ASCO 2026: Mit Avatrombopag gegen Thrombozytopenie bei Krebs im Magen-Darm-Trakt22. Mai 2026 Molekulare Struktur von Avatrombopag. Bild: ©Сергей Шиманович – stock.adobe.com Ein oraler Thrombopoetin-Rezeptor-Agonist hat sich in einer aktuellen Phase-II-Studie zu Patienten mit gastrointestinalen Krebserkrankungen als hochwirksam gegen die Chemotherapie-induzierte Thrombozytopenie (CIT) erwiesen. Die Studienergebnisse zeigten, dass 65 Prozent der Patienten, die Avatrombopag erhielten, die wichtigsten Behandlungsziele erreichten – im Vergleich zu lediglich 17 Prozent der Patienten, die eine Placebo-Behandlung erhielten. Die von Forschenden des Sylvester Comprehensive Cancer Center und des Mass General Hospital geleitete Studie ergab, dass Avatrombopag Patienten dabei unterstützte, die für die planmäßige Fortsetzung der Chemotherapie erforderliche Anzahl an Blutplättchen aufrechtzuerhalten. Avatrombopag, das von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA bereits zur Behandlung von Thrombozytopenie bei Patienten mit Lebererkrankungen zugelassen ist, verbesserte die Erholung der Thrombozytenzahl signifikant. Zudem half es Patienten mit gastrointestinalen Krebserkrankungen dabei, die für die planmäßige Fortsetzung ihrer Chemotherapie erforderlichen Thrombozytenzahlen aufrechtzuerhalten. Studie konnte vorzeitig abgebrochen werden Dr. Gerald A. Soff. Bild: ©Sylvester Comprehensive Cancer Center Dr. Gerald A. Soff, Leiter der Abteilung für klassische Hämatologie am Sylvester Comprehensive Cancer Center, leitete die klinische Phase-II-Studie zu Avatrombopag. Das Ziel bestand darin, 40 Patienten mit gastrointestinalen Krebserkrankungen zu behandeln, die unter einer anhaltenden CIT litten. Das Medikament erwies sich jedoch als so wirksam, dass Soff und seine Kollegen die Studie bereits im Rahmen ihrer Zwischenanalyse nach der Behandlung von 23 Patienten abbrechen konnten. Er wird die Ergebnisse in einer Postersitzung auf der Jahrestagung 2026 der American Society of Clinical Oncology (ASCO) präsentieren. In die Studie wurden Patienten mit gastrointestinalen Krebserkrankungen aufgenommen, die eine persistierende CIT aufwiesen. Patienten mit persistierender CIT können ihre nächste Chemotherapie-Dosis häufig nicht wie geplant erhalten, die Verabreichung muss entweder verzögert oder die Dosis reduziert werden. Und es ist bekannt, dass Patienten, deren Chemotherapie verzögert oder reduziert wurde, schlechtere Behandlungsergebnisse erzielen als jene, die ihre Therapie genau nach dem ursprünglichen Zeitplan erhalten. „Dies sind – unserer Erfahrung nach – genau jene Patienten, die den größten Bedarf haben und am stärksten von der Anwendung eines Thrombopoietin-Rezeptor-Agonisten profitieren werden“, erläuterte Soff. Orales Medikament erspart Fahrten in die Klinik Bislang ist noch kein Thrombopoietin-Rezeptor-Agonist zur Behandlung der CIT zugelassen; mehrere Wirkstoffe haben jedoch in klinischen Studien vielversprechende Ergebnisse gezeigt. Soff leitete kürzlich eine klinische Phase-III-Studie zu einem anderen Thrombopoietin-Rezeptor-Agonisten – Romiplostim – bei Patienten mit gastrointestinalen Krebserkrankungen und persistierender CIT. Auch Romiplostim erwies sich als sehr wirksam bei der Behandlung der CIT, muss jedoch in Form einer Injektion verabreicht werden. Als oral einzunehmendes Medikament biete Avatrombopag hingegen den Vorteil, dass die Patienten nicht extra zu einem Infusionszentrum fahren müssen, um es zu erhalten, so Soff. Für Patienten, die für ihre Chemotherapiezyklen weite Wege zurücklegen müssen, kann die Reduzierung der Fahrten zur Klinik einen erheblichen Gewinn an Lebensqualität bedeuten. „Man kann sich gut vorstellen: Wenn jemand mit einer metastasierten Krebserkrankung zu kämpfen hat, sich körperlich nicht gut fühlt und gleichzeitig versucht, sein alltägliches Leben aufrechtzuerhalten, dann ist es alles andere als ideal, jede einzelne Woche für eine Spritze in die Klinik fahren zu müssen“, führte Soff aus. „Wenn es hierfür eine gute orale Behandlungsoption gäbe, wäre das für viele Menschen äußerst attraktiv.