Bestrahlung gegen ventrikuläre Tachykardien: Start des europaweiten STOPSTORM-Behandlungsregisters19. Dezember 2022 Bild: ©Pinkcamo – stock.adobe.com Wie können ventrikulären Tachykardien erfolgreicher behandelt werden? Ein vielversprechender Ansatz ist die stereotaktische Strahlentherapie. Ein neu eingerichtetes Register soll helfen, die Sicherheit und Wirksamkeit dieses neuen Behandlungsverfahrens zu bewerten. Die stereotaktische Strahlentherapie wird bereits seit Jahren zur Behandlung von z.B. Lungen- oder Prostatakrebs standardmäßig eingesetzt. Die nichtinvasive, einmalige Hochpräzisionsbestrahlung wurde 2018 am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, erstmalig in Deutschland zur Behandlung der ventrikulären Tachykardie angewendet. Die ersten Erfahrungswerte sind vielversprechend, dennoch muss noch mehr über die Langzeitergebnisse dieser innovativen Behandlung in Erfahrung gebracht werden. Daher hat das vom Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 der Europäischen Union geförderte STOPSTORM-Konsortium eine europaweite Datenbank eingerichtet, um die Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlung besser zu verstehen. Ablauf einer STAR-Behandlung mit enger Zusammenarbeit zwischen Kardiologie und Strahlentherapie. Grafik: ©UKSH Europaweites Register Das erste europaweite Behandlungsregister für die stereotaktische Strahlentherapie von Herzrhythmusstörungen (STAR = Stereotactic Arrhythmia Radioablation) ist nun eröffnet worden und wird in Deutschland durch die Klink für Strahlentherapie des UKSH, Campus Kiel, koordiniert. Das STOPSTORM-Konsortium nimmt ab sofort Daten von 30 Partnerorganisationen in acht europäischen Ländern entgegen. Eine Ausweitung auf weitere Länder und Zentren in der EU ist geplant. Ziel des STOPSTORM-Projekts ist es, bis 2025 Daten von über 300 Patientinnen und Patienten in das Register aufzunehmen. Anhand dieser Daten sollen die Indikation, Sicherheit und Wirksamkeit der STAR-Behandlung für ventrikuläre Tachykardien überprüft werden. Begleitende klinische Studie in Deutschland Begleitet wird das STOPSTORM-Projekt durch die RAVENTA-Studie, die bislang weltweit einzige multizentrische klinische Studie, die die Durchführbarkeit und Sicherheit der STAR-Behandlung an 20 Patientinnen und Patienten in Kiel, Lübeck, Mannheim, Berlin, Hannover, München und Dresden untersucht. „Wir sind sehr glücklich, das STOPSTORM-Register mit unseren qualitätsgesicherten prospektiven Daten unterstützen zu können“, erklärt Projektkoordinator Dr. Oliver Blanck aus der Klinik für Strahlentherapie am UKSH, Campus Kiel. „Bislang konnten in der RAVENTA-Studie bereits elf der geplanten 20 Patientinnen und Patienten behandelt werden. Die bisherigen Erfahrungswerte sind sehr vielversprechend“, erläutert Prof. Jürgen Dunst, Studienleiter der RAVENTA-Studie und Direktor der Klinik für Strahlentherapie am Campus Kiel. „Aktuell ist es noch zu früh für eine abschließende Beurteilung, aber wir konnten bereits erhebliche und rasche Abnahmen der ventrikulären Tachykardien bei einem Großteil der Patientinnen und Patienten beobachten. Schwere behandlungsbedingte Nebenwirkungen traten bislang nicht auf“, ergänzt PD Dr. David Krug, stellvertretender Direktor der Klinik für Strahlentherapie am Campus Kiel. Workshop zum Verfahren Jüngst wurde unter der Leitung von Dunst und Prof. Roland Tilz, Direktor der Klinik für Rhythmologie des UKSH, Campus Lübeck, und RAVENTA-Co-Studienleiter, als Schirmherren zusammen mit der Arbeitsgruppe Radiochirurgie und Stereotaktische Strahlentherapie der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) der 3. Deutsche Workshop zur stereotaktischen Strahlentherapie von Ventrikulären Tachykardien in Timmendorfer Strand abgehalten. „Wir haben uns sehr gefreut, dass wir mit 40 nationalen und internationalen Expertinnen und Experten diese neue Therapiemöglichkeit für Patientinnen und Patienten mit sonst austherapierten Herzrhythmusstörungen diskutieren konnten“, erklärt Tilz. „In Deutschland wurden bereits mehr als 30 Patienten mit einer STAR-Behandlung therapiert. Unsere gemeinsame Aufgabe ist nun die frühe Harmonisierung und Optimierung dieser Behandlung, u.a. im Rahmen der Arbeitsgruppen und des STOPSTORM-Projekts“. Das STOPSTORM-Projekt wird in Deutschland auch von der Arbeitsgruppe Elektrophysiologie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie als Nationale Observer Gruppe begleitet.
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