Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte kritisiert neue Still-Leitlinie25. Februar 2026 Der Einführungszeitpunkt für Beikost ist nach wie vor umstritten. (Foto: © Ramona Heim – stock.adobe.com) Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (BVKJ) befürwortet das Stillen als optimale Form der Säuglingsernährung ausdrücklich, hat aber Bedenken gegenüber den in der neuen Leitlinie zum Stillen getroffenen Empfehlungen. „Mit der neuen Leitlinie weichen wir jetzt nicht nur von bisher gültigen gut begründeten Empfehlungen in Deutschland ab, sondern begeben uns in einen Widerspruch mit den konsentierten Empfehlungen der meisten europäischen Länder. Eine ausreichende Evidenzbasis für einen so weit gehenden Schritt besteht nach unserer Überzeugung nicht, da gemäß der GRADE-Methodik die Evidenz für ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten nur als sehr niedrig bewertet wurde. Änderungen hätten hochwertigere populationsbezogene Studien aus industrialisierten Ländern bedurft“, erklärte Dr. Stefan Trapp, Vizepräsident des BVKJ. Die neue S3-Leitlinie empfiehlt, reifgeborene Kinder in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich oder überwiegend zu stillen. Die Gesamtstilldauer sollte darüber hinaus mindestens zwölf Monate betragen (wir berichteten). Dr. Anke Steuerer, Vizepräsidentin des BVKJ, ergänzt, dass „die starre Empfehlung, erst ab dem siebten Lebensmonat Beikost zu füttern“, der individuellen Entwicklung der Säuglinge nicht gerecht werde. Manche Kinder seien bereits im fünften Monat bereit für den Beikostbeginn – dieser sollte ihnen dann auch nicht vorenthalten werden. „Wir bedauern, dass durch die strikte Regelung unnötiger psychosozialer Druck auf Familien ausgeübt wird und eine erhebliche Verunsicherung in den Familien entsteht. Zusätzlich werden in der neuen Leitlinie die aktuellen Lebenswirklichkeiten der Familien in Deutschland und die Versorgung der Kinder mit Mikronährstoffen wie Vitamin B12 bei nicht ausreichender Beikostgabe nicht angemessen berücksichtigt.“ Still-Empfehlungen widersprechen Empfehlungen zur Allergieprävention Zudem sei die Empfehlung, in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich zu stillen, im Sinne der Allergieprävention kontraproduktiv und stehe in Widerspruch zu den Empfehlungen der AWMF-S3-Leitlinie „Allergieprävention“, monierte Dr. Irena Neustädter, Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA). Diese empfiehlt, abhängig von der Bereitschaft des Säuglings, mit der Fütterung von Beikost frühestens ab Beginn des fünften und spätestens ab Beginn des siebten Lebensmonats zu beginnen. Auch der BVKJ verweist ausdrücklich auf die Formulierung seines der Leitlinie angefügten Sondervotums. Darin empfiehlt der Verband eine Formulierung, die dem Wortlaut der S3-Leitlinie ‚Allergieprävention‘ entspricht: „Für den Zeitraum der ersten vier bis sechs Monate soll nach Möglichkeit ausschließlich gestillt werden. Auch mit Einführung von Beikost soll weitergestillt werden.“ Eigenen Angaben zufolge hatte der BVKJ bereits im Vorfeld Bedenken gegenüber der neuen AWMF-Leitlinie „Stilldauer und Stillintervention“ (AWMF LL 027-072) geäußert, da in ihr nach Überzeugung des Verbandes mehrere zentrale Aspekte aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht keineswegs hinreichend abgesichert oder konsistent dargestellt sind.
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