Bewegung während der Chemotherapie verbessert die Lebensqualität bei Brustkrebs-Patientinnen

Körperliche Aktivität hat einen positiven Einfluss auf die Lebenszufriedenheit von Brustkrebs-Patientinnen während der Chemotherapie. (Bild: © verbaska/stock.adobe.com)

Als unterstützende Maßnahme zielt Bewegung nicht darauf ab, die Behandlung zu verändern, sondern die Lebensqualität von Brustkrebs-Patientinnen während der Chemotherapie zu verbessern.

Für viele Frauen mit Brustkrebs kann die lebensrettende Behandlung auch zu Erschöpfung, Muskelabbau, emotionaler und anderen erheblichen Belastungen führen. Eine neue Studie zeigt, dass Bewegung während der Chemotherapie nicht nur die Kraft wiederherstellt, sondern auch die Lebensqualität messbar verbessert. Sie trägt dazu bei, dass sich Frauen in einer der anspruchsvollsten Phasen ihrer Behandlung körperlich, emotional und mental besser fühlen.

Die Ergebnisse einer großen Metaanalyse fassen die Resultate von über zwei Dutzend Studien mit Frauen zusammen, die wegen Brustkrebs eine Chemotherapie erhalten. Die Analyse wurde in „The Lancet Healthy Longevity“ veröffentlicht und von Forschenden des Sylvester Comprehensive Cancer Center der University of Miami Miller School of Medicine geleitet.

Die moderne Brustkrebstherapie hat die Überlebensraten deutlich verbessert. Neben diesen Fortschritten konzentrieren sich Ärztinnen und Ärzte sowie Forscherinnen und Forscher zunehmend darauf, wie sich Patientinnen während der Behandlung fühlen – auf ihre Energie, Stimmung, Mobilität und ihr allgemeines Wohlbefinden.

„Die Chemotherapie belastet alle Körpersysteme“, so Hauptautorin LaShae D. Rolle. „Die Lebensqualität rückt während der Behandlung in den Mittelpunkt und sollte nicht erst nach deren Abschluss berücksichtigt werden.“ Körperliche Aktivität wird nach einer Krebsbehandlung schon lange empfohlen, doch die Studienlage zur Wirksamkeit von Sport während einer Chemotherapie ist uneinheitlich. Diese Unsicherheit führt oft dazu, dass Patientinnen nicht wissen, ob Bewegung ihnen hilft oder schadet, wenn sie sich ohnehin schon erschöpft fühlen. Die neue Analyse schafft Klarheit.

Unterschiedliche Trainingsformen zeigen vergleichbare Effekte

Das Team am Sylvester Cancer Center analysierte 21 randomisierte, kontrollierte Studien mit über 3000 Frauen, die sich einer Chemotherapie wegen Brustkrebs unterzogen. Anstatt sich auf eine einzelne Sportart zu konzentrieren, untersuchten sie ein breites Spektrum an Interventionen, darunter:

  • Aerobes Training wie Gehen oder Radfahren
  • Kraft- oder Widerstandstraining
  • Kombinierte Programme, die beides umfassten

In allen Studien zeigten Frauen, die an strukturierten Trainingsprogrammen teilnahmen, signifikante Verbesserungen ihrer Lebensqualität im Vergleich zu Frauen, die nur die Standardbehandlung erhielten. Die positiven Auswirkungen auf die Lebensqualität zeigten sich konsistent in allen Bereichen – körperlich, emotional und mental. „Es geht nicht darum, trotz Erschöpfung weiterzumachen“, erklärt Rolle. „Es geht darum, Bewegungsformen zu finden, die den Körper während dieser Belastung unterstützen.“

Die Studie zeigte, dass sich keine einzelne Trainingsart als „die beste“ herauskristallisiert. Ausdauertraining, Krafttraining und kombinierte Programme führten alle zu deutlichen Verbesserungen der Lebensqualität. Diese Flexibilität ist während der Chemotherapie entscheidend, da der Energiepegel von Tag zu Tag schwanken kann.

„Sport während der Behandlung sollte nicht starr oder einschüchternd wirken“, sagt Koautorin Prof. Tracy Crane. „Diese Studie bestätigt, dass Patienten von vielen verschiedenen Bewegungsformen profitieren können, solange der Ansatz sicher, individuell angepasst und realistisch ist.“

Die Studie konzentrierte sich ausschließlich auf Frauen, die sich einer aktiven Chemotherapie unterzogen, nicht auf Überlebende Monate oder Jahre nach der Behandlung. Diese Unterscheidung ist wichtig.

Bewegung als integraler Bestandteil moderner Krebstherapie

Sportliche Betätigung während einer Chemotherapie bringt besondere Herausforderungen mit sich, darunter die Variabilität der Symptome, der Behandlungspläne und der körperlichen Leistungsfähigkeit. Die Ergebnisse bestätigen bestehende klinische Leitlinien, die körperliche Aktivität während der Behandlung unter angemessener Anleitung und mit entsprechenden Anpassungen empfehlen.

„Diese Erkenntnisse bestärken Ärztinnen und Ärzte in ihrer Empfehlung von Bewegung während der Chemotherapie“, so Rolle. „Und sie geben Patientinnen die Gewissheit, dass Bewegung im richtigen Maß Teil ihrer Behandlung sein kann.“

Da sich die Krebsbehandlung stetig weiterentwickelt, tragen Studien wie diese dazu bei, unterstützende Maßnahmen in die medizinische Therapie zu integrieren – nicht als zusätzliche Maßnahme, sondern als wesentliche Bestandteile einer ganzheitlichen Betreuung. „Diese Arbeit trägt dazu bei, Bewegung vom Rand in den Mittelpunkt der onkologischen Versorgung zu rücken“, fasst Crane zusammen. „Sie zeigt, dass jede Form von körperlicher Aktivität während einer Chemotherapie einen positiven Einfluss auf die Lebensqualität von Frauen mit Brustkrebs hat.“

(lj/BIERMANN)

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