Auf dem Weg zu einem besseren Ersatz von Muttermilch?20. Juli 2023 Prof. Dr. Jan Postberg (Foto: UW/H) Forschende der Universitäten Kopenhagen und Witten/Herdecke haben die Genkommunikation zwischen Müttern und Neugeborenen über die Muttermilch via RNAs untersucht. Forschende der Universität Witten/Herdecke (UW/H) und der Universität Kopenhagen konnten zeigen, wie microRNAs in der Muttermilch dazu beitragen könnten, dass sich die Darmflora bei Neugeborenen richtig entwickelt. Die microRNAs stammen vom mütterlichen Erbgut. Über die Muttermilch aufgenommen, könnten sie die Aktivität von Genen und damit die kindliche Entwicklung steuern. „Wir wissen, dass Muttermilch die beste Ernährung für das Baby in den ersten Lebensmonaten ist“, sagt Prof. Jan Postberg, Inhaber der Professur für Klinische Molekulargenetik und Epigenetik an der UW/H und Leiter des Forschungslabors des Zentrums für Forschung in der klinischen Medizin (ZFKM) am HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal. Manchmal gebe es jedoch Situationen, in denen Stillen nicht möglich sei oder nicht ausreiche. Dann greife man häufig zu Ersatzprodukten mit Anteilen von Kuhmilch. Die Ersatzmilch enthält ebenfalls microRNAs, sie sind aber nur teilweise identisch mit menschlichen. „Nur, wenn wir verstehen, wie microRNAs aus der Muttermilch im Körper der Neugeborenen wirken, können wir diese Ersatzprodukte verbessern, um zum Beispiel die Entwicklung des unreifen Darms bei extrem zu früh geborenen Kindern zu unterstützen“, ordnet Postberg die Forschung ein. Er ist der Koordinator der Studie, die jetzt im American Journal of Clinical Nutrition erschienen ist. Wie steuert Muttermilch die Kommunikation der Gene bei neugeborenen Babys? „Ziel der Studie war es, festzustellen, ob die microRNAs aus der Muttermilch die Verdauung überstehen, in Zellen eindringen und möglicherweise die Genregulation bei Neugeborenen beeinflussen können“, berichtet Postberg. Der besondere Trick dabei: Das Team hat nicht-menschliche microRNAs aus Ersatz- (oder Prä-)Nahrungen für Babys verwendet, um den Weg dieser Moleküle über den Magen-Darm-Trakt zu verfolgen. Menschliche microRNAs aus der Muttermilch sind zur Nachverfolgung ungeeignet, weil bei der Analyse nicht unterschieden werden kann, ob sie über die Nahrung aufgenommen oder vom Neugeborenen selbst hergestellt wurden. Sowohl bei menschlichen Neugeborenen als auch bei Ferkeln, die Kuhmilch bekommen haben, fand das Forscherteam Hinweise darauf, dass microRNAs aus der Milch von den Zellen aufgenommen und auf spezielle Eiweiße geladen werden. „Sie könnten also eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Darms während eines kritischen Zeitfensters direkt nach der Geburt spielen“, gibt sich Postberg betont vorsichtig. Weitere Forschung zur Identifizierung spezifischer microRNAs sei notwendig, um Aussagen über ihre potenziellen Auswirkungen auf die Gesundheit von Neugeborenen treffen zu können.
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