Bei adipösen Männern mit Hypogonadismus bleibt Gewichtsabnahme die wichtigste Erstmaßnahme

Gewichtsreduktion ist das erste Mittel der Wahl bei hypogonadalen, adipösen Männern. Foto: Yakobchuk Olena – stock.adobe.com

Ein aktueller Review im hoch angesehenen „Journal of the American Medical Association“ (JAMA) bietet eine Übersicht über die Diagnostik und die zeitgemäße Therapie beim Hypogonadismus erwachsener Männer.

Wie Erstautor Bradley D. Anawalt von der Universität des US-Bundesstaates Washington und seine Coautoren referieren, ist der männliche Hypogonadismus durch Anzeichen und Symptome eines Testosteronmangels sowie durch anhaltend niedrige Testosteronkonzentrationen im Serum am Morgen gekennzeichnet. Die Prävalenz eines Hypogonadismus aufgrund von Erkrankungen des Hypothalamus, der Hypophyse oder der Hoden liegt bei unter einem Prozent, während die Prävalenz bei Adipositas (BMI ≥30) zwischen zwei und acht Prozent beträgt.

Primärer und sekundärer Hypogonadismus

Der primäre Hypogonadismus ist durch eine unzureichende Testosteronproduktion in den Hoden trotz erhöhter Konzentrationen des luteinisierenden Hormons (LH) gekennzeichnet. Die häufigste Ursache für einen primären Hypogonadismus ist das Klinefelter-Syndrom. Ein sekundärer Hypogonadismus entsteht hingegen durch eine Funktionsstörung des Hypothalamus oder der Hypophyse und ist durch niedrige Testosteronkonzentrationen sowie niedrige oder unangemessen normale Konzentrationen von LH und follikelstimulierendem Hormon (FSH) charakterisiert.

Die häufigsten dauerhaften Ursachen für einen sekundären Hypogonadismus sind Bestrahlungen im Kopf-Hals-Bereich sowie schwere Schädel-Hirn-Traumata. Jedoch gibt es auch potenziell reversible Ursachen, nämlich Adipositas, schwere Erkrankungen und die Einnahme bestimmter Medikamente (Opioide, Kortikosteroide, Checkpoint-Inhibitoren sowie Medikamente, die eine Hyperprolaktinämie auslösen).

Welche Diagnostik nötig ist

Die Autoren betonen, dass eine Untersuchung auf Hypogonadismus auf Männer mit Anzeichen und Symptomen eines Androgenmangels beschränkt bleiben sollte. Die Diagnose eines Hypogonadismus gilt als gesichert, wenn die Testosteronkonzentration im Serum in mindestens zwei Nüchternproben – entnommen zwischen 7:00 und 10:00 Uhr und gemessen mit einem präzisen, extern qualitätskontrollierten Testverfahren – unter 264 bis 300 ng/dl liegt.

Bei Männern mit Adipositas, Diabetes oder anderen Erkrankungen, die zu niedrigen Serumkonzentrationen des Sexualhormon-bindenden Globulins (SHBG) führen, sei die Bestimmung des berechneten freien Testosterons (basierend auf den Konzentrationen von Gesamttestosteron und SHBG) erforderlich. Bei Patienten mit diagnostiziertem Hypogonadismus sollten die FSH- und LH-Serumkonzentrationen bestimmt werden, um zwischen primärem und sekundärem Hypogonadismus zu unterscheiden.

Testosteronanstieg schon bei Abnahme um fünf Prozent

Die Gewichtsabnahme ist für Männer mit adipositasbedingtem Hypogonadismus die Therapie der ersten Wahl, denn schon eine Gewichtsabnahme von mindestens fünf Prozent führt zu einem signifikanten Anstieg der Gesamttestosteronkonzentration im Serum; zudem geht die Gewichtsabnahme mit einer Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit, der Libido und der erektilen Funktion einher.

Männer mit permanentem Hypogonadismus oder solche, die Medikamente, welche einen Hypogonadismus verursachen, nicht absetzen können, können mit Testosteron behandelt werden. Die Wahl der Testosteron-Darreichungsform (Injektion, Gel oder Tablette) und die Dosierung sollten individuell festgelegt werden. Die Autoren weisen darauf hin, dass hierbei die Serum-Testosteronkonzentration, der Hämatokritwert und ggf. PSA überwacht werden müssen.

(ms/BIERMANN)

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