Auch Psychotherapie kann Nebenwirkungen haben10. Oktober 2025 Wie jede Behandlung birgt auch die Psychotherapie Risiken und kann unerwünschte Wirkungen erzielen. Ein Forschungsteam des Uniklinikum Jena hat diese zusammengefasst. Quelle: © Wahl/Universitätsklinikum Jena) Wie jede Behandlung birgt auch die Psychotherapie Risiken und kann unerwünschte Wirkungen erzielen. Ein Autorenteam des Universitätsklinikums Jena gibt im Fachjournal „Nature Reviews Psychology“ einen Überblick zum Stand der Wissenschaft und Empfehlungen für Forschung und klinische Praxis. Das ethische Grundprinzip „nil nocere“ gilt auch in der Psychotherapie. Die transparente Aufklärung über die Risiken und Vorteile einer Therapie ist essenziell: Sie fördert das Vertrauen und die Autonomie der Behandelten, gleicht die Erwartungen an die Therapie ab, reduziert die Abbruchrate und die Unzufriedenheit mit der Psychotherapie. Voraussetzung für diese transparente Information sind wissenschaftlich gesicherte Informationen zu den Risikoprofilen psychotherapeutischer Behandlungen. Während die Wirksamkeitsforschung eine lange Tradition hat, stehen Risiken und Nebenwirkungen erst seit kurzer Zeit auf der psychotherapeutischen Forschungsagenda. Auf Einladung des Fachjournals „Nature Reviews Psychology“ hat ein Autorenteam des Universitätsklinikums Jena (UKJ) mit internationaler Beteiligung jetzt den Stand der Wissenschaft zum Thema zusammengefasst. Nebenwirkungen bei jeder zehnten Therapie „An unserem Institut untersuchen wir seit Längerem die Ursachen und Auswirkungen unerwünschter Effekte der Psychotherapie“, erklärt Prof. Bernhard Strauß, Direktor des Instituts für Psychosoziale Medizin, Psychotherapie und Psychoonkologie am UKJ. „Neben eigenen Erhebungen und Repräsentativbefragungen werten wir seit Jahren die Beratungsanfragen beim Verein ‚Ethik in der Psychotherapie‘ aus und haben eine umfassende Literaturanalyse erstellt.“ Das Ergebnis: Bei mehr als jeder zehnten Therapie treten Nebenwirkungen auf, schwere Nebenwirkungen sind deutlich seltener. Aber welche unerwünschten Wirkungen kann eine Psychotherapie haben? Das Spektrum reicht von zunehmenden oder neu auftretenden Symptomen über die Verschlechterung sozialer Beziehungen und negative Folgen für das Berufsleben bis hin zu akuten psychischen Krisen oder Selbstmordgedanken. „Zwei zentrale Aspekte bei der Klärung des Begriffes sind die Perspektive und die Kausalität“, erklärt die Erstautorin Prof. Jenny Rosendahl. Die Ursachen für Nebenwirkungen sind vielfältig So mag es aus Sicht des Patienten belastend sein, wenn er mit seinen Ängsten konfrontiert wird, das kann aber Bestandteil einer korrekt ausgeführten Therapie sein. Scheitert die Partnerschaft einer Patientin, weil die Therapie ihr Selbstbewusstsein gefördert hat, oder weil die Beziehung von vornherein nicht gut gehen konnte? Zu den Ursachen unerwünschter Effekte gehören auch therapeutische Kunstfehler – etwa ein zu frühes Therapieende, die Weiterführung einer Therapie, obwohl das Patient-Therapeuten-Verhältnis gestört ist, bis hin zu grobem therapeutischen Fehlverhalten wie sozialen und sexuellen Übergriffen. Obwohl die Studienlage zur Wirksamkeit von Psychotherapie recht gut ist, werden Nebenwirkungen selten betrachtet. Das Autorenteam empfiehlt deshalb, in der Psychotherapieforschung negative Effekte qualitativ und quantitativ zu erfassen und zu publizieren. „Bereits in der psychotherapeutischen Ausbildung sollten die Sensibilität für mögliche negative Auswirkungen in der Therapie und das Bewusstsein für die Rolle des Psychotherapeuten bei der Erzeugung negativer Effekte entstehen“, betont Strauß. Auch in der klinischen Praxis sollten Berichtssysteme die Qualitätssicherung unterstützen. Rosendahl ergänzt: „Für eine vertrauensvolle Therapiebeziehung ist die transparente Aufklärung über negative Auswirkungen – jedoch ohne Schwarzmalerei – ebenso wichtig wie die Möglichkeit, dass Patientinnen und Patienten Probleme und Kritik in der Behandlung ansprechen können.“
Mehr erfahren zu: "Neue Technik macht Natriumgehalt in Astrozyten sichtbar" Neue Technik macht Natriumgehalt in Astrozyten sichtbar Das Element Natrium spielt für die Funktion des Nervensystems eine zentrale Rolle. Ein internationales Forschungsteam hat nun die Natriumkonzentration in Astrozyten, speziellen Zellen im Gehirn, genauer untersucht. Die Forschenden entwickelten […]
Mehr erfahren zu: "DGS kündigt klinische Studien zu Cannabis in der Schmerzmedizin an" DGS kündigt klinische Studien zu Cannabis in der Schmerzmedizin an Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) hat beim Medizinal Cannabis Congress in Berlin über die Versorgungssituation chronischer Schmerzpatienten gesprochen und neue klinische Studien zum Einsatz von Medizinal-Cannabis in der Schmerzmedizin […]
Mehr erfahren zu: "Demenzrisiko ist schon in jungen Jahren sichtbar" Demenzrisiko ist schon in jungen Jahren sichtbar Eine Studie der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig zeigt, dass ein etablierter Demenzrisiko-Index bereits bei jungen Erwachsenen im Alter von 20 bis 39 Jahren mit Unterschieden in der geistigen Leistungsfähigkeit […]