Ig-Nobelpreis: Warum Babys besser riechen als Teenager7. September 2026 Den Geruch des eigenen Kindes nehmen Eltern besonders positiv wahr – vorallem im Babyalter. (Foto: © georgerudy – stock.adobe.com) Babys riechen wunderbar – zumindest für ihre Eltern. Warum Jugendliche diesen besonderen Geruchsbonus verlieren, untersuchte ein internationales Forschungsteam um Ilona Croy, Tomasz Frackowiak, Thomas Hummel und Agnieszka Sorokowska – und erhielt dafür den Ig-Nobelpreis. „Wissenschaft bedeutet Neugier, Freude am Experimentieren und im besten Fall auch eine gewisse Portion Verrücktheit. Dieser Preis stellt genau das in den Vordergrund – den Spaß an der Arbeit. Deshalb haben wir uns wirklich sehr über den Ig-Nobelpreis gefreut“, betont Ilona Croy, Professorin für Klinische Psychologie am Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Ig-Nobelpreis ist als spielerische Alternative zum Nobelpreis gedacht. Sein Name ist ein Wortspiel aus „Nobel“ und dem englischen „ignoble“. Die jährlich von den Annals of Improbable Research vergebenen zehn Preise würdigen nämlich überraschende wissenschaftliche Arbeiten, die Menschen „zuerst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringen“. Geruchswahrnehmung hängt auch von Beziehungsqualität ab Auf die Forschung des Teams trifft dieses Prinzip in besonderer Weise zu. Ausgangspunkt war eine einfache Frage: Warum riechen Babys für ihre Eltern so angenehm – und was passiert mit diesem Geruch während der Pubertät? Für die erste Studie von 2017 wurden 255 Mütter und Väter gebeten, den Körpergeruch ihres Kindes zu bewerten. Zum Vergleich beurteilten sie auch den Geruch ihres Partners oder ihrer Partnerin. Das Ergebnis: Der Körpergeruch von Babys und Kleinkindern wurde von der großen Mehrheit der Eltern als besonders angenehm bewertet – sogar angenehmer als der des Partners. Mit zunehmendem Alter nahm diese besondere Geruchsaffinität jedoch deutlich ab. Dies war unabhängig davon, wie gut Eltern die Beziehung zu ihrem Kind einschätzten. Babygeruch fördert Fürsorgeverhalten Die Fragebogenstudie war der Ausgangspunkt für eine Reihe weiterer Experimente. Das Team um Croy sammelte Körpergerüche von mehr als 300 Kindern unterschiedlichen Alters und präsentierte sie Eltern und Nicht-Eltern. Einige Untersuchungen fanden im MRT-Scanner statt. Die Ergebnisse erweitern das Konzept des „Kindchenschemas“, das vor rund 80 Jahren zunächst anhand der visuellen Merkmale von kleinen Kindern beschrieben wurde. Demnach sehen Babys und kleine Kinder nicht nur niedlich aus, sie riechen auch besonders angenehm, und zwar nicht nur für ihre eigenen Eltern. Babygeruch aktiviert zentrale Bereiche des Belohnungssystems im Gehirn und kann dadurch Fürsorgeverhalten fördern. Die Eltern erkennen und bevorzugen jedoch besonders den Geruch ihres eigenen Babys und Kindes – bis zur Pubertät, in der Eltern verwirrt vom Geruch des Teenagers sind und Mütter den Geruch der Söhne und Väter den der Töchter sogar ablehnen. Nach der Pubertät jedoch gewöhnen sich Eltern wieder an den Geruch ihrer Kinder und präferieren ihn auch. „Babys riechen wunderbar. Teenager nicht mehr ganz so sehr“ „Unsere Forschung zeigt, dass menschliche Körpergerüche soziale und biologische Informationen transportieren, die unser Miteinander steuern“, erklärt Croy. „Und vielleicht erzählt sie damit auch etwas über die Liebe: Wir sind darauf programmiert, uns um unseren Nachwuchs zu kümmern. Zugleich können wir lernen, den vertrauten Geruch unserer Nächsten wieder lieben zu lernen, auch wenn er sich im Laufe des Lebens verändert. Kurz gesagt: Babys riechen wunderbar. Teenager nicht mehr ganz so sehr. Aber wir lieben sie trotzdem.“ Die Preisverleihung fand am 3. September 2026 im Kongresshaus Zürich (Schweiz) statt – erstmals in der Geschichte des Preises in Europa, nachdem sie 35 Jahre lang in Cambridge bzw. Boston, USA ausgerichtet worden war. Ein Grund für den Wechsel: 2025 verzichteten Mitglieder mehrerer internationaler Gewinnerteams auf die Reise in die USA, unter anderem wegen Visabeschränkungen und Bedenken hinsichtlich der Einreise- und Grenzpolitik. Mehr als 9000 neue Nominierungen erreichen das Ig-Nobel-Komitee jedes Jahr. Sie ergänzen einen großen Pool aus den Vorjahren, aus dem schließlich zehn ausgezeichnete Arbeiten ausgewählt werden.
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