Behandlung idiopathischer Extrasystolen: Erstmalige MR-gesteuerte Ablation im Menschen erfolgreich

Mediziner aus den Niederlanden testeten eine neue Methode, um gegen ventrikuläre Extrasystolen (engl. premature ventricular contractions) vorzugehen. (Symbolbild: iushakovsky/stock.adobe.com)

Weltweit erstmals führten Mediziner aus Amsterdam eine vollständig Magnetresonanz(MR)-gesteuerte Radiofrequenzablation symptomatischer ventrikulärer Extra­systolen im Menschen durch.

In „JAMA Cardiology“ berichtet das Team um Marco J. W. Götte vom Amsterdam University Medical Center (Niederlande) über den Erfolg des ersten Falles, den sie im Rahmen der andauernden nicht randomisierten klinischen Studie VISABL-VT bei einem 73-jährigen Mann vornahmen. Bei diesem war die Methode sicher und komplikationslos durchführbar und ging mit einer vollständigen Unterdrückung der Ektopie einher.

Strahlungsfreie, aber genaue Bildgebung

Die Echtzeit-MR-gesteuerte Ablation soll als Alternative zu den derzeitigen Techniken basierend auf Fluo­roskopie und elektroanatomischer Kartierung dienen, welche nur begrenzte Details des Weichgewebes liefern und Patienten und Personal ionisierender Strahlung aussetzen. Im Gegensatz dazu ermöglicht die MR-gesteuerte Ablation eine direkte Visua­lisierung der Herzanatomie, des Substrats und der Läsionsbildung in einer strahlungsfreien Umgebung, wie die Autoren erläutern.

Den Eingriff und die Analyse führten die Studienärzte im April 2025 in einem akademischen Tertiär­versorgungszentrum durch. Dieses war mit einem standard­mäßigen 1,5-T-MRT-Gerät sowie mit weiteren notwendigen MR-kompatiblen Gerätschaften ausgestattet. Dazu gehörten eine spezielle Elektro­physiologieplattform, ein 12-Kanal-EKG-Überwachungs- und Aufzeichnungssystem, ein Defibrillator und eine in den MRT-Scanner integrierte Echtzeit-Katheterver­folgung für synchronisierte Bild­gebung und Ablation.

Extrasystolen vollständig unterdrückt

Der Patient war ein 73-jähriger Mann mit symptomatischen, medikamentenresistenten VES im Ausflusstrakt. Die Ablation wurde unter Vollnarkose im MRT durchgeführt. Die Forschenden verwendeten intra­prozedural aufgenommene, nicht kontrastierte 3D-MR-Angiographiebilder, um eine anatomische Roadmap für den Eingriff zu erstellen. Die Echtzeit-Katheterverfolgung und Aktivierungskartierung nahmen sie mit aktiv verfolgten Diagnose- und Ablationskathetern vor.

Über die Kartierung identifizierten sie die früheste Aktivierung zunächst im hinteren Septum des rechtsventrikulären Ausflusstraktes, wo die Ablation die VES vorübergehend unterdrückte. Die Ektopie trat erneut auf, wurde aber schließlich durch eine Ablation über einen retro­graden Aortenansatz in der linken Koronarklappe behoben.

Götte und Kollegen bestätigten die Läsionsbildung durch ein MRT nach dem Eingriff. Ihnen zufolge konnte der Eingriff ohne Komplikationen durchgeführt werden. Zudem seien die VES vollständig unterdrückt worden, ohne dass es während der 30-minütigen Beobachtungszeit oder bei der Nachuntersuchung nach zwei Monaten zu einem Wiederauftreten kam. „Weitere Erkenntnisse aus der VISABL-VT-Studie werden Aufschluss über den klinischen Nutzen und die Langzeitergebnisse geben“, resümieren sie.

(ah/BIERMANN)