Augentumore bei Kindern und Erwachsenen: Gefährlich, aber früh erkannt inzwischen besser heilbar2. August 2023 Etwa 60 Kinder erkranken in Deutschland jährlich an einem Retinoblastom. Ihre Heilungschancen stehe aber gut. (Foto: © Svitlana – stock.adobe.com) Tumoren im Auge sind zwar selten, können jedoch unerkannt zum Tode führen. Wie die Heilungsaussichten beim Aderhautmelanom und Retinoblastom konkret aussehen und welche Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten derzeit bestehen und künftig möglich sein könnten, berichten Experten am 21. September 2023 auf einer Vorab-Pressekonferenz zum Jahreskongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). Augenkrebs ist eher selten und daher wenig beachtet. Da Tumore im Augeninneren häufig erst spät erkannt werden, können diese nicht nur das Augenlicht gefährden, sondern auch lebensgefährlich sein. „Es ist daher wichtig, diese Augenerkrankungen trotz ihrer Seltenheit im Blick zu behalten. Zum Glück haben sich die Möglichkeiten der Früherkennung in den letzten Jahren deutlich verbessert!“, erklärt Prof. Nikolaos E. Bechrakis, Präsident der DOG und Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Essen. So lassen sich Tumore mit modernen Früherkennungsmethoden erkennen und behandeln, bevor die Gefahr für die Sehkraft und das Leben Krebs-Betroffener zu groß werden. Augentumore im Kindesalter: Früh erkannt gut heilbar Mit jährlich etwa 60 Neuerkrankungen ist das Retinoblastom der häufigste bösartige Tumor des Augeninneren bei Kindern. Weltweit erkranken jedes Jahr über 8000 Babys und Kleinkinder daran. In Industrienationen konnte die interdisziplinäre Zusammenarbeit aus Ophthalmologie, Onkologie, Pädiatrie und weiteren Fachgebieten die Sterblichkeit auf 5 Prozent reduzieren. „In Entwicklungsländern hingegen besteht weiterhin eine Sterberate von 50 Prozent, da dort die notwendigen sozioökonomischen Standards nicht gegeben sind“, kritisiert Bechrakis. Hier bestünde in der Telemedizin ein großes Potential, um den Hürden der mangelnden Expertise vor Ort positiv zu begegnen. Auch Blutanalysen, die im Blut zirkulierende spezifische Tumor DNA (ct-DNA) identifizieren, sind für die Frühdiagnostik vielversprechend und könnten dabei helfen, Überleben und Lebensqualität der kleinen Patientinnen und Patienten zu verbessern. Aderhautmelanom: häufigster Augenkrebs im Erwachsenenalter Jährlich bis zu 700 Menschen erkranken in Deutschland am Aderhaut-Melanom. „Zu erkennen ist der Tumor durch eine bräunliche Pigmentierung der Aderhaut und tritt meist zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr auf“, führt Bechrakis aus. Kritisch ist, dass diese Tumorart meist über Monate unentdeckt bleibt, da sie weder Schmerzen verursacht noch von außen sichtbar ist und erste Symptome wie Sehbeeinträchtigungen häufig unbemerkt oder unbeachtet bleiben. Die Folge: Der Krebs kann in dieser Zeit metastasieren und über die Blutbahn andere Organe befallen – vorzugsweise die Leber. „Gerade im höheren Alter denken viele bei auftretenden Sehproblemen eventuell an Altersveränderungen und nicht an einen bösartigen Tumor“, berichtet Bechrakis. Der Experte empfiehlt, auch bei kleinsten Sehveränderungen sofort eine Augenärztin oder einen Augenarzt aufzusuchen und rät davon ab, sich selbständig mit Lesehilfen zu versorgen. Das Aderhautmelanom lässt sich schnell und ohne großen Aufwand für die Patienten diagnostizieren. Mithilfe spezieller Weitwinkelfotoapparate können Augenärzte das Innere des Augapfels untersuchen. Bechrakis prognostiziert, dass in naher Zukunft zudem Blutuntersuchungen zur Früherkennung eingesetzt werden können. Die Therapie ist bei früh erkanntem Krebs sehr aussichtsreich: Mithilfe der Protonentherapie, die Strahlen gebündelt in das Auge projiziert, kann der Tumor in 95 Prozent der Fälle inaktiviert werden und bei etwa 80 Prozent der Betroffenen bleibt darüber hinaus auch die Sehkraft erhalten. Alternativ steht die Kontaktbestrahlung mit dem Radioisotop Ruthenium zur Verfügung. Die größte Herausforderung besteht noch in der Therapie von bereits metastasiertem Aderhaut-Krebs. Aber auch hier verzeichnet die Forschung Fortschritte: Das mittlere Überleben konnte bereits auf sechs Monate verlängert werden.
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