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass eine Körpertemperatur von unter 36 °C ein kritischer, unabhängiger Prädiktor für ein schlechtes Outcome ist. Die Messung der Initialtemperatur stelle somit ein einfaches, aber effektives Werkzeug dar, um Kinder mit dem höchsten Risiko für schwerwiegende Verläufe frühzeitig zu identifizieren. Kliniker sollten eine festgestellte Hypothermie daher nicht als Nebenbefund abtun, sondern als dringendes Warnsignal für eine potenzielle physiologische Dekompensation interpretieren, appellieren die Forschenden. (ej)
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