Bildgebung vor Prostatektomie: Hat die PSMA-PET einen blinden Fleck?

Mit dem Prostata-spezifischen Membranantigen als Zielstruktur (im Bild ein Molekülmodell) lässt sich viel sehen – aber auch nicht alles. Grafik: molekuul.be

Das nuklearmedizinische Bildgebungsverfahren PSMA-PET könnte möglicherweise einige hochgradige Prostatakarzinome (PCa) übersehen: Australische Mediziner haben herausgefunden, dass bei Patienten ohne Radiotracer-Anreicherung das intraduktale PCa (IDC-PCa) und pathologisch hochgradiges PCa überrepräsentiert sind.

David C. Chen von der Abteilung für Urologie am Krankenhaus Austin Health in Melbourne und Kollegen führten eine retrospektive Kohortenstudie an 2 Zentren durch, um zu klären, ob die Positronenemissionstomographie mit dem Prostataspezifischen Membranantigen als Zielstruktur (PSMA-PET) einen „blinden Fleck“ hat. In ihre Studie schlossen sie konsekutive Patienten ein, die vor einer radikalen Prostatektomie eine intraprostatische PSMA-PET erhalten hatten.

Zur Befundung der Bildgebungs­daten nutzten die Nuklearmediziner den PRIMARY-Score. Dieser nutzt die anatomische Lokalisation und das Anreicherungsmuster, um die diagnostische Genauigkeit zu verbessern. Ein Score von 1 bedeutet dabei kein Anreicherungsmuster. Die Bildgebungsmerkmale setzten die Autoren mit perioperativen Daten, der PI-RADS-Klassifikation und histopathologischen Befunden in Beziehung.

Intraduktales Karzinom häufiger

Die Autoren analysierten die Befunde von insgesamt 178 Patienten, die sich vor ihrer radikalen Prostatektomie einer PSMA-PET unterzogen hatten. 30 (17%) davon hatten einen PRIMARY-Score von 1. Bei diesen Patienten war in den Prostatektomiepräparaten IDC-PCa häufiger als bei Patienten mit einem PRIMARY-Score ≥2 (12/30 [40 %] vs. 31/148 [21 %]; p=0,026). In der Subgruppe mit einem PRIMARY-Score von 1 wiesen Patienten mit IDC-P signifikant häufiger eine Erkrankung der Gradgruppe ≥3 auf als Patienten ohne IDC-P (100% vs. 33%). 81% aller Patienten hatten in der prä­bioptischen MRT einen PI-RADS-Score von 4 oder 5.

„Bei Patienten, bei denen aufgrund ungünstiger klinischer, PI-RADS- oder Biopsiebefunde eine radikale Prostatektomie erwogen wird, sollte ein PSMA-PET-Befund ohne intraprostatisches Anreicherungsmuster nicht per se als Marker für ein geringes Tumorvolumen oder einen niedrigeren Malignitätsgrad gewertet werden“, mahnen Chen und Kollegen aufgrund ihrer Daten. Allerdings schränken sie ein, dass die Generalisierbarkeit ihrer Studie durch die Auswahl von Patienten mit einem PRIMARY-Score von 1, die sich anschließend einer Operation unterzogen, eingeschränkt sei.

(ms)