Bleibende Spuren: Medikamente verändern das Darmmikrobiom auf Jahre16. September 2025 Abbildung: © Moonroad/stock.adobe.com Laut einer groß angelegten Studie von Forschenden des Institutes für Genomik an der Universität Tartu (Estland) können Arzneimittel, die bereits vor Jahren eingenommen worden sind, das menschliche Darmmikrobiom noch über Jahre hinweg prägen. Die Wissenschaftler hatten Informationen zu Stuhlproben und Verschreibungen von mehr als 2500 Personen aus einer nationalen Biobank in Estland ausgewertete. Dabei stellten sie fest, dass die Mehrheit der untersuchten Medikamente mit Veränderungen im Mikrobiom in Verbindung gebracht werden konnten. Eine beträchtliche Anzahl dieser Arzneimittel hatte auch noch Jahre nach deren Absetzen langfristige, nachweisbare Auswirkungen. Dabei beschränkten sich diese Effekte nicht nur auf Antibiotika, wie die Wissenschaftler betonen: Auch Antidepressiva, Betablocker, Protonenpumpenhemmer und Benzodiazepine hinterließen gewissermaßen ihre mikrobiellen Fingerabdrücke. Faktor für individuelle Unterschiede im Mikrobiom „Die meisten Mikrobiomstudien berücksichtigen nur aktuell eingenommene Medikamente“, erklärt Hauptautor Dr. Oliver Aasmets. „Unsere Forschungsergebnisse aber zeigen, dass der Medikamentenkonsum in der Vergangenheit ebenso wichtig sein kann. Er stellt sich nämlich als ein überraschend starker Faktor dar, wenn es um die Erklärung individueller Unterschiede im Mikrobiom geht.“ Dies unterstreiche, wie wichtig es ist, den Verlauf des Medikamentenkonsums bei der Untersuchung von Zusammenhängen zwischen Mikrobiom und Krankheit zu berücksichtigen. Wie die Forschenden berichten, hatten in der Untersuchung Benzodiazepine ähnliche Auswirkungen auf das Mikrobiom wie Breitbandantibiotika. Die Forschenden berichten auch, dass Medikamente derselben Klasse, die für dieselbe Erkrankung eingesetzt werden können – beispielsweise Diazepam und Alprazolam – sich darin unterscheiden können, wie stark sie sich auf eine mikrobielle Dysfunktion auswirken. Hinweis auf kausale Effekte Nachuntersuchungen bei einer Subgruppe von Teilnehmenden bestätigten, dass die Einnahme oder das Absetzen bestimmter Medikamente vorhersehbare mikrobielle Veränderungen verursachte, was auf kausale Effekte hindeutet. Trotz der geringen Stichprobengröße der zweiten Analysezeitpunktanalyse konnten die Autoren Langzeiteffekte von Protonenpumpenhemmern, selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern und Antibiotika wie Penicillinkombinationen und Makroliden nachweisen. „Dies ist eine umfassende systematische Bewertung der Langzeiteffekte von Medikamenten auf das Mikrobiom anhand realer medizinischer Gesundheitsdaten“, sagte Professor Elin Org, korrespondierende Autorin. „Wir hoffen, dass dies Forscher und Kliniker ermutigt, die Medikamentenanamnese bei der Interpretation von Mikrobiomdaten zu berücksichtigen.“
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