Auch wenn Arterien frei sind: Schmerzen in der Brust ernst nehmen31. März 2020 Foto: © lovelyday12/Adobe Stock Bei Patienten, die an Schmerzen in der Brust leiden und bei kardialen Stresstests anomale Ergebnisse zeigen, jedoch keine blockierten Arterien aufweisen, treten im Laufe der Zeit häufig Veränderungen der Symptome und der Ergebnisse beim Stresstest auf. Dies geht aus Untersuchungen hervor, die anlässlich der diesjährigen Annual Scientific Session des American College of Cardiology zusammen mit dem World Congress of Cardiology (ACC.20/WCC) vorgestellt wurden. „Obwohl diese Patienten in hohem Maße anomale Ergebnisse beim Stresstest hatten, veränderten sich die Symptome und Stresstest-Ergebnisse häufig im Laufe der Zeit, wobei die Veränderungen beim Stresstests und die Veränderung der Symptome nicht unbedingt zusammenpassten“, berichtet Dr. Harmony R. Reynolds, Leiterin des Sarah Ross Soter Center for Women’s Cardiovascular Disease an der NYU Langone Health in New York (USA) und Hauptautorin der Studie. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Krankheitsaktivität nachlässt – es kann Zeiträume geben, in denen die Symptome stärker hervortreten, und solche, in denen sie fehlen.“ An der Studie mit dem Namen CIAO nahmen 208 Personen teil, die für die ISCHEMIA-Studie gescreent worden waren, bei der Koronarangiographie jedoch keine Blockade von mehr als 50 Prozent aufwiesen, sodass sie für die große internationale Studie nicht infrage kamen. In ISCHEMIA wird die Behandlung der koronaren Arterienkrankheit (CAD) untersucht. Die Einschränkung des Blutflusses oder Herzsymptome ohne Verengung der Arterien um 50 Prozent wird als Ischämie ohne obstruktive KHK bezeichnet (Ischemia and No Obstructive Coronary Artery Disease [INOCA]). Alle Patienten litten an Schmerzen in der Brust oder an anderen herzbedingten Symptomen (Angina pectoris) und hatten abnormale Ergebnisse bei der Stress-Echokardiographie. Die Forscher bewerteten die Symptome und Stresstest-Ergebnisse der Teilnehmer nach einem Jahr und verglichen die Ausgangswerte der CIAO-Patienten mit denen von 1079 Patienten, die an ISCHEMIA teilnahmen und sich ebenfalls einer Stress-Echokardiographie unterzogen. Zu Studienbeginn stellten sie fest, dass Patienten in CIAO und ISCHEMIA bei ihren Stresstests ein ähnliches Ausmaß an Ischämie aufwiesen, obwohl die Patienten in CIAO keine obstruktive CAD hatten. CIAO-Teilnehmer mit INOCA litten häufiger an einer Angina pectoris: Bei 17 Prozent dieser Patienten war dies einmal in der Woche oder häufiger der Fall, verglichen mit vier Prozent der Patienten in ISCHEMIA mit CAD. CIAO-Patienten hatten auch mit höherer Wahrscheinlichkeit im vorangegangenen Monat an einer Angina pectoris gelitten: 41 Prozent der CIAO-Patienten mit INOCA gaben an, im Vormonat nicht an einer Angina gelitten zu haben, verglichen mit 62 Prozent der ISCHEMIA-Patienten mit CAD. Nach einem Jahr stellten sich die Hälfte der Stress-Echokardiographien von CIAO-Patienten als normal dar, während 45 Prozent gleich waren wie zu Studienbeginn oder schlechter. Die Angina-Symptome besserten sich bei 42 Prozent und verschlechterten sich bei 14 Prozent. Die Anzahl der Medikamente zur Kontrolle der Angina blieb im Durchschnitt gleich. Die Veränderung der Stresstest-Ergebnisse über ein Jahr und die Veränderung der Symptome im selben Zeitraum standen in keinem Zusammenhang miteinander. Ein bemerkenswerter Unterschied zur ISCHEMIA-Studie bestand darin, dass 66 Prozent der in CIAO eingeschlossenen Patienten Frauen waren – ein viel größerer Anteil als in ISCHEMIA, in der nur 26 Prozent der eingeschlossenen Patienten weiblich waren. Das entspricht älteren Studien, in denen festgestellt wurde, dass bei Frauen mit höherer Wahrscheinlichkeit Schmerzen in der Brust entwickeln und anomale Stresstest-Ergebnisse erzielen als Männer, obwohl sich in den Arterien weniger Plaque gebildet hat. „Dies könnte mit grundlegenden Unterschieden in der Entwicklung von Herzerkrankungen bei Frauen und Männern zusammenhängen“, sagt Reynolds. Zum Beispiel haben Studien in der Vergangenheit gezeigt, dass Frauen häufiger an einer Mikroangiopathie leiden. „Es besteht die Sorge, dass Patienten mit INOCA von Ärzten nicht ernst genommen werden. Diese sind möglicherweise in dem Glauben, es gehe den Patienten gut, weil ihre Arterien offen sind“, unterstreicht Reynolds. „Sie dürfen jedoch nicht ignoriert werden. Ältere Studien zeigen, dass diese Patienten einem höheren Risiko ausgesetzt sind als Menschen ohne Angina pectoris, obwohl sie im Allgemeinen ein geringeres Risiko haben als Patienten mit obstruktiver CAD.“ Zusätzlich zu einer Mikroangiopathie könnten intermittierende Schmerzen in der Brust und Ischämie durch Episoden von Spasmen in den Koronararterien verursacht werden, ergänzt Reynolds. Es müsse weiter geforscht werden, um die Faktoren zu bestimmen, die zu solchen Symptomen in Abwesenheit einer CAD beitragen, ebenso wie geeignete Behandlungsansätze, sagt sie. Die Forscher planen, verschiedene Strategien zur Beurteilung von Herzerkrankungen zu vergleichen, um zu klären, wie weniger invasive Tests verwendet werden können, um Patienten mit höherem Risiko zu identifizieren.
Mehr erfahren zu: "Chirurgieverband zu den Hybrid-DRG-Neuerungen: Ambulantisierung kann so nicht gelingen" Chirurgieverband zu den Hybrid-DRG-Neuerungen: Ambulantisierung kann so nicht gelingen Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie (BDC) befürchtet, dass mit der jetzigen Ausgestaltung der Hybrid(H)-DRGs das angestrebte Ziel der Ambulantisierung nicht erreicht werden kann. Er fordert daher eine sachgerechte Refinanzierung vor […]
Mehr erfahren zu: "Extreme Tierarten als Schlüssel für Erkrankungen des Menschen" Extreme Tierarten als Schlüssel für Erkrankungen des Menschen Zahlreiche Tiere leben in extremen Umgebungen und haben ihren Stoffwechsel entsprechend angepasst. Wissenschaftler zeigen nun, dass sich aus diesem Wissen Lösungen entwickeln lassen könnten, die gegen Erkrankungen beim Menschen helfen. […]
Mehr erfahren zu: "DEGAM begrüßt Gesetzesinitiative zur Zuckersteuer" DEGAM begrüßt Gesetzesinitiative zur Zuckersteuer Schleswig-Holstein kündigte Pläne für eine bundesweite Zuckersteuer an. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) begrüßt die Initiative.