Autoimmunreaktion bei Multiple Sklerose gezielt abstellen3. September 2026 Symbolbild © freshidea/stock.adobe.com UZH-Forschende haben eine Therapie gegen Multiple Sklerose entwickelt, die gezielt die fehlgeleitete Immunreaktion stoppen soll, ohne das Immunsystem als Ganzes zu unterdrücken. Eine erste klinische Studie zeigt, dass der Ansatz sicher und gut verträglich ist. Die chronisch-entzündliche Autoimmunkrankheit Multiple Sklerose (MS) betrifft besonders junge Erwachsene. Die Krankheitsmechanismen werden durch Immunzellen – vor allem T-Lymphozyten – ausgelöst. Zwar lässt sich MS bereits gut behandeln, doch unterdrücken alle zugelassenen Therapien das Immunsystem unspezifisch und haben teils erhebliche Nebenwirkungen. Immunsystem lernt Toleranz Ein Team von Forschenden der Universität Zürich (UZH), des Karolinska Institutes in Stockholm, und mehrerer anderer Kollaborationspartner hat nun erste Ergebnisse zu einer neuartigen Therapie der MS in einer klinischen Studie veröffentlicht: Der neue Ansatz nutzt körpereigene Erythrozyten, an die bestimmte Eiweißbestandteile gekoppelt werden, gegen die sich die fehlgeleitete Immunreaktion bei MS richtet. Nach der Rückgabe in den Körper werden diese Erythrozyten wie alternde rote Blutkörperchen vor allem in Leber und Milz aufgenommen und abgebaut. Dabei werden die gekoppelten Antigene dem Immunsystem auf eine Weise präsentiert, die Toleranz fördert. Das Immunsystem soll so lernen, diese körpereigenen Strukturen nicht mehr anzugreifen. Damit könnte die fehlgeleitete Immunreaktion bei MS gezielt gestoppt werden, ohne das Immunsystem als Ganzes zu unterdrücken. „Auf diesem Wege ließe sich die Autoimmunerkrankung sehr gezielt und ohne große Nebenwirkungen abstellen“, erklärt Erstautor Andreas Lutterotti, der die Studie an der Klinik für Neurologie der Universität Zürich und des Universitätsspitals Zürich geleitet hat. „Dieser Ansatz lässt sich auch auf viele andere der mehr als hundert Autoimmunerkrankungen anwenden.“ Generell haben Autoimmunerkrankungen in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen und betreffen mehr als fünf Prozent der Bevölkerung. Erster Schritt in die Klinik Die klinische Studie mit zehn Patientinnen und Patienten bestätigt die gute Verträglichkeit und Sicherheit der neuen MS-Therapie und zeigt den Autoren zufolge vielversprechende Wirkmechanismen auf. „Nach mehr als zwanzig Jahren Entwicklungsarbeit ist damit die erste klinische Hürde genommen, um die Therapie zu den Patientinnen und Patienten zu bringen“, bilanziert Letztautor Roland Martin vom Institut für Experimentelle Immunologie der UZH. Die weitere klinische Entwicklung ist jedoch sehr kostspielig und kann nicht mehr allein im akademischen Umfeld erfolgen. Deshalb haben die Forschenden das Biotechnologieunternehmen „Cellerys“ gegründet. In einer nächsten Studie soll die klinische Wirksamkeit der Therapie untersucht werden, sobald die dafür erforderliche Finanzierung gesichert ist. Das könnte Sie zum Thema Multiple Sklerose ebenfalls interessieren: Nachweis von Entzündungen des Sehnervs erlaubt frühere MS-Diagnosen Biomarker gibt Hinweise auf schleichendes Fortschreiten bei Multipler Sklerose
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