Atopische Dermatitis: RNA-Monitoring im Sebum ermöglicht Diagnose im Frühstadium12. Juni 2023 Foto: © kieferpix – stock.adobe.com Forschende aus Japan haben eine „RNA-Monitoring“-Methode entwickelt, die eine frühe Erkennung der Atopischen Dermatitis (AD) bei Säuglingen ermöglicht. Säuglinge mit AD weisen unter anderem eine geringere Expression von Genen auf, die mit dem Lipidstoffwechsel und der Lipidsynthese zusammenhängen. So kann mit der Analyse der Sebum-RNA der Beginn einer AD weit im Voraus festgestellt werden. Unter den verschiedenen Arten von Ekzemen, die bei Säuglingen auftreten, ist die früh einsetzende AD, die durch psychischen Stress und Schlafstörungen gekennzeichnet ist, besonders besorgniserregend. Studien haben ergeben, dass AD, wenn sie unbehandelt bleibt, das Risiko für allergische Erkrankungen wie Nahrungsmittelallergien und Asthma erhöhen kann. Eine frühzeitige Diagnose und ein frühzeitiges Eingreifen bei AD ist daher notwendig. Es kann jedoch schwierig sein, bei Säuglingen im Alter von ein oder zwei Monaten die Diagnose einer AD zu stellen. Abgesehen von der Zurückhaltung der Eltern, einen Arzt aufzusuchen, und der Unfähigkeit des Säuglings, seine Symptome zu äußern, kann die Diagnose auch von der Subjektivität und Erfahrung des Arztes beeinflusst werden. Ebenso ist die Anwendung genauer, aber invasiver Diagnoseverfahren, wie zum Beispiel Hautbiopsien, bei Säuglingen schwierig. Es besteht daher ein Bedarf an neuen objektiven und nichtinvasiven Methoden zur AD-Diagnose. In einer früheren Studie unter der Leitung von Projektleiter Takayoshi Inoue von der Biological Science Research Division der Kao Corporation in Japan hatten einige der Forschenden festgestellt, dass Sebum messbare Mengen an menschlichen mRNA-Molekülen enthält. Sie stellten die Hypothese auf, dass die Analyse der genetischen Expression solcher RNA-haltigen Sebumproben die molekularen Merkmale von AD und die zugrunde liegende Pathogenese aufdecken könnte. Auf der Grundlage dieser Entdeckung entwickelten die Forschenden eine neue Analysemethode namens „RNA-Monitoring“. Die Methode ermöglicht eine Transkriptomanalyse der mRNA im Sebum der menschlichen Haut, das zuvor der Haut entnommen wurde. In ihrer aktuellen Studie haben die Forschenden die Nützlichkeit dieser neuen RNA-Monitoring-Methode verifiziert. Hauptziel der Studie war es, festzustellen, ob die Sebum-RNA ein zuverlässiger Biomarker für die Erkennung von AD im Frühstadium bei Säuglingen ist. Die Studienpopulation umfasste eine prospektive Kohorte von 98 ein- und zweimonatigen Säuglingen. Bei einem Teil dieser Säuglinge wurde eine AD-Diagnose gemäß den Kriterien der United Kingdom Working Party gestellt. Die Forschenden entnahmen zunächst in einem nicht invasiven und einfachen Verfahren Sebum von der Gesichtshaut aller teilnehmenden Säuglinge. Anschließend wurde die mRNA in den Hautoberflächenlipiden extrahiert, um eine Transkriptomanalyse durchzuführen. Schließlich wurden die Daten analysiert, um die zugrundeliegenden molekularen Merkmale einer früh einsetzenden AD bei Säuglingen zu ermitteln. Die Analyse ergab mehrere Gene mit unterschiedlicher Expression zwischen Säuglingen mit und ohne AD. Insbesondere stellten die Forschenden fest, dass Säuglinge mit AD eine geringere Expression von Genen aufwiesen, die mit dem Lipidstoffwechsel und der Lipidsynthese, den „tight junctions“, antimikrobiellen Peptiden und der Keratinisierung zusammenhängen, sowie eine höhere Expression von Genen, die mit Immunreaktionen vom Th2-, Th17- und Th22-Typ zusammenhängen. Diese molekularen Veränderungen der Barrierefunktion und der Entzündungsmarker, die für AD charakteristisch sind, wurden in der früheren Literatur nicht beschrieben, vor allem nicht bei einmonatigen Säuglingen, was vor allem auf die Invasivität der üblichen Diagnoseverfahren zurückzuführen ist. Vor allem aber stellte das Team fest, dass die Sebum-RNA über die Veränderungen dieser Marker dazu verwendet werden kann, den Beginn einer AD weit im Voraus zu erkennen. Dr. Yamamoto-Hanada erklärt: „Unsere Ergebnisse bestätigen, dass das RNA-Monitoring für die Früherkennung von Atopischer Dermatitis bei Säuglingen nützlich ist und in Zukunft auch für die Überwachung der Behandlung eingesetzt werden kann.“ Es bleibt zu hoffen, dass die Verfügbarkeit dieser einfachen, objektiven und nicht invasiven Diagnosemöglichkeit für AD die Eltern von Säuglingen mit AD ermutigt, sich für eine frühzeitige Beratung und therapeutische Intervention der Erkrankung zu entscheiden. „Säuglinge haben oft mehrere Ekzeme und erleben immer wieder Exazerbationen und Remissionen. Mit unserer Methode kann eine rechtzeitige Behandlung von AD im Frühstadium erfolgen, was eine Verbesserung der Lebensqualität von Säuglingen mit AD und ihren Familien ermöglicht“, sagt Dr. Yamamoto-Hanada.
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