Aus der Behandlung von Herzinfarkten bekanntes Konzept auch auf Lungenembolien anwendbar

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Bei Patienten mit Lungenembolie mittleren bis hohen Risikos fallen die kurzfristigen klinischen Ergebnisse bei kathetergestützter Thrombolyse im Vergleich zur alleinigen Standard-Antikoagulationstherapie besser aus.

Dies berichteten Forschende kürzlich auf dem diesjährigen Kongress der European Society of Cardiology (ESC) in München. Prof. Viktor Kočka und Dr. Josef Kroupa von der Karls-Universität und dem Universitätsklinikum Kralovské Vinohrady in Prag (Tschechien) leiteten die PRAGUE-26-Studie. Darin untersuchten sie gemeinsam mit Kollegen, ob eine interventionelle Strategie die Behandlungsergebnisse bei Patienten mit Lungenembolie verbessern kann. „Im Gegensatz zu Interventionen bei Herzinfarkt oder Schlaganfall gab es in den letzten 20 Jahren nur wenige Fortschritte in der Behandlung der Lungenembolie. Dies hat zu einem erheblichen ungedeckten klinischen Bedarf geführt, den wir nicht ignorieren können“, unterstrich Kočka.

Thrombolytika direkt an den Ort des Geschehens bringen

Bei der kathetergesteuerten Thrombolyse (CDT) handelt es sich um ein einfaches und relativ kostengünstiges Verfahren, das im Herzkatheterlabor durchgeführt wird. Dabei werden thrombolytische Medikamente direkt in das Blutgerinnsel in der Lungenarterie verabreicht. „Die akademische PRAGUE-26-Studie hatte zum Ziel, den aktuellen Behandlungsstandard bei akuter Lungenembolie mit mittlerem bis hohem Risiko zu hinterfragen“, merkte Kroupa an. „Dafür haben wir untersucht, ob die konventionelle CDT (ohne Ultraschallführung) die alleinige Antikoagulation verbessern kann.“

An elf Standorten in Tschechien wurden Patienten mit akuter Lungenembolie mittleren bis hohen Risikos (gemäß den ESC-Leitlinien von 2019) im Verhältnis 1:1 randomisiert einer CDT oder einer Standard-Antikoagulationstherapie (intravenöses unfraktioniertes Heparin oder subkutanes niedermolekulares Heparin) zugeteilt. Der primäre, kombinierte Endpunkt bestand aus Gesamtmortalität, Lungenembolie-Rezidiv oder kardiorespiratorischer Dekompensation/Kreislaufkollaps (definiert nach vordefinierten Kriterien) innerhalb von sieben Tagen nach Randomisierung. Insgesamt wurden 558 Patienten randomisiert, das mediane Alter betrug 64 Jahre, 41 Prozent der Probanden waren Frauen.

Niedrigere Rate kardiorespiratorischer Dekompensation unter CDT

Der primäre Endpunkt war in der CDT-Gruppe im Vergleich zur Standardtherapiegruppe signifikant reduziert (0,7% vs. 6,8%; relatives Risiko 0,10; 95%-Konfidenzintervall 0,02–0,44; p<0,001). Dieser Unterschied beruhte laut den Forschenden primär auf einer geringeren Rate an kardiorespiratorischer Dekompensation unter CDT. „Der primäre Endpunkt ging mit einer frühen Verbesserung der rechtsventrikulären Belastung im Echokardiogramm einher, was mit früheren Studien übereinstimmt, die positive Effekte von CDT beschrieben haben“, erläuterte Kroupa.

Hinsichtlich der Sicherheit ergab sich innerhalb von sieben Tagen kein signifikanter Unterschied in der Häufigkeit von Blutungsereignissen zwischen der CDT-Gruppe und der Standardbehandlungsgruppe (4,6% vs. 5,0%; p=0,846). In der CDT-Gruppe traten zwei Fälle von intrakranieller Blutung auf, in der Standardbehandlungsgruppe keiner. Innerhalb von sieben Tagen verstarben vier Patienten unter Standardbehandlung, innerhalb von 30 Tagen ein Patient in der CDT-Gruppe.

„Mithilfe des bereits für Herzinfarkte angewandten Konzepts konnten wir zeigen, dass spezialisierte interventionelle Behandlungen in darauf ausgerichteten Zentren unseres nationalen Netzwerks durchgeführt werden können. Dies könnte den Weg für einen verbesserten, standardisierten Behandlungsansatz bei Lungenembolien ebnen und die akuten Risiken für die Patienten verringern“, ordnet Kočka die Forschungsergebnisse ein.

Abschließend wies er darauf hin, dass die neuen ESC-Leitlinien zur Lungenembolie im nächsten Jahr veröffentlicht werden sollen. „Wir hoffen, dass die Ergebnisse unserer Studie mit CDT zukünftige Empfehlungen beeinflussen werden“, sagte er. (ac/BIERMANN)