Bestimmte Genpolymorphismen verstärken die DNA-Bindung Nierenkrebs-assoziierter Transkriptionsfaktoren31. Oktober 2018 Immunhistochemische Färbung (braun) des Hypoxie-induzierbaren Faktors 1α (HIF1α) in einem Schnitt durch einen VHL-mutierten Nierentumor. Foto: PD Dr. Dr. Johannes Schödel Wissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg konnten zeigen, dass bestimmte Risikovariationen in der DNA zu einer vermehrten Bindung von Nierenkrebs-assoziierten Proteinen führen. Ein Großteil der Nierentumorerkrankungen entsteht durch die Entartung einzelner Zellen im Bereich des Nephrons. Dieses setzt sich aus einem Nierenkörperchen und einer daran angeschlossen röhrenförmigen Struktur, dem Tubulus, zusammen. Aus den Zellen des Tubulus entstehen die Nierentumoren. Rolle von VHL und HIF bei Nierentumoren Risikofaktoren, die die Entstehung von Nierenkrebs begünstigen, sind unter anderem das Rauchen, einzelne Chemikalien und Nierenzysten. Ein kleiner Teil wird jedoch auch durch Erbkrankheiten wie zum Beispiel die Von-Hippel-Lindau-Erkrankung (VHL) verursacht. Genauere Untersuchungen haben gezeigt, dass der Verlust des VHL-Proteins zur Stabilisierung von Proteinen führt, die eng mit der Zellantwort auf Sauerstoffmangel (Hypoxie) in Verbindung stehen. Diese Hypoxie-induzierbaren Transkriptionsfaktoren (HIF-1α und HIF-2α) sind Proteine, die mit der DNA interagieren und es der Zelle ermöglichen, durch veränderte Expression von Genen den Stoffwechsel an einen akuten Sauerstoffmangel anzupassen. Bei Nierentumoren kommt es aufgrund der Stabilisierung der HIF zu einer dauerhaften Aktivierung dieses „Notfallsystems“. Dadurch bekommen die Tumorzellen einen Überlebensvorteil. Umfassende Studien haben gezeigt, dass in den meisten Nierentumoren – also auch spontan entstandenen – ein Defekt im VHL-Gen vorliegt und das HIF-System aktiv ist (Abbildung). Dieses System scheint daher eine enorme Relevanz für die Biologie des Nierentumors zu haben. Einfluss von Risikovariationen auf die HIF-Bindung In einer aktuellen Studie im Rahmen eines von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Forschungsprojektes konnten Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg unter der Leitung von PD Dr. Dr. Johannes Schödel in Kooperation mit Wissenschaftlern der Universität Oxford unter Leitung von Prof. Sir Peter Ratcliffe zeigen, wie die HIF mit der DNA der Zellen des Tubulussystems interagieren und die Entstehung von Nierentumoren beeinflussen (Grampp et al. 2017). Der Kontakt zur DNA wird dabei stark durch genetische Variationen zwischen einzelnen Menschen beeinflusst. Einige dieser Variationen wurden bereits durch andere Arbeitsgruppen als relevant für die Entstehung von Nierentumoren identifiziert. Wie diese aber genau Einfluss auf die Krankheit nehmen, blieb unklar. Schödel und sein Team konnten nun zeigen, dass Risikovariationen für Nierenkrebs und Bindestellen der HIF in der DNA nicht zufällig übereinstimmen, sondern es einen statistisch signifikanten Zusammenhang gibt. Eine der Variationen liegt dabei auf dem Genort 12p12.1. Erst die Risikovariation ermöglicht es, dass HIF an die DNA in diesem Bereich binden können. Durch die Bindung von HIF kommt es zur verstärkten Expression des Proteins BHLH41. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass die vermehrte Bildung von BHLH41 vor allem in der frühen Phase der Entstehung von Nierenkrebs eine wichtige Rolle spielen könnte und den Tumorzellen einen Überlebensvorteil verschafft. Die Forschungsgruppe konnte in weiteren Arbeiten zeigen, dass auch wichtige Onkogene in Nierentumoren einer ähnlichen Regulation durch HIF unterliegen (Grampp et al. 2016, Schödel et al. 2012). Wichtig dabei ist, dass diese Mechanismen nur in den Zellen des Tubulussystems der Niere oder den Tumorzellen greifen und somit zelltypspezifisch sind. Diese Studien können als beispielhaft für die zukünftige Aufarbeitung von Mechanismen der genetischen Veranlagung für die Krankheitsentstehung im Allgemeinen angesehen werden. Sie erklären, wie ein krankheitsrelevanter Faktor (HIF) durch unterschiedliche Bindung an krankheitsassoziierte genetische Varianten die Entstehung von zelltypspezifischen Tumoren fördert. (Wilhelm Sander-Stiftung / ms)
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