Kinder mit OSA: Erhöhtes Risiko für Grippe und COVID-195. März 2026 Foto: forma82/stock.adob.com Unabhängig von Alter und Gewicht haben Kinder mit Obstruktiver Schlafapnoe (OSA) ein doppelt so hohes Risiko, an Grippe oder COVID-19 zu erkranken, wie gesunde Kinder – auch nach Adenotonsillektomie. Eine neue Studie unter der Leitung von Dr. Alex Gileles-Hillel, Dr. Joel Reiter von der Medizinischen Fakultät der Hebräischen Universität Jerusalem und Kinderpneumologen des Hadassah Medical Center sowie Dr. David Gozal von der Marshall University hat einen signifikanten Zusammenhang zwischen OSA bei Kindern und einer erhöhten Anfälligkeit für Virusinfektionen aufgedeckt. Die im „Journal of Clinical Sleep Medicine veröffentlichte Studie legt nahe, dass Kinder mit OSA etwa doppelt so häufig an Grippe oder COVID-19 erkranken wie Kinder mit normalem Schlaf. Für die Autoren legen ihre Ergebnisse nahe, dass eine Schlafapnoe-Diagnose als wichtiger Risikofaktor dienen sollte. Zudem unterstreiche die Studie, dass regelmäßige saisonale Impfungen zur Vorbeugung schwerer Atemwegskomplikationen notwendig sind, so das Fazit der Autoren. Der Zusammenhang zwischen Schlaf und Immunität OSA ist zwar bekannt für Schnarchen und Tagesmüdigkeit, doch vermuten Forscher schon lange, dass sie auch das Immunsystem beeinträchtigt. In dieser Studie wurden die Daten der globalen Gesundheitsdatenbank TriNetX genutzt, um über eine Million Kinder im Alter von zwei bis 18 Jahren über einen Zeitraum von fünf Jahren zu beobachten. Das Autorenteam verglich zwei gemachte Kohorten, die jeweils 539.127 Kinder umfassten. Im Median waren die Kinder 5,6 ± 3,6 Jahre alt. Influenza wurde bei 5,1 Prozent der Kinder mit OSA gegenüber 2,8 Prozent der Kinder der Kontrollgruppe diagnostiziert (RR 1,80; 95 %-KI 1,765–1,836). Das Fünf-Jahres-Überleben ohne Influenza betrug 90,27 Prozent in der OSA-Gruppe gegenüber 93,04 Prozent in der Kontrollgruppe (HR 1,45; 95 %-KI 1,421–1,479). COVID-19 wurde bei 2,5 Prozent der Kinder mit OSA diagnostiziert, aber nur bei einem Prozent der Kinder der Kontrolle (RR 2,496; 95 %-KI 2,418–2,576). Das Fünf-Jahres-Überleben ohne COVID-19 lag bei 95,02 gegenüber 97,49 Prozent (HR 1,986; 95 %-KI 1,924–2,050). Kinder mit OSA erkrankten demnach 2,5-mal häufiger an COVID-19 als Kinder ohne Schlafapnoe. Kinder mit OSA: Höheres Risiko für schwere Verläufe Bezüglich des Alters konnten die Autoren kaum Unterschiede feststellen: Die Effekte waren in allen Altersgruppen vergleichbar. Wie eine Subgruppenanalyse (n = 96.004 pro Gruppe) ergab, reduzierte eine Adenotonsillektomie das Grippe- bzw. COVID-19-Risiko nicht. Allerdings war OSA auch mit einem höheren Risiko für Lungenentzündungen durch Influenza oder COVID-19 assoziiert. Das konnten Sekundäranalysen zeigen. Die Forscher vermuten, dass diese Anfälligkeit auf eine Fehlregulation des Immunsystems zurückzuführen ist. Gileles-Hillel merkte an: „Die Fehlregulation des angeborenen und adaptiven Immunsystems bei Kindern mit OSA könnte sowohl die erhöhte Anfälligkeit für Virusinfektionen als auch die schwereren Symptome erklären, die eine ärztliche Behandlung erforderlich machen.“ Warum eine Operation möglicherweise nicht ausreicht Viele Eltern entscheiden sich für eine Adenotonsillektomie, um die Schlafapnoe ihres Kindes zu behandeln. Die Studie ergab jedoch, dass dieser Eingriff das Infektionsrisiko nicht signifikant senkte. Gozal erklärte, dass dieses Ergebnis „zwei klinische und pathophysiologische Beobachtungen widerspiegeln könnte“. Erstens leidet ein signifikanter Anteil der Kinder nach dem Eingriff weiterhin unter Schlafapnoe. Zweitens ergänzte er, dass eine durch OSA bedingte Immunfehlregulation eine adäquate Immunantwort beeinträchtigen könnte. „Wir arbeiten aktiv daran, diese immunbedingte Anfälligkeit besser zu verstehen“, betonte Gozal. Ein Risikomarker für die Prävention für Kinder mit OSA Reiter betonte, dass Schlafapnoe als praktischer Hinweis für präventive Gesundheitsmaßnahmen betrachtet werden sollte. Da Kinder mit OSA ein höheres Risiko haben, sich mit saisonalen Viren anzustecken und Komplikationen zu erleiden, unterstützt die Forschung die Priorisierung dieser Kinder bei jährlichen Impfungen. Gileles-Hillel fügt hinzu: „Die Einstufung von OSA als ‚Risikomarker‘ kann dazu beitragen, Bedenken bei der routinemäßigen pädiatrischen Beratung abzubauen.“ Ähnlich wie bei anderen Atemwegserkrankungen (z. B. Asthma) sollten Ärzte bei der Diagnose einer Schlafapnoe die Impfung gegen die saisonale Grippe priorisieren. (ja/BIERMANN)
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