Aufklärung zur Schuppenflechte: Deutsche Kampagne könnte Vorbild für andere Länder sein13. September 2018 Nicht ansteckend. Schuppenflechte auf den Händen. Foto: Universität Osnabrück/Swen Malte John Ablehnung, Ekel, Furcht vor Ansteckung und sozialer Ausgrenzung sind häufige Reaktionen, denen sich Menschen mit Schuppenflechte ausgesetzt sehen. Das vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Forschungsprojekt „ECHT EVAL 2018“ hat zum Ziel, Strategien zur besseren Aufklärung der Öffentlichkeit zu entwickeln. Erste Ergebnisse werden auf dem Kongress der European Academy of Dermatology and Venerology (EDAV) vorgestellt, der vom 12. Bis 16. September in Paris stattfindet. „Wir hoffen, dass auch andere Länder entsprechende Aufklärungskampagnen zur Schuppenflechte starten“, sagt Dermatologe Prof. Dr. Swen Malte John von der Universität Osnabrück. Im Jahr 2014 haben die Mitgliedstaaten der World Health Assembly (WHA) erstmals die Schuppenflechte als schwere, nicht ansteckende Erkrankung identifiziert. 2016 forderte der WHO-Global Report multilaterale Anstrengungen für eine verbesserte Wahrnehmung, Versorgung und Entstigmatisierung dieser Erkrankung, an der weltweit mehr als 120 Millionen Menschen leiden. „Ziel ist es, das Bewusstsein für die Krankheit zu schärfen und die Aufmerksamkeit von Ärzten, Hautspezialisten und Gesundheitspolitikern darauf zu lenken, dass die Symptome der Betroffenen durch Frühdiagnose, schnellere, adäquate Behandlung und leichteren Zugang zur Gesundheitsversorgung gemildert werden können“, sagt der Mitverfasser des WHO-Global-Reports, Prof. John. Das Projekt „ECHT EVAL 2018“, das von sieben Hochschulen bearbeitet wird, ist die deutsche Antwort auf die Forderungen der WHO. Die Psoriasis ist eine chronische, nichtübertragbare Hautkrankheit, charakterisiert durch helle, silberweiße Schuppen auf roten (entzündeten) Hautflecken, vor allem auf den Armen und Beinen, der Kopfhaut, aber auch vielen anderen Körperstellen wie dem Genitalbereich. „Schuppenflechte ist unheilbar, kann aber mit geeigneten interdisziplinären Therapien gut behandelt werden und so die Lebensqualität der Betroffenen verbessern“, erklärt Prof. John, Leiter des Fachgebiets Dermatologie, Umweltmedizin und Gesundheitswissenschaften der Universität Osnabrück . Als eine „systemische Erkrankung”, kann sie auch mit Gelenkdeformierungen und einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen einhergehen, sowie ernsthafte psychologische Probleme verursachen. Mehr als 60 Prozent leiden unter depressiven Perioden. „Wenn sichtbare Flächen, wie das Gesicht, der Haaransatz oder die Hände betroffen sind, ist dies besonders problematisch für Patienten und kann einen enormen negativen Einfluss auf ihr Leben haben“, so der Osnabrücker Dermatologe. In Deutschland leiden ungefähr zwei Millionen Menschen an Schuppenflechte. Einer FORSA Umfrage mit 2.400 Befragten zufolge halten zehn Prozent der Bevölkerung Schuppenflechte immer noch für ansteckend; 24 Prozent würden keine Partnerschaft mit einem Betroffenen eingehen und 20 Prozent würden kein öffentliches Schwimmbad mit ihm besuchen. Nicht zu vernachlässigen sind auch die ökonomischen Auswirkungen der Krankheit: „Vorurteile können zu Karrierehindernissen werden und Arbeitstage verloren gehen, wenn die Symptome akut werden“, so John. „Hier ist Aufklärung dringend nötig.“
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