Oxytocin fördert soziales Verhalten unter körperlicher Belastung27. Februar 2026 Symbolbild für soziale Verbindung © Premium Resource/stok.adobe.com Eine neue tierexperimentelle Studie zeigt, wie das Neuropeptid Oxytocin gezielt soziale Verhaltensweisen fördert. Forschende wiesen nach, dass Oxytocin im medialen präfrontalen Kortex spezielle Nervenzellen aktiviert, die soziale Annäherung fördern – auch unter körperlicher Belastung wie Hunger. Das Neuropeptid Oxytocin ist vor allem dafür bekannt, soziales Verhalten zu fördern. Dennoch ist bislang weitgehend unklar, auf welche genauen Hirnstrukturen und welche Zelltypen Oxytocin während sozialen Verhaltens wirkt. Um mögliche Mechanismen im Gehirn zu identifizieren, hat ein internationales Forscherteam unter Federführung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim eine tierexperimentelle Studie durchgeführt, deren Ergebnisse nun im Fachjournal „Nature Communications“ veröffentlicht wurden. Spezielle Nervenzellen fördern soziale Annäherung Mithilfe optogenetischer Methoden lösten die Forschenden gezielt die lokale Freisetzung von Oxytocin aus Nervenfasern aus, die vom Hypothalamus in diesen kortikalen Bereich verlaufen. Diese lokal begrenzte Oxytocin-Freisetzung führte bei weiblichen Ratten zu einer deutlichen Zunahme sozialer Annäherung. Damit ist es gelungen, erstmals einen Schaltkreis in der Großhirnrinde genau zu beschreiben, der auf Oxytocin anspricht und soziales Verhalten fördert. Im Fokus der Forschenden standen Zellen mit Oxytocin-Rezeptoren, die überwiegend hemmende Interneurone sind. Deren Aufgabe ist es, die Aktivität von Hauptnervenzellen zu dämpfen. Damit unterdrücken Sie vor allem die Aktivität jener Nervenzellen in der Großhirnrinde, die Signale an die Amygdala weiterleiten, ein Hirnareal, das an Angst- und Stressverarbeitung beteiligt ist. „Die hemmenden Interneurone wirken wie ein Verstärker für soziale Signale im medialen präfrontalen Kortex“, erklärt Stephanie Schimmer, Mitarbeiterin in der Abteilung Neuropeptidforschung in der Psychiatrie am ZI und Erstautorin der Studie. „Sind diese Zellen aktiviert, erhöhen sie gezielt die Bereitschaft der Tiere zur Interaktion.“ Soziales Verhalten bleibt trotz Hungergefühl erhalten Besonders relevant ist, dass der prosoziale Effekt auch unter Hunger anhielt. Normalerweise konkurrieren soziale Bedürfnisse in solchen Situationen mit grundlegenden Überlebensmotiven. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein spezieller neuronaler Schaltkreis sozialen Kontakt auch dann aufrechterhält, wenn der Körper durch konkurrierende körperliche Bedürfnisse wie Hunger belastet ist“, sagt Letztautor Prof. Valery Grinevich, Leiter der Abteilung Neuropeptidforschung in der Psychiatrie am ZI. Gezielte Hemmung angstbezogener Netzwerke Weitere Analysen der Forschenden zeigten, dass die aktivierten Interneurone vor allem Nervenzellen hemmen, die Signale zur Amygdala weiterleiten. „Dies könnte erklären, inwiefern Oxytocin gezielt angstbezogene Prozesse dämpft und soziales Verhalten begünstigt“, mutmaßt Grinevich.Er ist überzeugt davon, dass ein besseres Verständnis der genauen anatomischen und zellulären Zielstrukturen von Oxytocin dazu beiträgt, die neuronalen Grundlagen von sozialem Verhalten, Empathie, Vertrauen und sozialer Entscheidungsfindung besser zu verstehen. Viele psychische Erkrankungen, wie Angststörungen, Autismus-Spektrum-Störung, Depressionen oder Schizophrenie gehen mit Veränderungen im sozialen Verhalten einher. Entsprechende Erkenntnisse können daher einen wichtigen Beitrag leisten, um wirksame Therapien entwickeln beziehungsweise bestehende Therapien verbessern zu können. Außerdem interessant zum Thema Oxytocin: Visualisierung des Oxytocinrezeptors: Neue Ansätze für Brustkrebs und Autismus? Oxytocin-Analoga statt Opioide: Neuer Ansatz zur Behandlung chronischer abdominaler Schmerzen gefunden
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