Biomarker MiR130b ermöglicht Früherkennung von Magenkrebs

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Ein vielversprechender neuer Biomarker, der bei Patienten vor der Entstehung von Magenkrebs auftritt, kann laut einer Studie von Forschern der University of Arizona Health Sciences zur Früherkennung der Krankheit und zur Verbesserung des Ansprechens des Patienten auf die Therapie beitragen.

Der Biomarker könne durch eine einfache Blutuntersuchung nachgewiesen werden, was Zeit spare und Kosten senke, so die Wissenschaftler. Derzeit erfordert die Diagnose von Magenkrebs die endoskopische Entnahme von Magengewebe durch ein Biopsieverfahren und die anschließende pathologische Analyse.

Bei dem Biomarker MiR130b handelt es sich um eine microRNA oder ein kleines nicht kodierendes RNA-Molekül, das eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Genexpression spielen und die Entwicklung und die Progression der Erkrankung beeinflussen kann. MiR130b kann von einer Gruppe von Immunzellen produziert werden, die als myeloide Suppressorzellen (MDSC) bezeichnet werden und häufig mit Infektionen assoziiert sind, die durch Helicobacter pylori verursacht werden. Diese besonderen Zelltypen im Magen korrelieren mit frühen präneoplastischen Veränderungen, die lange nach dem Ende einer H.-pylori-Infektion zu Magenkrebs führen können.

„Obwohl man die Bakterien loswerden kann, hat die Infektion selbst häufig bereits eine Kaskade von Ereignissen ausgelöst, die schließlich zu einer Krebserkrankung führen können“, sagt Dr. Yana Zavros von der Medizinischen Fakultät der University of Arizona (USA). „Deshalb ist Früherkennung so wichtig.“

Die Studie entstand aus Mausmodellen, in denen die Veränderungen im Magen ähnlich einer H.-pylori-Infektion simuliert wurden. Die Forscher konnten MiR130b in den Mausmodellen identifizieren. Sie entdeckten auch die gleiche microRNA im Plasma von Patienten, die entweder präkanzeröse Veränderungen aufwiesen oder bereits an einer Krebserkrankung litten.

Dr. Juanita L. Merchant, ebenfalls von der University of Arizona, betont, dass es sich um eine retrospektive Studie handelte. „Das ist sehr spannend, denn jetzt können wir diesen Biomarker mehr prospektiv bei verschiedenen Patientengruppen untersuchen.“

Zwar tritt Magenkrebs in den USA weniger häufig auf, doch laut dem National Cancer Institute ist er die dritthäufigste Ursache für krebsbedingte Todesfälle weltweit. Die Ergebnisse der Studie könnten, so die Autoren, erhebliche Auswirkungen auf die ländlichen Gebiete des US-Bundesstaates Arizona sowie auf die hispanische und von den nordamerikanischen Indianern abstammende Bevölkerung haben. Bei diesen Personen ist ein höheres Risiko für die Entwicklung von Magenkarzinomen und anderen gastrointestinalen Krebserkrankungen zu beobachten, da diese Krankheiten häufig durch Ernährungs- und Umweltfaktoren verursacht werden und möglicherweise lange Zeit unentdeckt bleiben.

Merchants Labor arbeitet in einem weiteren Projekt am Nachweis der in der aktuellen Studie beschriebenen microRNA bei Angehörigen der indianischen Bevölkerung mit H. pylori. „Diese von uns entdeckte molekulare Signatur (die microRNA MiR130b) kann uns helfen, festzustellen, ob Patienten im Zusammenhang mit H. pylori Veränderungen in der Schleimhaut aufweisen“, erklärt Merchant. „Eine Blutprobe wäre weniger invasiv und könnte dann bei der Entscheidung helfen, ob wir einen Patienten für eine Endoskopie einladen müssen.“

Einmal diagnostiziert, kann Magenkrebs schwierig zu behandeln sein. Immuntherapien mit nachgewiesener Wirksamkeit bei der Behandlung anderer Krebsarten sind bei den meisten gastrointestinalen Krebserkrankungen, wie auch beim Magenkrebs, nicht so erfolgreich. Die Forscher glauben, dass diese neuen Erkenntnisse bei Magenkrebs dazu beitragen können, herauszufinden, warum andere gastrointestinale Krebserkrankungen ebenfalls gegen eine Therapie resistent sind.

„Der zugrunde liegende Mechanismus, durch den ein Patient mit Magenkrebs möglicherweise nicht gut anspricht, kann auch auf andere Organe angewendet werden“, sagt Zavros. „Die Art und Weise, wie die Zellen miteinander interagieren, um bei dem Patienten eine Resistenz gegen eine Therapie hervorzurufen, kann bei Magen-, Bauchspeicheldrüsen- und Dickdarmkrebs sehr ähnlich sein.“

Merchant fügt hinzu, dass MiR130b einem dualen Zweck dienen könnte: „Wir können es als Biomarker betrachten, um uns aus diagnostischer Sicht zu helfen, aber wir können auch Therapien betrachten, die basierend auf dem Ziel dieser microRNA selbst entwickelt werden können.“