Atopische Dermatitis und Krebsrisiko: Review offenbart widersprüchliche Datenlage22. Juni 2020 ©Von-andranik123 – Adobe Stock Eine beeinträchtigte Barrierefunktion der Haut sowie eine abweichende Immunfunktion bei Atopischer Dermatitis (AD) verändern möglicherweise die Immunantwort auf maligne Krebsformen. Daten zum Krebsrisiko von AD-Patienten erweisen sich als widersprüchlich. Um das Risiko für kutane und nicht kutane Krebsformen bei AD-Patienten genauer zu bestimmen, unternahmen die Autoren der vorliegenden Studie ein Review der in Medline und Embase veröffentlichten Studien (ab 1946 bzw. 1980 bis 2019). Es wurden nur Studien berücksichtigt, die das Krebsrisiko von AD-Patienten mit einer Kontrollgruppe (Gesamtbevölkerung oder gesunde Kontrollprobanden) abbildeten. Die Daten wurden mithilfe von Zufallsmodellen zusammengelegt und als standardisiertes Inzidenzverhältnis (SIR) oder als Chancenverhältnis (OR) mit 95 %-Konfidenzintervall (KI) dargestellt.In die Analyse flossen die Daten aus 8 populationsbasierten Kohortenstudien (n=5.726.692 Teilnehmer) und aus 48 Fall-Kontroll-Studien (n=114.136 Teilnehmer) ein. Bei den Kohortenstudien ergab sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen AD und keratinozytären Karzinomen (5 Studien; SIR 1,46; 95 %-KI 1,20–1,77) und weiteren Krebsformen: Nierenkrebs (2 Studien; SIR 1,86; 95 %-KI 1,14–3,04), Tumore des Zentralnervensystems (2 Studien; SIR 1,81; 95 %-KI 1,22– 2,70) sowie Bauspeicheldrüsenkrebs (1 Studie; SIR 1,90; 95 %-KI 1,03– 3,50). Die 48 Fall-Kontroll-Studien hingegen zeigten, dass AD-Patienten ein statistisch signifikant niedrigeres Risiko für Tumore des Zentralnervensystems (15 Studien; OR 0,76; 95 %-KI, 0,70–0,82) aufweisen; ähnliches ergab sich hinsichtlich Bauchspeicheldrüsenkrebs (5 Studien; OR 0,81; 95 %-KI 0,66–0,98). In den Fall-Kontroll-Studien wurde außerdem eine niedrigere Wahrscheinlichkeit für Tumore der Lunge und Atemwege (4 Studien; OR 0,61; 95 %-KI 0,45–0,82) gezeigt. Für einen Zusammenhang zwischen AD und anderen Krebsformen, inklusive des Melanoms, konnten keine Belege gefunden werden. Die Gesamtstudienlage war hinsichtlich weiterer Krebsformen durch eine hohe Heterogenität gekennzeichnet; eine Analyse wäre einem zu hohen Verzerrungsrisko ausgesetzt gewesen.Fazit: Die Analyse der Studien weist auf eine potenzielle Assoziation zwischen AD und erhöhtem Krebsrisiko (keratinozytäre Karzinome, Nierenkrebs) hin, während die Wahrscheinlichkeit für Tumore der Lunge und Atemwege bei AD niedriger ist. Weitere Forschung sei nötig, um die Heterogenität der gegenwärtigen Evidenz zu eliminieren und die zugrundeliegenden Mechanismen einer möglichen Evidenz zwischen AD und Krebsrisiko zu verstehen. (am)
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