Blutabnahme bei Neugeborenen: Mit Zuckerlösung tut es weniger weh

Für das Neugeborenen-Screening wird eine Blutprobe benötigt. Mit Saccharose tut der Pieks weniger weh. (Foto: © Adam Ján Figeľ – stock.adobe.com)

Gibt man Neugeborenen eine winzige Menge Saccharose in den Mund, haben sie wahrscheinlich weniger Schmerzen, wenn ihnen Blut abgenommen wird. Das zeigt ein neuer Cochrane-Review, der 29 Studien mit mehr als 2700 Früh- und Reifgeborenen ausgewertet hat.

„Die Evidenz zeigt: Eine kleine Menge Saccharose, die kurz vor dem Eingriff verabreicht wird, ist eine einfache, schnelle und wirksame Methode, um Schmerzen zu verringern“, erklärte Mariana Bueno von der Universität Toronto, Kanada, die Erstautorin des Reviews. „Unser Review hilft Klinikern, diese Evidenz sicherer und konsequenter in der Praxis anzuwenden.“

Saccharose, aber auch Hautkontakt und Stillen helfen

Die 29 Studien, die dem neuen Cochrane Review insgesamt zugrunde liegen, verglichen Saccharose – also eine Zuckerlösung aus gewöhnlichem Haushaltszucker, aufgelöst in Wasser – mit verschiedenen anderen Methoden der Schmerzlinderung. Der Cochrane Review hat die verschiedenen Teilresultate der Studien mit speziellen Methoden zusammengefasst und kommt dabei zu folgenden Ergebnissen:

• Im Vergleich zu keiner Behandlung, Wasser oder Standardversorgung reduziert die Zuckerlösung den Schmerz während und unmittelbar nach der Blutabnahme wahrscheinlich deutlich. Auf einer Schmerzskala von 0 bis 10 sanken die Werte durchschnittlich um rund 2 Punkte. (7 Studien, 477 Neugeborene; Vertrauenswürdigkeit dieses Teil-Ergebnisses nach dem GRADE-System: moderat für die Messung während des Nadelstichs und 30 Sekunden danach)

• Ein direkter Hautkontakt zwischen Mutter und Kind kann Schmerzen lindern. Im Vergleich dazu macht die Zuckerlösung beim Schmerz während der Blutabnahme für das Neugeborene möglicherweise kaum einen oder keinen Unterschied. (2 Studien, 208 Neugeborene; Vertrauenswürdigkeit nach dem GRADE-System: niedrig)

• Stillen kann Schmerzen beim Neugeborenen ebenfalls verringern. Im Vergleich zum Stillen lindert die Zuckerlösung den Schmerz unmittelbar während der Blutabnahme – also beim eigentlichen Pieks – wahrscheinlich stärker. Zwei Minuten nach dem Eingriff ist der Unterschied zwischen beiden Methoden möglicherweise gering. (je 1 Studie mit 103 bzw.104 Neugeborenen; Vertrauenswürdigkeit nach dem GRADE-System: moderat bzw. niedrig)

• Gibt man einem Neugeborenen zugleich Zuckerlösung und Schnuller, reduziert das den Schmerz während und nach der Blutabnahme im Vergleich zu ausschließlichem Schnullersaugen wahrscheinlich stärker. (2 Studien, 136 Neugeborene; Vertrauenswürdigkeit nach dem GRADE-System: moderat)

Einfache Methode ohne Nebenwirkungen

Vier der Studien, die der aktuelle Review eingeschlossen hat, haben dezidiert nach Nebenwirkungen gesucht. Keine davon berichtete von unmittelbaren Nebenwirkungen wie Würgereiz oder Atemaussetzern nach der Gabe der Zuckerlösung.

„Zuckerlösung, Schnuller, Stillen und Haut-zu-Haut-Kontakt zwischen Mutter und Kind schließen sich nicht gegenseitig aus – sie bilden ein Set einfacher und sicherer Methoden, die sich ergänzen und kombiniert eingesetzt werden können. Allerdings ist nicht immer jede Methode verfügbar: Stillen und Haut-zu-Haut-Kontakt sind nicht in jeder klinischen Situation möglich. Die Zuckerlösung hingegen kann nahezu immer und überall gegeben werden – und für ihren Einsatz bei Blutabnahmen haben wir mit diesem Review nun relativ gute Evidenz“, ordnet Prof. Jörg Meerpohl die Ergebnisse ein. Meerpohl ist wissenschaftlicher Direktor von Cochrane Deutschland und war selbst nicht an der Erstellung des Reviews beteiligt. Die Review-Autoren betonen, dass Saccharose gezielt bei schmerzhaften Eingriffen eingesetzt werden solle – und nicht routinemäßig, um ein weinendes Baby zu beruhigen.

In den ausgewerteten Studien wurde die Zuckerlösung auf drei Arten gegeben: per Spritze direkt in den Mund, per Tropfer oder über einen mit der Lösung benetzten Schnuller. Die Konzentration betrug meist 24 Prozent, die Menge lag zwischen 0,1 und 2 ml. Die verschiedenen Verabreichungswege wurden nicht direkt miteinander verglichen.