Bei schwerer Pneumonie kann kurzfristige Cortisontherapie Beatmung und Tod verhindern31. März 2023 Abbildung: © Zerbor/stock.adobe.com Die Wahrscheinlichkeit, wegen einer schweren, ambulant erworbenen Pneumonie (CAP) invasiv beatmet werden zu müssen und daran zu versterben, kann mit einer kurzfristigen Hydrocortison-Infusion erheblich gesenkt werden. Das hat eine aktuell veröffentlichte Studie des französisch-belgischen Wissenschaftler-Netzwerks Clinical Research in Intensive Care and Sepsis – Trial Group for Global Evaluation and Research in Sepsis (CRICS-TriGGERSep) ergeben. Darin wurden 800 Intensivpatienten untersucht, die wegen einer CAP zusätzlich zur Standardtherapie mit Antibiotika und unterstützenden Maßnahmen 200 mg Hydrocortison täglich für – je nach Krankheitsverlauf – vier bis acht Tage oder ein Placebo erhalten hatten. Anschließend wurde die Cortisontherapie über einen Zeitraum von acht beziehungsweise 14 Tage ausgeschlichen. Deutlich weniger Patienten sterben, Intubation seltener erforderlich Nach vier Wochen waren in der Hydrocortisongruppe deutlich weniger Patienten verstorben als in der Placebogruppe (6,2% vs. 11,9%). Auch mussten in der Hydrocortisongruppe weniger Patienten intubiert werden als in der Placebogruppe (18% vs. 29,5%). Mit Cortison benötigten die Patienten zwar mehr Insulin zur Senkung ihrer Blutzuckerwerte in der ersten Behandlungswoche, das Risiko von gastrointestinale Blutungen oder von in der Klinik erworbenen Infektionen war aber im Vergleich zur Placebogruppe nicht erhöht. Erheblicher Nutzen überwiegt deutlich die Nebenwirkungen „Wenn es wie bei einer schweren CAP zu massiven Entzündungsreaktionen im Lungengewebe kommt, ist Cortison unbestritten das wirksamste, antientzündlich wirkende Medikament, das wir zur Verfügung haben – und damit ein Lebensretter, mit dem sich die entzündlichen Prozesse effektiv unterdrücken lassen“, betont Dr. Thomas Voshaar, Vorstandsvorsitzender des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK) und Chefarzt des Lungenzentrums am Krankenhaus Bethanien in Moer. Er ergänzt: „Hinsichtlich möglicher, umfangreicher Nebenwirkungen von Cortison muss dessen Einsatz freilich immer kritisch abgewogen werden. Neben der Anwendungsform (als Spritze, in Form von Tabletten oder inhalativ) hängt das Ausmaß unerwünschter Nebenwirkungen ganz entscheidend auch von der eingesetzten Dosis, Anwendungshäufigkeit und Therapiedauer des gewählten Cortisonpräparats ab.“ Einmalig und nur für kurze Dauer eingesetzt kann Cortison – wie die Studie belegt – das Risiko, intubiert werden zu müssen und im Krankheitsverlauf zu sterben, effektiv senken und hat dabei im Vergleich zu anderen Substanzen ähnlich starker Wirkung sogar eine niedrigere Nebenwirkungsrate.
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