Bereitschaft zum Nikotinverzicht in England hat abgenommen

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Eine über zehn Jahre von Forscher des University College of London (UCL) durchgeführte Studie mit 41.610 Rauchern in England hat ergeben, dass Raucher heute weniger Anzeichen von Abhängigkeit aufweisen als noch vor einem Jahrzehnt. Allerdings, so ein weiteres Ergebnis der Untersuchung, sind Raucher in England heute auch weniger geneigt, mit dem Rauchen aufzuhören.

So konsumieren Raucher weniger Zigaretten pro Tag (durchschnittlich 10,9 im Jahr 2017 gegenüber 13,6 im Jahr 2008) und rauchen weniger innerhalb einer Stunde nach dem Aufwachen. Der Anteil derjenigen, die nicht täglich rauchen, ist von 9,1 auf 13,4 Prozent gestiegen. Dies steht im Widerspruch zu der weit verbreiteten Ansicht, dass die verbliebenen Raucher mit sinkender Nikotinkonsumprävalenz abhängiger werden. Der Anteil der Raucher, die im vergangenen Jahr versucht haben, mit dem Rauchen aufzuhören, ist von 37 auf 29,9 Prozent gesunken.

Weitere interessante Ergebnisse sind, dass der Anteil des Konsums selbstgedrehter Zigaretten dramatisch von 35,3 auf 50,7 Prozent gestiegen ist. Der Anteil derjenigen Raucher, die versuchen, ihren Konsum zu reduzieren ist von 56,1 auf 47,9 Prozent zurückgegangen.

Überraschenderweise scheint der Anteil der Raucher in gering bezahlten Beschäftigungsverhältnissen und handwerklichen Berufen nicht zugenommen zu haben. Dies deutet darauf hin, dass Englands Ansatz zur Reduktion der Nikotinkonsumprävalenz in unterschiedlichen Berufsgruppen gleichermaßen erfolgreich war. Es seien jedoch weitere Maßnahmen erforderlich, so die Studienautoren, um die immer noch bestehenden Ungleichheiten zu reduzieren: So lag der Anteil von Personen aus gering bezahlten Beschäftigungsverhältnissen und handwerklichen Berufen im Jahr 2008 bei 61,7 Prozent und 2017 immer noch bei 61,6 Prozent.

Die Hauptautorin der Studie, Dr. Claire Garnett (Department of Behavioral Science & Health der UCL), kommentiert die Studienergebnisse folgendermaßen: „Der Rückgang des Anteils der Raucher, die versuchen, den Nikotinkonsum aufzugeben oder zu reduzieren, bildet einen besorgniserregenden Trend ab. Dieser ist möglicherweise zurückzuführen auf Haushaltskürzungen, die die Tabakkontrolle betreffen, einschließlich des Einsatzes von Massenmedien und der Bereitstellung von Einrichtungen, die Hilfestellung beim Nikotinverzicht bieten. Es ist bekannt, dass derartige Maßnahmen wirksam sind, und an dieser Stelle zu sparen, ist falsch.“

Kruti Shrotri, verantwortlich für das Tabakkontroll-Programm bei Cancer Research UK, sagt: „Es ist besorgniserregend, dass Raucher heute weniger motiviert sind, mit dem Rauchen aufzuhören als vor einem Jahrzehnt. Kampagnen in den Massenmedien, wie Stoptober und January Health Harms sind von entscheidender Bedeutung, um die Menschen dazu zu bewegen, mit dem Rauchen aufzuhören. Es ist hier jedoch in den vergangenen Jahren zu erheblichen Budgetkürzungen gekommen. Die Regierung muss mehr in diese Gesundheitskampagnen investieren, um Leben vor Krebserkrankungen zu schützen, die hätten verhindert werden können.“