Blitzumfrage: Fast jede zweite Notaufnahme überlastet25. September 2026 Symbolfoto: ©upixa/stock.adobe.com Laut den Ergebnissen einer DGINA-Blitzumfrage sind viele der deutschen Notaufnahmen überlastet. Um dem entgegenzuwirken, fordert die Fachgesellschaft eine gezieltere Patientensteuerung sowie eine bessere Finanzierung der Notaufnahmen. Gleichzeitig warnt sie vor einer Konterkarierung durch das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. An der „Blitzumfrage“ der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin (DGINA) hatten sich am 2. Juni 2026 insgesamt 271 Notaufnahmen aus allen 16 Bundesländern beteiligt. 45 Prozent von ihnen berichteten in den vorausgegangenen 24 Stunden von einer gefährlichen Überfüllung, einem so genannten „Overcrowding“. Zwar erfasst die Blitzumfrage lediglich die Situation an einem bestimmten Stichtag und ist somit nicht repräsentativ, die Ergebnisse bestätigen aber die in 2022 und 2023 durchgeführten Blitzumfragen, die ähnliche Engpässe aufgezeigt hatten. „Seit Jahren machen wir auf die Belastung der Notaufnahmen in Deutschland aufmerksam“, sagt DGINA-Präsident Martin Pin. „Die Zahlen bestätigen aufs Neue, dass die Politik endlich handeln muss.“ Gezieltere Patientensteuerung durch Notfallreform Eine zentrale Forderung der DGINA ist es, die lange geplante Notfallreform zeitnah umzusetzen. Der entscheidende Punkt der Reform sei, Patientinnen und Patienten gezielter im Gesundheitssystem zu leiten, bevor sie eine Notaufnahme aufsuchen, erklärt Pin. „Hilfesuchende müssen bereits vor dem Krankenhaus in die passende Versorgung gelenkt werden. Dafür braucht es Alternativen zur Klinikeinweisung, etwa aufsuchende Dienste und telemedizinische Angebote. Wichtig ist auch, dass die INZ, die Integrierten Notfallzentren aus Notaufnahme, Notdienstpraxis und gemeinsamer Ersteinschätzung, jetzt umgesetzt werden“, sagt der DGINA-Präsident. Bei der Standortplanung reiche die im Gesetzentwurf vorgesehene Fahrzeit als Kriterium nicht aus. „Es braucht einen verbindlichen Bevölkerungsbezug, sonst werden einzelne INZ überlastet und das Problem wird nur verlagert“, ergänzt Pin. In diesem Zusammenhang spricht sich die DGINA für die Einführung von sektorenübergreifenden Notfallregistern aus, um die Wege der Patienten überprüfen zu können. Bessere Finanzierung der Notaufnahmen gesetzlich verankern Zusätzlich fordert die DGINA, eine ausreichende Finanzierung der Notaufnahmen gesetzlich zu verankern. Konkrete Empfehlungen zur Struktur und Austattung von Notaufnahmen hat die Fachgesellschaft bereits 2024 gemeinsam mit der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) veröffentlicht. „Wenn die Notaufnahmen in Zukunft nicht personell, strukturell und finanziell besser ausgestattet werden, sind weitere Engpässe zu erwarten“, warnt Prof. Harald Dormann, Vizepräsident der DGINA. „Steuerung ist nur so gut wie die Versorgung, in die gesteuert wird. Der Gesetzentwurf lässt jedoch offen, wie die INZ finanziert werden sollen“, sagt Dormann. Ebenso fehle die Refinanzierung verbindlicher Personalvorgaben. Dabei zeige die Umfrage deutlich: Rund zwei Drittel der Notaufnahmen haben unbesetzte Stellen im ärztlichen Dienst und in der Pflege. „Notaufnahmen müssen rund um die Uhr einsatzbereit sein, unabhängig davon, wie viele Patientinnen und Patienten tatsächlich kommen. Diese Bereitschaft bildet das Fallpauschalensystem nicht ab“, sagt Dormann. Die DGINA fordert deshalb eine Vorhaltepauschale. Nur so ließen sich spezialisierte Notfallmedizinerinnen und Notfallmediziner und eine angemessene Personalausstattung dauerhaft sichern. Nachgeschärft werden müsse außerdem die Vergütung komplexer Notfälle. „Diese Fälle binden die Ressourcen eines Krankenhauses, können aber oft ambulant versorgt werden. Nur eine kostendeckende Vergütung verhindert Fehlanreize zu unnötigen stationären Aufnahmen“, erklärt Dormann. Beitragsstabilisierungsgesetz gefährdet geplante Entlastung Die DGINA warnt außerdem davor, dass die im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vorgesehenen Kürzungen in der ambulanten Versorgung die Ziele der Notfallreform gefährden. „Werden die Arzttermine bei den Niedergelassenen knapper, wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung befürchtet, weichen die Menschen dorthin aus, wo rund um die Uhr Hilfe zu erwarten ist: in die Notaufnahmen“, erklärt Pin.
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