MOGAD: Bauanleitung für anti-MOG-Antikörper entschlüsselt

MOGAD ist eine Autoimmunerkrankung, bei der B-Zellen Antikörper gegen ein Glykoprotein der Myelinscheide produzieren. Symbolbild: peterschreiber.media/stock.adobe.com

Einem internationalen Forschungsteam ist es gelungen, den Bauplan der anti-MOG-Antikörper zu entschlüsseln, der bei der Krankheit MOG Antibody-associated Disease (MOGAD) zur Zerstörung der Myelinschicht in Neuronen führen kann.

Die Studie entstand in Zusammenarbeit des Universitätsklinikums Bonn (UKB) sowie der Universitäten Basel und Bonn mit der Yale School of Medicine und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). Die Forschenden sehen ihre Ergebnisse zur fehlgeleiteten Immunantwort, die jetzt im Fachjournal „Neurology Neuroimmunology & Neuroinflammation“ veröffentlicht sind, als Basis, um spezifische MOGAD-Therapien zu entwickeln.

MOG Antibody-associated Disease (MOGAD) ist eine Erkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise Antikörper produziert, die sich gegen das Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein (MOG) richten. Dadurch wird vermutlich die schützende Myelinschicht um Nervenzellen beschädigt, was zu Entzündungen im Zentralnervensystem führt. Doch bisher konnten die krankheitsbedingenden Mechanismen nur schwer untersucht werden, da der Aufbau der anti-MOG-Antikörper unbekannt war. Bei der Therapie ist es wichtig, die in Schüben auftretende Autoimmunerkrankung MOGAD, die Gehirn, Sehnerv und Rückenmark betreffen kann, von einer Multiplen Sklerose zu unterscheiden.

B-Zellen enthalten Bauanleitung für MOG-Antikörper

Dem internationalen Forschungsteam um Prof. Anne-Katrin Pröbstel vom UKB gelang es, aus dem Patientenblut MOG-reaktive B-Zellen zu identifizieren. Darin befand sich die genetische Anleitung für die anti-MOG-Antikörper. „Bereits anhand dieser konnten wir feststellen, dass MOG-Reaktivität in verschiedenen B-Zell-Subtypen vorhanden ist“, berichtet Dr. Nora Wetzel. Dr. Laila Kulsvehagen ergänzt: „Zum Beispiel gibt es B-Zellen, die von Anfang an spezifisch sind für MOG, während andere B-Zellen erst im Verlauf ihrer Reifung diese Reaktivität entwickeln.“ Die beiden Co-Erstautorinnen der Studie gehören zur Forschungsgruppe von Pröbstel.

Der genetische Code erlaubte es den Forschenden auch, die Antikörper im Labor herzustellen und ihre Funktionen zu testen. Dabei zeigte sich, dass die Antikörper verschiedene Mechanismen nutzen, um MOG-produzierende Zellen zu eliminieren. „Interessanterweise waren nicht alle MOG-Antikörper gleich effektiv darin, diese verschiedenen Mechanismen zu nutzen. Während dies einerseits auf die Bindungskapazität der Antikörper zurückzuführen war, vermuten wir, dass die strukturelle Interaktion des MOG-Antigens und des Antikörpers relevant ist, insbesondere für die Aktivierung der Abwehrkaskade“, so Pröbstel, geschäftsführende Direktorin des Zentrums für Neurologie am UKB, Mitglied im Exzellenzcluster ImmunoSensation2 der Universität Bonn und Forschungsgruppenleiterin am DZNE.

Diese Studie bestätigt vorhergehende Arbeiten, die sich mit Patientenseren und Gehirnautopsien beschäftigten, und bestärkt somit die Hypothese, dass die anti-MOG-Antikörper zur Krankheitsentstehung beitragen. Pröbstel unterstreicht: „Das neue Verständnis zum Ursprung der MOG-reaktiven B-Zellen und der Antikörper-Funktionen ist wichtig, um spezifische Therapien zu entwickeln.“