Besser mit als ohne: Hörgeräte wirken positiv auf Sozialleben und Wohlbefinden

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Hörgeräte und Cochlea-Implantate machen Menschen mit Hörverlust geselliger und selbstbewusster, außerdem verbessern sie ihr allgemeines Wohlbefinden. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfangreiche US-amerikanische Übersichtsarbeit.

Die Studie – erschienen in „JAMA Otolaryngology – Head and Neck Surgery“ – kominiert Meta-Analyse und systematisches Review. Sie zeigt erstmals einen Zusammenhang zwischen Hörgeräten beziehungsweise Cochlea-Implantaten und einem verbesserten Sozialleben bei Erwachsenen mit Hörverlust.

„Wir fanden heraus, dass Erwachsene mit Hörverlust, die Hörgeräte oder Cochlea-Implantate benutzten, sozial engagierter waren und sich weniger isoliert fühlten als diejenigen, die sie nicht benutzten“, fasste Studienleiterin Janet Choi, MD, MPH, HNO-Ärztin bei Keck Medicine of USC (University of Southern California), die Studienergebnisse zusammen. Demnach könnten Hörgeräte dazu  beitragen, soziale Isolation und weitere mögliche Gesundheitsfolgen eines unbehandelten Hörverlust zu verhindern.

Bereits frühere Arbeiten hatten gezeigt, dass sozialer Rückzug im Laufe der Zeit die geistige Stimulation verringern und das Risiko von Einsamkeit, Angst, Depression, kognitivem Abbau und Demenz erhöhen kann. Außerdem wurde ein Zusammenhang zwischen chronischer sozialer Isolation und biologischen und neurologischen Veränderungen hergestellt, einschließlich verstärkter Gehirnentzündungen und Veränderungen der Gehirnstruktur.

Wirken Hörgeräte und Cochlea-Implantate gegen soziale Isolation?

„Es ist wichtig, den Zusammenhang zwischen Hörverlust, Hörgerätenutzung und sozialer Isolation zu verstehen“, betont Choi. „Bis zu dieser Studie war unklar, ob Hörgeräte dazu beitragen könnten, die Isolation aufzuheben.“

In ihre systematische Übersicht schlossen Choi und ihre Kollgen 65 zuvor veröffentlichten Studien mit mehr als 5911 Teilnehmern ein, 35 davon mit 2664 Teilnehmern flossen in die Meta-Analyse ein. Im Fokus stand die Frage, wie sich Geräte zur Hörrehabilitation (Hörgeräte, Cochlea-Implantate, Knochenleitungshörgeräte, Schallverstärker) auf drei wichtige Messgrößen auswirken: soziale Lebensqualität, wahrgenommene soziale Einschränkung, die sich auf die Einschränkungen und Frustrationen aufgrund von Hörverlust in sozialen Situationen bezieht und Einsamkeit.

Wie die Studie ergab, war die Verwendung von Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten im Allgemeinen mit besseren sozialen Ergebnissen verbunden – einschließlich einer höheren sozialen Lebensqualität (QoL) und einer geringeren wahrgenommenen sozialen Einschränkung und Einsamkeit.

Besser Hören sorgt für höhere soziale Lebensqualität

Die Meta-Analyse konnte zeigen, dass sowohl die Verwendung von Hörgeräten als auch von Cochlea-Implantaten mit höheren sozialen QoL-Werten im Vergleich zur Ausgangs- oder Kontrollgruppe verbunden war (Standardisierte Mittelwertdifferenz [SMD], 1,22; 95 %-Konfidenzintervall [KI], 0,88–1,57). Die Nutzung eines Hörgeräts war mit einer moderaten Verbesserung der sozialen LQ verbunden (SMD, 0,62; 95 %-KI, 0,13–1,10).

