Ausgezeichnete Forschung zur Kommunikation von Blutgefäßen und Gehirn21. November 2022 (v.l.) Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, Preisträger Sarajo Mohanta, Stifterin Lieselotte Becht und Armin Welz, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der DSHF. Foto: ©DGK/Jürgen Christ Dr. Sarajo Mohanta vom Klinikum der Universität München (LMU) erhält den renommierten Forschungspreis der Deutschen Stiftung für Herzforschung, der mit einem Preisgeld von 15.000 Euro dotiert ist. Atherosklerose ist eine chronische Erkrankung und Ursache von Schlaganfall und Herzinfarkt. Ablagerungen von Blutfetten in die innere Schicht von Blutgefäßen sorgen dafür, dass eine begleitende Gefäßentzündung entsteht. Am Ende eines längeren Prozesses verengen die Gefäße und der Blutfluss zur Versorgung der Organe wird somit behindert. Dass an Atherosklerose erkrankte Blutgefäße und das Gehirn direkt über Nervenbahnen miteinander verbunden sind, hat der Biomediziner Dr. Sarajo Mohanta vom Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten (IPEK) am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) mit einem internationalen Team herausgefunden und damit einen Schlüssel zur ursächlichen Behandlung der Atherosklerose entdeckt. Für seine Ergebnisse ist Mohanta mit dem renommierten August Wilhelm und Lieselotte Becht-Forschungspreis der Deutschen Stiftung für Herzforschung (DSHF) in Höhe von insgesamt 15.000 Euro ausgezeichnet worden. „Das sind bahnbrechende Erkenntnisse, denn sie eröffnen bislang völlig neue Therapiestrategien, die Atherosklerose operativ und medikamentös ursächlich zu behandeln“, betont der Herzchirurg Prof. Armin Welz, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der DSHF. Die Forschungsarbeit von Mohanta et al. wurde im Frühjahr im Fachblatt „Nature“ publiziert. Rezeptoren in Arterien melden Plaques und Entzündungen ans Gehirn „Aus der Neuroimmunologie wussten wir bereits, dass Nerven- und Immunsystem eng miteinander verbunden sind“, erklärt der Biomediziner Mohanta, der seinen Master in Neurowissenschaften absolviert und die vielversprechende und umfassende Studie maßgeblich geleitet hat. Da sich bei erkrankten Blutgefäßen sowohl in der Adventitia als auch den Plaques weiße Blutkörperchen des Immunsystems sammeln und regelrechte Aggregate bilden, um Blutfette aufzunehmen, fragten sich der Forscher und sein Team, ob eine atherosklerotische Arterie direkt mit dem Nervensystem kommuniziert. „Diese Frage hatte sich bislang niemand gestellt, weil atherosklerotische Plaques nicht mit Nerven verbunden sind“, berichtet Mohanta. Tatsächlich haben die Münchner Forscher in der Adventitia der atherosklerotischen Arterien im Tiermodell Rezeptoren entdeckt, das sind eine Art molekulare Fühler, die erkennen, wo sich die Plaques und Entzündungen befinden und dies über elektrische Signale der Nervenbahnen über das Rückenmark ans Gehirn melden. Das Gehirn verarbeitet die Signale und sendet seinerseits Signale wiederum über das Rückenmark und periphere Nerven zurück in das erkrankte Blutgefäß. Bei der Rückmeldung aktiviert es allerdings auch das vegetative Nervensystem und signalisiert Stress. Die Folge: Es wandern noch mehr Immunzellen in die Adventitia ein. Die Entzündung und damit die Atherosklerose verschlechtert sich. Häufung von Nervenzellen in erkrankten Arterien Die Wissenschaftler haben die Entdeckungen zunächst an Mäusen, die an der fortgeschrittenen Gefäßerkrankung litten, gemacht und die in „Nature“ publizierten Ergebnisse in klinischen Untersuchungen von Patienten bestätigen können. „Ein weiteres Indiz dafür, dass zwischen den erkrankten Arterien und dem Gehirn intensiv über Nervenbahnen kommuniziert wird, ist die Tatsache, dass sich in der Außenwand erkrankter Blutgefäße sowohl im Tiermodell als auch bei Patienten zehnmal so viele Nervenzellen gefunden haben wie in gesunden Arterien“, erläutert der Becht-Forschungspreisträger Mohanta. Atherosklerose an der Ursache bekämpfen Dieser bislang vollkommen unbekannte Kommunikations-Kreislauf zwischen den Arterien und dem Gehirn habe eine immense Bedeutung für die allerdings noch in weiterer Zukunft liegende Behandlung der Atherosklerose, unterstreicht der Neurowissenschaftler. Denn weitere Versuche im Tiermodell, bei denen Forscher aus dem internationalen Team die Nervenbahn zwischen dem erkrankten Blutgefäß und dem Gehirn durchtrennten, haben gezeigt, dass die Plaques in den erkrankten Blutgefäßen daraufhin tatsächlich zurückgegangen sind. „Daraus können sich zahllose Behandlungsstrategien ergeben, die die Atherosklerose an der Ursache bekämpfen,“ sagt Mohanta. „Das kann aber noch dauern“. Als nächstes wollen der Wissenschaftler und sein Team weitere Rezeptoren an den erkrankten Blutgefäßen erkunden und den Faktor Stress im Krankheitsgeschehen der Gefäßerkrankung näher beleuchten.
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