Blutzuckerkontrolle bei älteren Patienten mit Diabetes mellitus13. Mai 2021 © Syda Productions – stock.adobe.com (Symbolbild) Mehr als 25% der älteren Erwachsenen (Alter ≥75 Jahre) leiden an Diabetes und sind möglicherweise einem Risiko für unerwünschte Ereignisse durch eine zu starke Blutzuckerkontrolle ausgesetzt. Ziel einer kanadischen Studie war es, die Prävalenz einer intensiven Blutzuckerkontrolle in dieser Altersgruppe, eine mögliche Überbehandlung bei älteren Erwachsenen und die Auswirkungen einer Überbehandlung auf das Risiko schwerwiegender Ereignisse zu evaluieren. Es wurde eine retrospektive, bevölkerungsbasierte Kohortenstudie mit älteren Erwachsenen in Ontario unter Verwendung von Verwaltungsdaten durchgeführt. Die Teilnehmer waren ≥75 Jahre alt und hatten zwischen 2014–2015 einen diagnostizierten Diabetes, der mit mindestens einem Medikament zur Senkung des Blutzuckers behandelt wurde. Die Probanden wurden als Patienten mit intensiver oder konservativer Blutzuckerkontrolle (HbA1c <53 mmol/mol [<7%] oder 54–69 mmol/mol [7,1–8,5%]) und als Behandlung mit risikoreichen (d.h. Insulin, Sulfonylharnstoffen) oder risikoarmen (anderen) Wirkstoffen eingestuft. Zudem wurde das zusammengesetzte Risiko von Besuchen in der Notaufnahme, Krankenhausaufenthalten oder Todesfällen innerhalb von 30 Tagen nach Erreichen einer intensiven Blutzuckerkontrolle mit Hochrisikomedikamenten gemessen. Unter 108.620 älteren Erwachsenen mit diagnostiziertem Diabetes in Ontario betrug das Durchschnittsalter (±SD) 80,6 (±4,5) Jahre, 49,7% waren weiblich und die durchschnittliche Diabetesdauer betrug 13,7 (±6,3) Jahre. Insgesamt wurden 61% der Personen einer intensiven Blutzuckerkontrolle und 21,6% einer Behandlung mit Hochrisikomedikamenten unterzogen. Eine intensive Kontrolle des Blutzuckerspiegels mit Hochrisikomedikamenten war mit einem um fast 50% erhöhten Risiko für das zusammengesetzte Studienergebnis assoziiert, verglichen mit einer konservativen Blutzuckerkontrolle mit Niedrigrisikomedikamenten (RR 1,49; 95%-KI 1,08–2,05). Fazit Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, die glykämischen Ziele bei älteren Erwachsenen neu zu bewerten und die Verschreibung von anti-hyperglykämischen Medikamenten zu überdenken, die zu einer Hypoglykämie führen können. Dies gilt insbesondere für die Durchführung einer intensiven Blutzuckerkontrolle, so die Autoren. (rl) Autoren: Lega IC et al. Korrespondenz: Iliana C. Lega; [email protected] Studie: Potential diabetes overtreatment and risk of adverse events among older adults in Ontario: a population-based study Quelle: Diabetologia 2021 May;64(5):1093–1102. Web: https://doi.org/10.1007/s00125-020-05370-7
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