Atherosklerose weist Merkmale einer Autoimmunerkrankung auf9. September 2026 Neue Erkenntnisse deuten an, dass autoimmune Prozesse bei der Atherosklerose eine relevante Rolle spielen. (Symbolbild: ©Rasi/stock.adobe.com) Eine neue Studie an Mäusen und Patienten zeigt, dass Atherosklerose entscheidende Kriterien für eine Autoimmunerkrankung erfüllt. Bei Autoimmunerkrankungen wendet sich das Immunsystem in Form von pathogenen hochaffinen B- oder T-Zellen gegen den eigenen Körper und führt zu schweren Organschäden. Multiple Sklerose, Diabetes Typ 1 und Rheumatoide Arthritis sind Beispiele für solche klinisch relevanten Autoimmunerkrankungen. Obwohl bekannt ist, dass die Atherosklerose durch entzündliche Prozesse angetrieben wird, fehlte bislang der schlüssige Nachweis für eine autoimmune Beteiligung am Krankheitsgeschehen. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der LMU München und der Sun-Yat-Sen-Universität (Guangzhou, China) zeigt jetzt in „Nature Cardiovascular Research“, dass die Atherosklerose entscheidende Definitionskriterien einer Autoimmunerkrankung erfüllt. Das Konsortium wurde geleitet von Prof. Andreas Habenicht vom Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten (IPEK, LMU München) und Prof. Changjun Yin (Sun-Yat-Sen-Universität). B-Zellen in tertiären lymphoiden Organen der Arterien bilden hochaffine Autoantikörper Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler identifizierten in der Adventitia atherosklerotischer Gefäße sogenannte tertiäre lymphoide Organe (ATLOs), in denen B-Zellen hochaffine Autoantikörper ausbilden. Diese Autoantikörper richten sich vor allem gegen das körpereigene Histon 2B, aber auch gegen andere körpereigene Antigene. Die Forschenden isolierten diese Autoantikörper und transferierten sie in Mausmodelle. Das führte zu einer deutlichen Beschleunigung der Atherosklerose. Eine gezielte Immunisierung der Mäuse mit Histon 2B verstärkte das Ausmaß der Gefäßveränderungen zusätzlich. „Dies zeigt erstmals, dass die Atherosklerose kritische Kriterien einer Autoimmunerkrankung erfüllt“, sagt Habenicht. Klinische Validierung in Patientenkohorte Die experimentellen Daten in Mäusen konnten die Forscher in einer klinischen Studie mit 495 Personen aus der Allgemeinbevölkerung in Guangzhou bestätigen. Die Studienteilnehmer waren zwischen 30 und 70 Jahre alt und hatten sich im Rahmen eines routinemäßigen medizinischen Vorsorgeprogramms eine Computertomographie des Brustkorbs unterzogen. Eine Serumanalyse ergab, dass die Titer der zirkulierenden Anti-Histon-2B-Antikörper in der Kohorte positiv mit der Aortenverkalkung korrelierten. Perspektiven für Diagnostik und Immuntherapie Laut den Autoren charakterisiert die Arbeit die Atherosklerose erstmals fundiert als Autoimmunerkrankung. Dies habe grundlegende und weitreichende Implikationen für die zukünftige Entwicklung von Diagnostika und neuen Immuntherapeutika. Habenicht kommentiert: „Die Ergebnisse eröffnen die spannende Möglichkeit präventiver Strategien, bevor die Erkrankung zu Herzinfarkt und Schlaganfällen führt. Unsere lange Reise auf dem Weg zu diesen herausfordernden Zielen wird fortgesetzt.“ Das könnte Sie ebenfalls zum Thema Atherosklerose interessieren: Frühe Bildgebung erkennt stumme Atherosklerose trotz unauffälliger konventioneller Risikoeinschätzung Makrophagen treiben Atherosklerose an – und können sie zugleich begrenzen
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