Bilaterales Tonsillenkarzinom: Neue Daten zur Prävalenz1. Juni 2018 Foto: © Minerva Studio – Fotolia.com Die Prävalenz des synchron auftretenden, bilateralen Tonsillenkarzinoms ist ungeklärt; bis zum heutigen Tage wurden in der wissenschaftlichen Literatur lediglich 38 Fälle beschrieben. Eine aktuelle Studie liefert neue Daten zur Prävalenz. In Dänemark empfiehlt die entsprechende Leitlinie, bei Verdacht auf bzw. bei gesichertem Tonsillenkarzinom eine bilaterale Tonsillektomie; dasselbe gilt für Patientinnen mit metastasierendem Zervixkarzinom bei unbekanntem Primärtumor. Eine aktuelle Untersuchung hat zum Ziel, die Leitlinienempfehlungen zu untermauern und die Prävalenz des synchron auftretenden, bilateralen Tonsillenkarzinoms zu ermitteln. Hierzu unternahmen Otolaryngologen der Universitätsklinik Aarhus ein retrospektives Review aller Patienten mit Tonsillenkarzinom, die zwischen 2000 und 2015 diagnostiziert wurden. Nur 7 von 211 (3,3 %) der Patienten mit Tonsillenkarzinom zeigten ein synchron auftretendes, bilaterales Tonsillenkarzinom; bei 180 dieser Patienten wurde eine bilaterale Tonsillektomie oder eine unilaterale Tonsillektomie plus kontralaterale Tonsillenbiopsie (n = 31) durchgeführt. Dysplasien an den kontralateralen Tonsillen wurden bei 2 Patienten mit unilateralem Karzinom gefunden. 4 von 171 (2,3 %) Patienten mit Verdacht auf unilateralen Mandelkrebs zeigten auch kontralaterale Tonsillentumore. 3 von 34 (8,8 %) Patienten ohne klinische Anzeichen für tonsilläre Malignome jedweder Seite (davon 32 Patienten mit unbekanntem Primärtumor) hatten synchron auftretende, bilaterale Tonsillenkarzinome; bei keinem dieser Patienten bestand ein Verdacht auf bilateralen Mandelkrebs. Die Patienten mit unilateralem Tonsillenkarzinom hatten die gleichen klinischen Tumormerkmale wie die Patienten mit bilateralem Tonsillenkarzinom. Zur Verhinderung von frühzeitig auftretenden Rezidiven sei es unerlässlich zu überprüfen, ob eventuell ein zusätzliches kontraletarales Tonsillenkarzinom vorliegt, schreiben die Autoren in ihrer Schlussfolgerung und empfehlen die bilaterale Tonsillektomie bei allen Patienten mit Verdacht auf bzw. nachgewiesenem Tonsillenkarzinom oder mit unbekanntem Primärtumor. (am)
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