Cochlea-Implantate waren bei Personen mit mittlerem bis hochgradigem Hörverlust und begrenztem Nutzen von Hörgeräten mit einer größeren Verbesserung der sozialen QoL assoziiert (SMD, 1,37; 95 %-KI, 1,01–1,74). Die Studie belegt zudem einen Zusammenhang zwischen Hörrehabilitation und einer geringeren wahrgenommenen sozialen Beeinträchtigung (SMD, -3,41; 95 %-KI, -5,16 bis -1,65). Die Ergebnisse der Meta-Analyse zur Einsamkeit waren aufgrund der begrenzten Anzahl von Studien nicht schlüssig.

Sozial stärker eingebunden und weniger eingeschränkt

Insgesamt zeigen die Studienergebnisse, dass Erwachsene mit Hörgeräten sich sozial stärker eingebunden und in sozialen Situationen weniger eingeschränkt fühlen. Sie sind etwa besser in der Lage, sich an Gruppengesprächen zu beteiligen und fühlen sich in lauten oder schwierigen Hörumgebungen wohler.

Die Teilnehmer berichteten auch, dass sie sich durch ihren Hörverlust sozial weniger beeinträchtigt fühlten, weniger Barrieren hatten und Interatkionen sie in geringerem Ausmaß frustrierten. Auch konnten sie sich besser beteiligen, ohne sich ausgeschlossen zu fühlen. Dieses gestärkte Selbstvertrauen könne den Hörgerätenutzern helfen, leichter Kontakte zu Familie, Freunden und Kollegen zu knüpfen, was zu einem stärkeren Gefühl der Zugehörigkeit und weniger sozialen Ängsten führt, so Choi.

Stärkere Verbesserung mit Cochea-Implantat

Teilnehmer mit Cochlea-Implantaten berichteten über eine stärkere Verbesserung ihrer sozialen Lebensqualität als Teilnehmer, die Hörgeräte tragen. Das liegt dem Autorenteam zufolge wahrscheinlich daran, dass Cochlea-Implantate das Gehör besser wiederherstellen als Hörgeräte ‒ vor allem bei stärkerem Hörverlust. Infolgedessen kann sich das soziale Engagement der Betroffen nach der Wiederherstellung ihres Hörvermögens deutlich verbessern.

Inwieweit ein besseres Sozialleben mit verbesserten kognitiven Ergebnissen zusammenhängt, war nicht Gegenstand der Studie. Trotzdem glaubt Choi, dass es einen Zusammenhang geben könnte: Frühere Arbeiten konnten belegen, dass der Umgang mit Hörverlust der Schlüssel zur Reduzierung des Risikos von kognitivem Abbau und Demenz sein kann.

Hörgesundheit beeinflusst allgemeines Wohlbefinden

„In unserer Studie wurden die kognitiven Ergebnisse zwar nicht direkt gemessen, aber die Verbesserungen, die wir bei der Kommunikation und dem sozialen Engagement gesehen haben, deuten darauf hin, dass Hörgeräte durch die Wiederherstellung einer klareren Kommunikation dazu beitragen können, die kognitive Gesundheit zu erhalten, indem sie das Gehirn aktiver einbeziehen und die Menschen besser vernetzt halten“, erläuterte Choi.

Eine frühere Studie von Choi aus dem Jahr 2024 hat ergeben, dass Erwachsene mit Hörverlust, die Hörgeräte nutzen, ein um fast 25 Prozent geringeres Mortalitätsrisiko haben. Das wies bereits darauf hin, dass die Behandlung von Hörverlust sowohl die Lebenserwartung als auch die soziale Lebensqualität verbessern kann.

„Diese neuen Erkenntnisse ergänzen eine wachsende Zahl von Forschungsergebnissen, die zeigen, dass die Gesundheit des Gehörs eng mit dem allgemeinen Wohlbefinden verbunden ist“, ordnet Choi die Studienergebnisse ein. Sie hoffe damit Menschen zu ermutigen sich behandeln zu lassen. (ja/BIERMANN)