Bessere Versorgung mit neuer Medikamenten-App21. Juni 2017 © Antonioguillem – fotolia.com Unerwünschte Effekte von Medikamenten sind ein großes Problem bei der Behandlung alter Menschen. Pharmakologen der Universität Heidelberg haben gemeinsam mit Geriatern eine App entwickelt, die Ärzten untaugliche und nachweislich nützliche Arzneimittel für ältere Patienten anzeigt. Falsch dosierte oder falsch angewendete Arzneimittel können zu Komplikationen führen. Damit soll jetzt Schluss sein. „Die sogenannte FORTA-App gibt den behandelnden Medizinern erstmals eine digitale Liste an die Hand, die sowohl untaugliche als auch nachweislich nützliche Arzneimittel für ältere Patienten benennt“, erklärte Prof. Martin Wehling, Direktor der Klinischen Pharmakologie an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Er hat die App mit seinem Team entwickelt. Die grundlegenden Daten dafür haben Mediziner der geriatrischen Kliniken in Mannheim und Essen in einer Studie zusammengetragen. FORTA steht für Fit fOR The Aged. Die App soll vor allem Ärzte unterstützen, die alte Menschen unter Zeitdruck behandeln müssen. „Bei Hausärzten liegt die durchschnittliche Behandlungszeit bei acht Minuten pro Patient. Da muss die Sichtung der zahlreichen Arzneimittel schnell gehen und genau auf den Patienten abgestimmt sein“, sagte Wehling, der zugleich Leiter der Arbeitsgruppe Arzneimitteltherapie der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) ist. Nach Anwendung der FORTA-Liste: Medikationsqualität signifikant verbessert Wissenschaftliche Grundlage der App-Entwicklung ist die VALFORTA-Studie, die im vergangenen Jahr unter Wehlings Leitung veröffentlicht wurde. Ziel der Wissenschaftler war, die Über- und Unterversorgung mit Medikamenten jeweils deutlich zu verringern. „Die Ergebnisse sind aus meiner Sicht phänomenal. Wir konnten nachweisen, dass sich nach Anwendung der FORTA-Liste die Qualität der Medikamentenversorgung gegenüber der Kontrollgruppe um das 2,7-Fache verbessert hat“, sagte Wehling. Sprich: Bei den Studienpatienten mit anfangs über drei nachgewiesenen Medikationsfehlern konnten diese durch Anwendung der FORTA-Regeln hochsignifikant auf unter eins reduziert werden. Untersucht wurden im Rahmen der Studie mehr als 400 Patienten über 60 Jahre. Nutzwert von Medikamenten: 273 Bewertungen in vier Kategorien Die FORTA-Klassifizierung ist ein Vorschlag für die Bewertung der Alterstauglichkeit von Arzneimitteln, die erstmals sowohl Positiv- als auch Negativbewertungen beinhaltet und 2008 von Wehling publiziert wurde. Hieraus wurde in mehreren Schritten, an denen insgesamt 25 Mediziner als Gutachter beteiligt waren, die FORTA-Liste entwickelt, die nun 273 Bewertungen für 29 Indikationen enthält. Anders als Negativ-Listen von Medikamenten, die nur beschreiben, welche Medikamente nicht verwendet werden sollen, beleuchtet die FORTA-Liste auch die positiven Seiten. Konkret werden die Arzneien in vier Kategorien einsortiert: In die A-Kategorien fallen Medikamente, deren Nutzen eindeutig positiv aufgefallen ist und die mit großem Effekt verabreicht werden können. In die B-Kategorie fallen Arzneimittel, die zwar einen Nutzen haben, aber in punkto Sicherheit und Wirksamkeit doch einige Einschränkungen aufweisen. Dem folgt die C-Kategorie mit Medikamenten, deren Nutzen-Risiko-Verhältnis eher ungünstig ist. Patienten müssten bei der Behandlung ganz genau beobachtet werden, um bei Nebenwirkungen direkt reagieren zu können. In der D-Kategorie fallen dann alle Arzneimittel, die fast immer vermieden werden sollten. Für Martin Wehling ist die FORTA-Liste eine Pflichtlektüre für alle Mediziner, die sich mit älteren Menschen beschäftigen. „Und die App gehört auf jedes Smartphone von Geriatern und niedergelassenen Hausärzten“, so der Mediziner. Damit ließen sich viele Beeinträchtigungen bei alten Patienten vermeiden, die aktuell gar nicht ins Krankenhaus kommen. Die kostenlose Android-App ist ab sofort in deutscher und englischer Version im Google-Play-Store erhältlich. Die Anwendung für Apple-Geräte soll in wenigen Monaten erscheinen. Link: VALFORTA-Studie Quelle: Deutsche Gesellschaft für Geriatrie
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