“ In der klinischen Studie zu Avatrombopag suchten Soff und seine Kollegen nach zwei positiven Wirkungen des Studienmedikaments: Die Patienten mussten sich innerhalb von zwei Wochen von einer niedrigen Thrombozytenzahl erholen, und diese Thrombozytenzahl musste während des darauffolgenden Chemotherapie-Zyklus auf einem hohen Niveau verbleiben. Unterschied gegenüber Placebo sehr signifikant Von den 23 Patienten, die Avatrombopag erhielten, erreichten 65 Prozent beide Zielkriterien – im Vergleich zu lediglich 17 Prozent derjenigen, die eine Placebo-Behandlung erhielten. Dies stelle einen sehr signifikanten Unterschied dar, so Soff. Viele der an der Studie teilnehmenden Patienten erhalten das Medikament inzwischen langfristig weiter; er und seine Kollegen beobachten diese Patienten nun, um zu ermitteln, ob die Medikation einen anhaltenden Langzeitnutzen bietet . Zudem soll untersucht werden, ob Avatrombopag auch Patienten mit anderen Tumorarten zugutekommen könnte. Es gebe keinen Grund anzunehmen, dass dies nicht der Fall sei, so Soff. Sie hätten sich auf gastrointestinale Krebserkrankungen konzentriert, um Behandlungsunterschiede zwischen ihren Patienten zu minimieren. Jedoch haben auch Patienten mit vielen anderen Krebsarten mit CIT und Behandlungsverzögerungen zu kämpfen. „Es gibt ziemlich eindeutige Evidenz dafür, dass Dosisreduktionen oder Verzögerungen Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf haben – und die CIT ist ein häufiger Grund für solche Dosisverzögerungen oder -reduktionen“, erklärte Soff. „Unser Ziel ist es hier, eine Beeinträchtigung der Krebsbehandlung zu vermeiden.“ Meeting: ASCO 2026 Annual MeetingPoster Title: Avatrombopag for chemotherapy-induced thrombocytopenia in gastrointestinal malignancies (ACT-GI): A multicenter, U.S., randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial.Abstract: #3580; Poster Bd 347Date/Time: May 30, 2026, 9AM – NoonLocation: Hall A Mehr zum Thema: Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Toxizität systemischer Krebstherapien
Mehr erfahren zu: "Nicht bremsen, sondern beschleunigen: Neuer Ansatz in der Krebsforschung" Nicht bremsen, sondern beschleunigen: Neuer Ansatz in der Krebsforschung Was wäre, wenn man Krebs bekämpft, indem man ein wichtiges Enzym gezielt einschaltet, anstelle es auszuschalten? Das hat ein Forschungsteam der Philipps-Universität Marburg erstmals für das Enzym PRMT1 geschafft.
Mehr erfahren zu: "Darmkrebs: Wie BRAF-mutierte Tumoren dem Immunsystem entkommen" Darmkrebs: Wie BRAF-mutierte Tumoren dem Immunsystem entkommen Heidelberger Wissenschaftler haben einen Mechanismus identifiziert, mit dem eine besonders aggressive Form von Darmkrebs der Immunabwehr entkommt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Aktivierung des WNT-Signalwegs den Krebszellen dabei hilft, das […]
Mehr erfahren zu: "Anzahl vermeidbarer Behandlungsfehler leicht gestiegen" Anzahl vermeidbarer Behandlungsfehler leicht gestiegen Auch bei medizinischen Eingriffen kommen Pannen vor – und die Folgen können gravierend sein. Besonderes Augenmerk liegt auf Fehlern, die eigentlich nicht vorkommen sollten. Die Dunkelziffer ist hoch.