Biomarker zur Unterscheidung von Depression und Psychose27. Februar 2026 Symbolbild: Viktor/stock.adobe.com In frühen Phasen der beiden psychischen Erkrankungen weisen Patientinnen und Patienten oft bestimmte Entzündungswerte im Blut und Veränderungen in der Grauen Substanz des Gehirns auf. Ein besseres Verständnis dieser Biomarker eröffnet neue diagnostische Optionen und therapeutische Maßnahmen. In frühen Krankheitsphasen von Depression und Psychose zeigen sich bei Patientinnen und Patienten häufig veränderte Entzündungsmarker im Blut sowie strukturelle Veränderungen der Grauen Hirnsubstanz. Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie, die im Fachjournal „JAMA Psychiatry“ erschienen ist. Obwohl die Diagnosestellung weiterhin überwiegend auf klinischen Symptomen basiert, stehen diese biologischen Marker schon länger mit depressiven und psychotischen Störungen in Verbindung und liefern wichtige zusätzliche Hinweise auf zugrunde liegende Krankheitsmechanismen. Die aktuelle Studie zeigt, dass bereits in frühesten Stadien dieser Erkrankungen grundsätzlich unterschiedliche Entzündungs- und Gehirnsignaturen festzustellen sind. Das Ergebnis könnte zukünftig frühzeitige therapeutische Interventionen ermöglichen und dazu beitragen, das Risiko schwerer Verläufe zu reduzieren.Das Forschungsteam wurde geleitet von Dr. David Popovic am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München, PD Dr. Lana Kambeitz-Ilankovic an der Universitätsmedizin Köln und Prof. Rachel Upthegrove an der Oxford-Universität. Die Studie beruht auf dem von der Europäischen Union von 2014 bis 2019 mit sechs Millionen Euro geförderten Projekt PRONIA. Das Projekt hat neuartige Vorhersagetools beziehungsweise Prädiktionsmodelle entwickelt, um den Ausbruch psychischer Erkrankungen mit größerer Genauigkeit vorherzusagen. Messung von Hirn-Signaturen mittels MRT Im Rahmen der aktuellen Studie führten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zwischen 2013 und 2018 an verschiedenen Standorten in Deutschland, Italien, der Schweiz, Finnland und dem Vereinigten Königreich an 678 ausgewählten Probandinnen und Probanden aus der PRONIA-Studie weitere Untersuchungen durch, um die Rolle von Entzündungsbiomarkern und der Hirnstruktur in frühen Krankheitsphasen zu untersuchen. Die Studie umfasste Personen mit kürzlich aufgetretener Depression oder Psychose und klinisch hochriskanten Zuständen für die Entwicklung einer Psychose, die bislang nur minimal mit Medikamenten behandelt wurden, sowie gesunden Kontrollpersonen.Die Forschenden untersuchten dabei Entzündungssignaturen im Blut und im Gehirn: Dazu gehörten unterschiedliche Werte von Zytokinen – Proteinen, die die Interaktion und Kommunikation zwischen Zellen beeinflussen, unter anderem in der Immunreaktion bei Entzündungen. Zur Messung von Hirn-Signaturen dienten MRT-Bildgebungsverfahren, um das Volumen der Grauen Substanz im Gehirn zu bestimmen. Ein besonderer Fokus lag dabei auf limbischen Hirnregionen, die hauptsächlich für die Verarbeitung von Emotionen zuständig sind. Depression und Psychose zeigen unterschiedliche Zytokin-Muster Die Studie zeigte: Patientinnen und Patienten in den frühen Phasen beider Krankheiten wiesen ein komplexes, aber für die jeweilige Krankheit weitgehend konsistentes Muster verschiedener Zytokin-Werte auf. Überraschend war, dass die Depressions- und die Psychose-Signatur selbst in diesen frühesten Krankheitsstadien keine Gemeinsamkeiten aufweisen, weder im Gehirn noch in den Entzündungsmarkern. Darüber hinaus beobachteten die Forschenden nur bei der Psychose-Signatur Hinweise auf eingeschränkte kognitive Fähigkeiten, während bei der Depressions-Signatur keine kognitiven Defizite festzustellen waren. Insgesamt zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen Depression und Psychose, ohne relevante Überschneidungen in den untersuchten Signaturen.„Diese Signaturen eröffnen neue Ansätze für sowohl biologisch als auch psychosozial fundierte frühe Interventionen bei Depression und Psychose. Das ebnet den Weg für maßgeschneiderte Therapien, je nachdem, ob sich die junge Person in einer Depressions- oder Psychose-Entwicklungskurve befindet“, erklärt Popovic. Frühere Abgrenzung der Erkrankungen möglich Kambeitz-Ilankovic fügt hinzu: „Unser Befund soll die etablierte klinische Diagnose auf der Basis von Symptomen und Behandlung, die auch die psychosoziale Situation von Patientinnen und Patienten berücksichtigt, nicht ersetzen. Doch unsere Befunde zu den jeweiligen Biomarkern könnten Behandlerinnen und Behandlern in der Zukunft eine bessere Abgrenzung beider Erkrankungen schon in einer sehr frühen Phase ermöglichen.“ Dies erleichtere eine passgenaue Behandlung und könne das Risiko einer Chronifizierung senken.Um eine geeignete therapeutische Intervention für diese Patientengruppen zu finden, sei jedoch noch weitere Forschung notwendig. Das Forschungsteam plant derzeit weitere Studien mithilfe sogenannter Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI), um die Entzündung im Gehirn noch genauer zu untersuchen und zu bestimmen, wie stabil die jeweiligen Signaturen über die Zeit bleiben. Außerdem interessant zu den Themen Depression und Psychose: Eine Dosis Psilocybin, ein Schuss Tollwut: Neue Ansätze gegen Depression Forscher identifizieren möglichen Biomarker für Psychosen
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