Auf den Spuren der Fanconi-Anämie1. Juli 2025 Grafische verfremdete Darstellung des FA-Kernkomplexes, bestehend aus acht Proteinen mit FAAP100/FANCX in der Mitte, in seiner Funktion als Vermittler zur DNA-Reparatur bestimmter DNA-Schäden. Bild: ©Dr. Reinhard Kalb/Uni Würzburg) Ein internationales Forschungsteam unter Würzburger Leitung hat ein weiteres Gen identifiziert, dessen funktioneller Ausfall zu Fanconi-Anämie (FA) führt. Ausgelöst wird die FA durch Mutationen in einem von bislang 22 bekannten Genen, den FANC-Genen. Am Institut für Humangenetik der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) wurde nun ein weiteres dieser Gene identifiziert. Die Ergebnisse stellen die Forschenden in der Fachzeitschrift „The Journal of Clinical Investigation“ vor. Reparatur von DNA-Schäden gestört Bei Patienten mit Fanconi-Anämie sind bestimmte DNA-Reparaturmechanismen, insbesondere für die Reparatur chemischer Vernetzungen des DNA-Doppelstranges, gestört. Die Folge: Fehlerhafte Reparatur, die zu Fehlfunktionen oder sogar zum Zelltod führen kann. In einer Studie beschreibt ein von Prof. Detlev Schindler koordiniertes Team von Forschenden aus Würzburg und den USA, dass eine genetische Variante des FAAP100-Gens zu FA-typischen Entwicklungsstörungen führt. „Die Variante beeinträchtigt die Funktion eines wichtigen Proteinkomplexes, der an der Reparatur von DNA-Schäden beteiligt ist“, so Dr. Reinhard Kalb, der am Institut für Humangenetik die Arbeitsgruppe Somazellgenetik leitet. Experimente in Zell- und Tiermodellen belegten demnach, dass die entdeckte Variante − beziehungsweise ein Mangel an FAAP100 − zu chromosomaler und genomischer Instabilität führt. „Auf molekularer Ebene liegt dies daran, dass FAAP100 normalerweise eine wichtige Gerüstfunktion im FA-Kernkomplex einnimmt, die durch die Mutation ausfällt, so dass bestimmte DNA-Reparaturfunktionen nicht mehr durchgeführt werden können“, erklärt Kalb weiter. Als Folge dieser Erkenntnisse wurde das FAAP100-Gen nun unter der Bezeichnung FANCX als dreiundzwanzigstes Gen in die Liste der krankheitsursächlichen FANC-Gene aufgenommen. Relevanz für Patienten Erkenntnisse über die genetische Ursache der Erkrankung sind wichtig für die Diagnosestellung und damit für eine fundierte genetische Beratung sowie eine notwendige medizinische Betreuung. Auch bei Patienten mit bestimmten Verdachtsmomenten ist vor Behandlungsbeginn ein Ausschluss von FA notwendig, um eine behandlungsbedingte Gefährdung zu vermeiden. Neben weiteren Forschungen zur Verbindung zwischen FA und erblichen Krebserkrankungen haben die Forschenden noch eine andere mögliche Folge im Blick: Die Schwere der Fehlbildungen bei FANCX-bedingter FA legt nahe, dass diese eine Rolle bei ungeklärten Fehlgeburten spielen könnte. Diese Option gelte es zukünftig weiter zu untersuchen. Kooperationspartner und Förderungen Neben Forschenden aus Würzburg waren vor allem Kollegen aus den USA an den Arbeiten beteiligt, darunter Arbeitsgruppen am Laboratory of Genetics and Genomics des National Institutes on Aging in Baltimore, am Department of Biochemistry and Molecular Biology der Miller School of Medicine an der University of Miami sowie der Genomics Core and Cancer Genomics Unit am National Human Genome Research Institute, National Institutes of Health in Bethesda, Maryland. Finanziell gefördert wurde die Arbeit in Würzburg durch den Schroeder-Kurth-Fonds sowie das Bundesministerium für Bildung und Forschung.
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