Bewertung eines digitalen Unterstützungsprogramms für COPD-Patienten: Hohe und anhaltende Nutzung mit Wirkung festgestellt

GLASGOW (Biermann) – Ein digitales Unterstützungsprogramm für Patienten mit Chronisch-obstruk­tiver Lungenerkrankung (COPD) hat in einer Studie, deren Ergebnisse kürzlich veröffentlicht wurden, Wirkung gezeigt. Die RECEIVER-Studie (remote management of COPD: evaluating the implementation of digital innovations to enable routine care) wurde entwickelt, um einen bestehenden COPD-Unterstützungsdienst zu bewerten. Dafür ermittelte man, ob Patienten mit schwerer COPD die gemeinsam entwickelte Patienten-Webanwendung auch während der gesamten Nachbeobachtungszeit der Studie weiterhin nutzen würden.

Das Programm besteht in einer Web-Anwendung (zugänglich über Smartphone, Tablet-PC oder PC), in der die Patienten selbst Outcomes (PROs) festhalten und standardisierte Hinweise für das Selbstmanagement erhalten. Ebenfalls Bestandteil des Programms ist ein Dashboard für die behandelnden Ärzte, mit strukturierten Daten aus der elektronischen Gesundheitsakte des Patienten sowie den PROs, Informationen von Wearables und Geräten für eine nicht­invasive Beatmung zu Hause. Zudem besteht eine Möglichkeit des Messagings in beide Richtungen (Arzt-­Patient, Patient-Arzt).

Ob die Teilnehmenden das zu bewertende digitale Unterstützungsprogramm tatsächlich nutzten, ermittelte man anhand der täglichen Durchführung des COPD Assessment Tests (CAT) mithilfe des ­Programms. In der gesamten RE­CEIVER-Kohorte stellten die Forschenden während einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 78 Wochen eine hohe und anhaltende Nutzung der Anwendung durch die Patienten fest: Der prozentuale Anteil der Teilnehmer, die ≥1 CAT-Eintrag pro Woche machten, betrug im 1. Jahr der Nachbeobachtung jede Woche ≥68,1 %.

Die Studienautoren beobachteten außerdem eine konsistente Nutzung des Programms: Rund 77 % der Probanden wurden als Dauernutzer eingestuft und trugen in >50 % der möglichen Folgewochen ≥1-mal pro Woche Ergebnisse eines CAT ein. Als bemerkenswert bezeichnen die Forschenden die Tatsache, dass 39 Personen in der RECEIVER-Kohorte die Nutzung für ≥1 Woche pausierten, aber 24 von ihnen anschließend wieder regelmäßig PROs eintrugen.

Eine Untergruppenanalyse zu Teilnehmenden mit Wohnsitz in sozioökonomisch benachteiligten Gegenden ergab eine gleichwertige Nutzung. Im Median verging in der RECEIVER-Kohorte mehr Zeit bis zum Tod oder einer Krankenhaus­einweisung im Zusammenhang mit der COPD oder einer Atemwegserkrankung als in der Kontrollgruppe (335 Tage vs. 155 Tage).

Die Anzahl der Tage pro Jahr, in der die Probanden ein Krankenhausbett belegten, sank in der RECEIVER-Kohorte im Durchschnitt um 8,12 Tage, ver­glichen mit 3,38 Tagen in der Kontrollkohorte. Der Unterschied in der Zeit bis zu einem relevanten Ereignis über den Nachbeobachtungszeitraum hinweg war zwischen den Kohorten signifikant (p=0,047), mit einer nichtadjustierten HR von 0,740 (0,550–0,996). Auch bei alleiniger Betrachtung dieses Endpunktes wurde in der RECEIVER-Kohorte eine längere Zeit bis zur 1. Hospitalisierung wegen COPD oder Atemwegserkrankung allgemein festgestellt (400 vs. 255 Tage). Allerdings, so schreiben die Studienautoren, war der Unterschied zwischen den Kohorten statistisch nicht signifikant (p=0,241).

Auch die 12-Monats-Mortalitätsrate fiel in der RECEIVER-Kohorte im Vergleich zu den Kontrollen niedriger aus (16,9 %vs. 24,1 %), berichten die Forschenden, wobei der Unterschied im Überleben allerdings im Vergleich zur Nachbeobachtung ­zwischen den Kohorten statistisch nicht signifikant war (p=0,215). (ac)

Autoren: Taylor A et al.
Korrespondenz: Christopher Carlin; [email protected]
Studie: Long-Term Usage and Improved Clinical Outcomes with Adoption of a COPD Digital Support Service: Key Findings from the RECEIVER Trial
Quelle: Int J Chron Obstruct Pulmon Dis 2023;18:1301–1318.
doi: 10.2147/COPD.S409116