Bauchspeicheldrüsenkrebs: Forschende identifizieren Gerinnungsprotein als potenzielles Behandlungsziel16. März 2026 Melissa Fishel und ihre Mitarbeiter haben herausgefunden, dass die Verringerung eines von der Leber produzierten Gerinnungsproteins das Fortschreiten von Bauchspeicheldrüsenkrebs bremsen könnte. (Foto: © Tim Yates, IU School of Medicine) Die Reduktion eines in der Leber produzierten Gerinnungsfaktors, Fibrinogen, könnte das Wachstum von Pankreastumoren verlangsamen. Das berichten Forschende aus den USA im Journal „Gastroenterology“ aus Untersuchungen an Mausmodellen. In der Studie unter der Leitung von Prof. Melissa L. Fishel vom Indiana University Melvin and Bren Simon Comprehensive Cancer Center konnten die Wissenschaftler zeigen, dass eine Verringerung des Fibrinogenspiegels in Mausmodellen primäre duktale Adenokarzinome des Pankreas (PDAC) verkleinert. Auch ihre Fähigkeit zur Metastasierung in die Leber ließ sich damit verringern. Fibrinogen wird nach Verletzungen zu Fibrin gespalten und ist ein Hauptbestandteil von Blutgerinnseln. Es lagert sich auf Pankreastumoren ab und trägt zu deren Wachstum und dem Tumormilieu bei. „Es ist bekannt, dass Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs ein besonders hohes Risiko für Blutgerinnsel oder tiefe Venenthrombosen (TVT) aufweisen“, erläutert Fishel. „Wir wollten herausfinden, ob die an der Blutgerinnung beteiligten Proteine die Krankheit auslösen oder ein Nebenprodukt der Erkrankung sind.“ Fishel forscht am Herman B. Wells Center for Pediatric Research und ist Co-Leiterin des Forschungsprogramms „Krebsbiologie und Mikroumgebung“ am Melvin and Bren Simon Comprehensive Cancer Center. Bilder einer Tumorzellen unterstützenden Matrix unter Beteiligung von Fibrin Pankreaskarzinome sind bekannt für ihre dichte, fibrotische Mikroumgebung, die reich an tumorassoziierten Fibroblasten und einer Matrix aus Proteinen, darunter Fibrin, ist. Diese Fibroblasten werden rekrutiert und bilden eine Matrix, die die Tumorzellen stützt. In gesundem Pankreasgewebe fanden die Autoren der aktuellen Studie nur sehr geringe Hinweise auf Fibrinablagerungen, in Pankreastumorproben hingegen war Fibrin in großen Mengen vorhanden. Mithilfe zweier verschiedener Verfahren zur Reduktion von Fibrinogen in Mausmodellen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass die Tumore kleiner wurden und deutlich weniger Lebermetastasen bildeten. „Wenn kein Fibrin vorhanden war, beobachteten wir eine drastische Verkleinerung des Primärtumors sowie der Leberläsionen“, berichtet Fishel. „Wenn sich Bauchspeicheldrüsenkrebs in die Leber ausbreitet, ist die Prognose für den Patienten sehr schlecht. Daher fanden wir die Möglichkeit, die Tumorlast und die Metastasierung zu reduzieren, sehr interessant.“ Die Autoren der Studie nutzten verschiedene Tumorzellmodelle, darunter zwei, die aus Patientenproben der Indiana University (IU) gewonnen und von der Arbeitsgruppe für Bauchspeicheldrüsenkrebs des Melvin and Bren Simon Comprehensive Cancer Centers entwickelt wurden. Um festzustellen, ob Fibrin im Blutkreislauf zur Ausbreitung des Krebses beiträgt, verwendeten die Forscher auch Tumormodelle, die zu Metastasen in Leber oder Lunge führten, ähnlich wie bei menschlichen Patienten. Sie fanden keinen Unterschied im Wachstum von Metastasen mit oder ohne Fibrinogen. Dies deutet nach Auffassung der Wissenschaftler darauf hin, dass das Protein die Tumorzellen in der Bauchspeicheldrüse beeinflusst und so das Tumorverhalten und die Aggressivität verändert. „Das Fehlen von Fibrin im primären Pankreastumor verändert diese Tumorzellen so stark, dass sie entweder seltener die Bauchspeicheldrüse verlassen oder aus irgendeinem Grund keine Leberläsion bilden können“, erklärt Fishel. Vollständige Eliminierung des Proteins ist keine Option Da der Körper Fibrinogen benötigt, um übermäßige Blutungen zu verhindern, kann es laut Fishel aber keine Lösung sein, das Protein bei den Patienten vollständig zu eliminieren. „Da der Fibrinogenspiegel bei Bauchspeicheldrüsenkrebs erhöht ist, besteht das Ziel darin, ihn auf den Ausgangswert – nicht auf null – zu senken“, betont Fishel. „Wir glauben, dass dies klinisch umsetzbar wäre.“ Als nächsten Schritt wollen die Forschenden gegen Fibrinogen gerichtete Ansätze mit einer Chemotherapie oder neuartigen Therapien gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs kombinieren. Denn: Die Reduzierung von Fibrinogen in den Mausmodellen führte zwar zu einer Verzögerung des Krankheitsverlaufes, aber nicht zu einer Heilung. „Wir wollen nun herausfinden, welche Fibrin-Prozesse im Tumor aktiviert oder deaktiviert werden, um Behandlungen kombinieren und so deren Wirksamkeit steigern zu können“, erklärt Fishel. Mehr Aktuelles zum Pankreaskarzinom: Pankreaskarzinom: Experten definieren Oligometastasierung
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