Erfolg mit individualisierter Radioligandentherapie bei fortgeschrittenem mCRPC

Samer Ezziddin, Professor für Nuklearmedizin an der Universität des Saarlandes. (Foto: © Thorsten Mohr)

Eine individuell angepasste PSMA-Radioligandentherapie kann auch bei Patienten mit weit fortgeschrittenem Prostatakrebs wirksam und gut verträglich eingesetzt werden. Dies zeigt eine aktuelle Studie mit 227 Patienten.

In den vergangenen Jahren hat sich die PSMA-Radioligandentherapie zu einer der wichtigsten Innovationen in der Behandlung des metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (mCRPC) etnwickelt. Dabei wird eine radioaktives Isotop, in diesem Fall Lutetium-177, über das Prostataspezifische Membran-Antigen (PSMA) gezielt zu den Tumorzellen transportiert und bestrahlt diese von innen.

Doch manche Patienten sind hierfür normalerweise schon „zu krank“, berichtet Prof. Samer Ezziddin von der Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum des Saarlandes: „Die bislang etablierten Behandlungen sehen jedoch weitgehend feste Dosierungen vor. Viele Patienten mit eingeschränkter Organfunktion oder in schlechterem Allgemeinzustand erfüllen die Kriterien großer klinischer Studien nicht und können daher häufig nicht von dieser Therapie profitieren.“

Kriterien für die individuelle Dosierung

Die Homburger Wissenschaftler um Ezziddin verfolgen deshalb einen anderen Ansatz: In der nun vorgelegten Studie haben sie besonders schwer behandelbare Patienten mit individuellen Dosierungen therapiert, obwohl die bisherigen Leitlinien lediglich eine einheitliche Dosierung vorsehen. Dabei flossen unter anderem Nierenfunktion, Blutbild, Tumorlast, Krankheitsdynamik und klinischer Zustand in die Dosierungsentscheidung ein.

Die Studie basiert auf Daten des REALITY-Registers der Klinik für Nuklearmedizin. Nach Angaben der Klinik handelt es sich um die bislang größte monozentrische Studie dieser Art weltweit. Die untersuchten Patienten gehörten zu einer besonders anspruchsvollen Gruppe: Alle hatten bereits eine Chemotherapie erhalten, fast alle litten unter Knochenmetastasen, jeder dritte Patient wies zusätzlich Metastasen in inneren Organen auf. „Wir sind also mit unserer Patientengruppe sehr viel näher am klinischen Alltag als viele kontrollierte Studien“, erläutert der Wissenschaftler.

50-prozentige PSA-Reduktion bei mehr als der Hälfte

Trotz der ungünstigen Ausgangssituation sprachen viele der insgesamt 227 Patienten auf die Behandlung an. Bei knapp zwei Dritteln sank der PSA-Wert bereits nach dem ersten Therapiezyklus. Mehr als die Hälfte der Patienten erreichte im Verlauf eine PSA-Reduktion von mindestens 50 Prozent. Der Median des Gesamtüberlebens lag bei 14,5 Monaten und damit in einer Größenordnung, die mit den Ergebnissen großer internationaler Studien vergleichbar ist.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich die PSMA-Radioligandentherapie durch eine individuelle Anpassung auch bei Patienten erfolgreich einsetzen lässt, die im Praxisalltag oft als besonders herausfordernd gelten. Gerade für diese Menschen eröffnet sich damit eine zusätzliche therapeutische Perspektive“, sagt Ezziddin. „Bei einer höheren Tumorlast ist also auch eine viel höhere Dosis möglich, als die bisherigen Richtlinien vorsehen. Damit können wir den Tumor effektiver in Schach halten und die Dosis später verringern, um so die Nebenwirkungen zu vermeiden.“ Eine Strategie, die aufging: Die Behandlung erwies sich als gut verträglich, schwerwiegende Nebenwirkungen waren selten.

„Grenzen bisheriger Standardkonzepte erweitern“

„Die Zukunft der Radioligandentherapie liegt in einer möglichst präzisen Anpassung an die individuelle Situation jedes einzelnen Patienten. Unsere Daten legen nahe, dass wir damit die Grenzen bisheriger Standardkonzepte erweitern können, ohne Abstriche bei der Sicherheit machen zu müssen“, so Ezziddins Schlussfolgerung.

Die Autoren betonen, dass weitere Studien erforderlich sind, um den Nutzen individualisierter Dosierungsstrategien im direkten Vergleich zu Standarddosierungen nachzuweisen. Die jetzt veröffentlichten Daten zeigen jedoch ihrer Ansicht nach, dass ein solcher Ansatz bereits heute das Potenzial besitzt, die Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs zu erweitern.

(ms/BIERMANN)

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