Blocker gegen Blutgerinnsel9. November 2021 Foto: ©Tatiana Shepeleva – stock.adobe.com Bestimmte Medikamente aus der Krebstherapie, die sogenannten BTK-Inhibitoren, können in vitro die krankhafte Aktivierung von Blutplättchen mit einhergehender Bildung von Gerinnseln normalisieren, die in seltenen Fällen nach einer Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff gegen COVID-19 auftritt. Das berichten Mediziner des LMU Klinikums München um Prof. Dr. Christian Weber in einem Letter-to-the-Editor im „New England Journal of Medicine“. Der Direktor des Instituts für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten spricht von einem „dringend benötigten Therapieansatz für diese besorgniserregende Impfkomplikation.“ In Deutschland sind bisher weit über zwölfeinhalb Millionen Dosen des Astrazeneca-Impfstoffes Vaxzevria verabreicht worden, EU-weit über 67 Millionen Dosen. Die viel beachtete schwere Nebenwirkung VITT (Vaccine-induced immune thrombotic thrombocytopenia) tritt bei etwa einer bis anderthalb von 100.000 Impfungen auf, „ist also eine seltene, aber bedrohliche Nebenwirkung mit hoher Sterblichkeit“, wie Weber sagt. Darüber hinaus wurden und werden viele weitere Dosen des Astrazeneca-Impfstoffes weltweit an bedürftige Länder gespendet, womit es sich bei VITT um ein globales Problem handelt. In einem Labormodell hatten die Mediziner Blutserum von Menschen mit VITT zur Verfügung. Als sie das Serum zu Blut von gesunden Probanden gaben, beobachteten sie die Aktivierung der Blutplättchen und die anschließende Bildung von Gerinnseln. Hatten sie den Blutproben der Probanden allerdings einen BTK-Inhibitor beigemischt, „blieb die Bildung der Gerinnsel aus“, sagt PD Dr. Philipp von Hundelshausen, der an der Studie beteiligt war. Das Medikament blockiert die Bruton-Tyrosinkinase, die für die Thrombenbildung unbedingt notwendig ist. Ein BTK-Blocker ist bereits für die Krebstherapie zugelassen, andere werden derzeit in klinischen Studien erprobt. Um die Medikamente auch gegen VITT einzusetzen, „müssten sie ebenfalls in klinischen Studien getestet werden“, erklärt Weber. Die BTK-Inhibitoren könnten auch gegen zwei andere Erkrankungen helfen, die durch die gleichen Mechanismen entstehen, wie VITT. Zum einen leiden manche Menschen an einer Autoimmunerkrankung, die bei der therapeutischen Gabe von Heparin plötzlich zur Gerinnselbildung führt. Und in seltenen Fällen kommt es bei einigen Fällen selbst ohne Heparin-Gabe zu diesen Gerinnseln.
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