Nikotinkonsum bei Jugendlichen: Forschende finden Zusammenhang mit psychischer Gesundheit12. August 2026 Abbildung/KI-generiert: Isantoh/stock.adobe.com Heranwachsende, die Nikotin konsumieren, klagen mit höherer Wahrscheinlichkeit über Symptome von Angst, Depression und anderen psychischen Problemen als Nichtkonsumenten im selben Alter. Das geht aus aktuellen Untersuchungen an der Universität Göteborg (Schweden) hervor. Dabei scheinen junge Frauen besonders betroffen zu sein. In einer dieser Studien, an der 3730 schwedische Schüler der Sekundarstufe II teilnahmen, gaben fast 80 Prozent der weiblichen Nikotinkonsumentinnen klinisch relevante Angstsymptome zu Protokoll. Die Zusammenhänge wurden sowohl für herkömmliche Tabakprodukte festgestellt sowie für Nikotinprodukte ohne Tabak wie Pouches und E-Zigaretten, wie aus der Veröffentlichung im Journal „Tobacco Use Insights“ hervorgeht. Die Wissenschaftler beobachten in einer anderen Studie 1592 Heranwachsenden in Südschweden über einen längeren Zeitraum (12/13‒17 Jahre) und publizierten die Ergebnisse im Journal „Nicotine & Tobacco Research“. Symptome einer Depression sowie eine Neigung zu suizidalen Gedanken stellte man bei rauchenden Studienteilnehmern häufiger fest. Bei Mädchen, die im Lauf der Zeit ihren Tabakkonsum steigerten, traten auch mit höherer Wahrscheinlichkeit Verschlechterung im Hinblick auf Schlafprobleme, Angst, gedrückte Stimmung und Konzentrationsschwierigkeiten auf. Laut den Wissenschaftlern müssen die deutlichen Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen in dieser Hinsicht weiter untersucht werden. Mädchen sind möglicherweise besonders anfällig Johanna Andersson von der Sahlgrenska Academy an der Universität Göteborg, eine der Hauptautoren der Studien, betont: „Wir sehen klare Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen. Dabei scheinen Mädchen, die rauchen, besonders empfindlich zu reagieren. Gleichzeitig müssen wir besser verstehen, wie Nikotin-Pouches die psychische Gesundheit beeinflussen – insbesondere bei weiblichen Heranwachsenden, bei denen der Konsum von Nikotin-Pouches so rasch zugenommen hat.“ Die Ergebnisse stammen aus Fragebogen-basierten Untersuchungen und Langzeitbeobachtungen von Jugendlichen im Kombination mit Experimenten an Ratten. In letzteren bewerteten die Forschenden, wie Nikotin das neuronale Signaling beeinflusst. In dieser Studie, veröffentlicht im Journal „Neuropharmacology“, stellten die Forschenden fest, dass Nikotin die Amygdala beeinträchtigt – die Hirnregion, die bei der Regulierung von Emotionen und Reaktion auf Stress eine Schlüsselrolle spielt. Die Effekte, die die Wissenschaftler in ihren Versuchen beobachteten, waren bei weiblichen Tieren besonders ausgeprägt. Nikotin verändert die neuronale Kommunikation Nikotin, so stellten die Wissenschaftler fest, veränderte die Kommunikation zwischen Neuronen und bewirkte langfristige Veränderungen in der Hirnaktivität – selbst dann, wenn sich das Nikotin nicht mehr im Körper befindet. Prof. Louise Adermark von der Sahlgrenska Academy, eine der Hauptautoren der genannten Studien, fasst zusammen: „„Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist, dass wir in verschiedenen Studien, die unterschiedliche Arten von Daten nutzen, ähnliche Muster beobachten. Allerdings lässt sich noch kein direkter kausaler Zusammenhang feststellen. Die Tierstudien belegen biologische Veränderungen im Gehirn, die zu einer erhöhten Anfälligkeit für Angstzustände und stressbedingte Symptome beitragen könnten.“ Die Forschenden betonen, dass auch sozioökonomische Faktoren, Stress, Alkohol- und sonstiger Substanzkonsum sowie die individuelle Anfälligkeit das Risiko sowohl für psychische Probleme als auch für den Nikotinkonsum beeinflussen. Gleichzeitig werfen die Ergebnisse ihrer Ansicht nach Fragen dazu auf, wie sich neue Nikotinprodukte auf das sich entwickelnde Gehirn auswirken und ob Mädchen möglicherweise besonders empfindlich auf die Wirkung von Nikotin reagieren. (ac/BIERMANN)
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