ASV – Chancen und Risiken

Berufsverband und Fachgesellschaft der Urologie befürworten das Modell der Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung (ASV), doch bei niedergelassenen Uroonkologen gibt es auch Bedenken.

Die ASV ist im zweiten Quartal 2018 auch in der Urologie gestartet. Der Berufsverband der Deutschen Urologen (BvDU) und die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) informieren darüber in einer Veranstaltungsreihe. Während die Spitzenorganisationen die ASV im Prinzip befürworten, gibt es an der Basis auch Skepsis.

Dr. Axel Schroeder, Präsident des BvDU, sagte bei der Auftaktveranstaltung der Info-Roadshow am 17.02.2018 in Berlin: „Trotz aller Vorbehalte bietet die ASV neben der Onkologievereinbarung Chancen und Perspektiven, die wir ergreifen sollten, weil wir mit der ASV eine neue Welt der onkologischen Versorgung betreten, in der wir selbst gestalten und Einfluss nehmen sollten, bevor es andere Akteure tun.“ Als Vorteile sieht der BvDU eine verbesserte interdisziplinäre und intersektorale Patientenversorgung, die extrabudgetäre Einzelleistungsvergütung und den Verbotsvorbehalt in der ASV. Dadurch soll es möglich werden, neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, die in Berlin auch vorgestellt wurden, in die vertragsärztliche Versorgung einzubringen. BvDU-Vizepräsident Dr. Holger Uhthoff plädierte vor diesem Hintergrund für eine Teilnahme: „Die wissenschaftlichen Präsentationen des Vormittags haben das hohe Niveau der Onkologie gezeigt. Wenn unser Herz uroonkologisch schlägt, müssen wir als Niedergelassene in der ASV dabei sein, denn diese ganzen neuen Therapien werden wir nur in der ASV anbieten können!“

Mitmachen oder nicht?

Auch Dr. Reinhold Schaefer, Uroonkologe aus Bonn ist sicher: „Die Urologen werden mitmachen müssen!“, wie er gegenüber den Urologischen Nachrichten erklärte. ist auch Doch nicht alle Niedergelassenen sehen das so. Dr. Götz Geiges, niedergelassener Urologe in Berlin und früherer 1. Vorsitzender des Interessenverbandes zur Qualitätssicherung in der Uro-Onkologie in Deutschland (IQUO), meint: „Einer Reihe von möglichen Chancen stehen die erheblichen Risiken des Einzelnen gegenüber. Diese bedürfen zuerst einer verlässlichen Klärung, bevor über eine Teilnahme entschieden werden kann.“ Er sehe in der täglichen uroonkologischen Praxis „derzeit sehr wenige Patienten, die von den vorgesehenen ASV-Regelungen profitieren werden“, so Geiges gegenüber den Urologischen Nachrichten. Er könne sich nicht vorstellen, dass dadurch auf eine bessere Versorgungs- und Behandlungsergebnisse für Patienten zu schließen sei. Der Berliner Urologe glaubt, „dass das ganze Modell vorwiegend Steuerungscharakter hat“, was man an der Bereinigung des Gesamtbudgets erkenne. Auch BvDU und DGU erkennen dieses Problem: So warnte DGU-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Speck in Berlin, dass sich aufgrund der geplanten Bereinigung finanzielle Nachteile für Urologen ergeben könnten, die nicht an der ASV teilnehmen. „Da nicht mehr Geld ins Gesamtsystem fließt, wird es sicher nicht mehr Gewinner geben“, argumentiert Geiges. „Es ist zu befürchten, dass die Zahl der Verlierer zunimmt, denn mutmaßlich führt die komplexe Verwaltungsstruktur der ASV zu einem weiteren Mittelabfluss aus dem ärztlichen in den Organisationsbereich.“ Ein weiteres Problemfeld sieht Geiges in der Konkurrenz der Urologen untereinander, um an den ASV-Teams teilzunehmen.

(ms)

Lesen Sie das vollständige Interview mit Dr. Götz Geiges in der April-Ausgabe der Urologischen Nachrichten, die am 23.04.2018 erscheint.

Quelle
BvDU, DGU; Dr. Reinhold ­Schaefer, Dr. Götz Geiges
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